Schon am Morgen bin ich aufgeregt, denn wir werden heute die Grenze zu Lesotho überqueren. Lesotho – ein kleines Königreich, umringt von Südafrika. Auf der Landkarte sieht das Land aus wie eine kleine Erbse, im Schatten seines großen Nachbarn Südafrika. Und doch ist Lesotho für mich einer der schönsten Orte auf diesem Erdball, den ich je besucht habe. Ein Ort, an dem die Seele verweilt und sich wieder bewusst wird, was es heißt am Leben zu sein. Denn bei all der Schönheit, die sich dem Betrachter im Königreich des Himmels offenbart, ist Lesotho ein bitterarmes Land. Eines der ärmsten dieser Erde. Im Index steht es lt. Wikipedia auf 160 von 188 Ländern (Quelle wikipedia, Stand: 2016).

Lesotho - ein Königreich im Himmel

Das merkt man sofort wenn man die Grenze überquert. Zusammen mit dem Einreisestempel gibt es kostenlose Kondome. Denn in Lesotho ist die HIV-Rate noch höher als in Südafrika und das ist traurig. 24 % der Bevölkerung sind HIV-positiv, das ist fast jeder vierte Lesothe. Viele Kinder sind Waisen, weil ihre Eltern an Aids gestorben sind und die Friedhöfe in Lesotho zeigen die traurige Wahrheit der kurzen Leben in diesem Königreich: älter als 40 bis 50 Jahre wird hier kaum jemand. Wäre ich in Lesotho aufgewachsen, wären meine letzten Tage auf diesem Erdball gezählt. Während ich in unserem Truck sitze und durch die wunderschöne Landschaft fahre, kommen wir an Siedlungen vorbei und während ich in die Gesichter der Menschen am Straßenrand blicke, kann ich nicht anders als mich zu fragen ob sie auch solche Gedanken hegen. Auf der anderen Seite, wenn der Tod so allgegenwärtig ist und zu etwas normalem wird, muss man ihn vielleicht weniger fürchten und kann glücklicher im Hier und Jetzt sein. Man lebt vielleicht anders, man nimmt Chancen sofort wahr und nicht so wie wir, die immer einen Plan B für alles brauchen.

Lesotho - ein Königreich im Himmel

All diese Gedanken begleiten mich auf meinem Weg durch Lesotho und das ist vielleicht auch einer der Gründe, warum dieses Land so unvergesslich für mich ist: man wird konfrontiert mit der Realität und mit den existentiellen Fragen des Lebens, die jeden beschäftigen, egal ob arm oder reich, ob jung oder alt, ob schwarz oder weiß. Was spielt das für eine Rolle? Am Ende erwartet jeden von uns das gleiche und wenn mir so etwas bewusst wird, dann fühle ich mich immer viel freier, weil ich es von den Lesothen vor Augen gehalten bekomme: wir haben nur dieses eine verdammte Leben. Deswegen sauge ich alles auf, was ich in diesem Land erfassen kann, deswegen steige ich auf dieses Pony, das mich über steile Felsen führt ohne mich zu fürchten und deswegen bin ich unglaublich dankbar für mein priviligiertes Leben in Deutschland.

Lesotho - ein Königreich im Himmel

Doch kommen wir zu den schönen Seiten von Lesotho. Unser Truck kämpft die steile Höhenstraßen des Paradise Passes hinauf. Umgeben von grünen Hügeln schweifen meine Blicke über die Hochebene. Hin und wieder kreuzt ein Esel oder eine Schafherde unseren Weg, vereinzelte Häuser stehen mitten in der Weite. Für einen Menschen aus der Großstadt ein unbeschreibliches Gefühl. Wir befinden uns jetzt auf über 2000 Höhenmetern. Lesotho liegt auf der Hochebene, weshalb es auch das Königreich im Himmel genannt wird. Eine Gruppe Motorradfahrer zischt an uns vorbei: für sie sind diese holprigen Straßen bestimmt beste Voraussetzungen. Dass die Lesothen Sinn für Humor haben zeigt dieses Schild auf einer Passstraße: (Frauen: schnallt euere BHs fest, Männer zieht eure Hosenträger an, schnallt euch an, nehmt eure Gebisse heraus, holprige Straße voraus):

Woman thighten your Bras,
Men put on your jock straps,
fasten seat belts,
take out false teeth,
bumby road ahead

Dem Himmel so nah in der Malealea-Lodge

Lesotho - Malealea Lodge

Am Abend erreichen wir unsere Unterkunft, die Malealea-Lodge. Auch die Motorradfahrer treffen wir hier wieder. Es ist die einzige Lodge hier weit und breit. Ich habe mich auf das Schlimmste gefasst gemacht, aber die Unterkunft ist ziemlich gemütlich: Eine typische Rundhütte mit Strohdach, aber einem eigenen Bad mit Dusche und warmen Wasser. Einfacher Standard, aber super sauber und ein super Service, da hatte ich in Südafrika weit schlechtere Unterkünfte. Sogar gereinigtes Trinkwasser haben sie mir ins Bad gestellt. Nur, dass um 22 Uhr das Licht aus geht wusste ich nicht und so irrte ich in völliger Dunkelheit durch den Garten der Lodge und suchte meine Hütte. Meine Großstadtaugen sind diese Dunkelheit nicht gewohnt. Eine Frau hat mir freundlicherweise den Weg gezeigt. Da habe ich bemerkt, dass genau über meiner Strohhütte die Milchstraße leuchtet. Ich glaube ich habe sie noch nie gesehen. Jedenfalls noch nie so wie hier. Nie fühlte ich mich dem Himmel näher. In Frankfurt ist es wie gesagt selbst nachts nicht so dunkel, dass man Sterne sieht. Hier sind sie zum Greifen nah. Als müsste ich nur meine Hände in den Himmel strecken und mir die Sterne herunterholen. Mir stockte der Atem bei dem Anblick der Millionen von Sterne. Es ist ein romantischer Augenblick.

Begegnungen mit den Einheimischen bei einer Führung durchs Dorf

Lesotho - ein Königreich im Himmel

Ich schlafe wie ein Stein in völliger Ruhe, am nächsten Morgen werde ich von einigen Stimmen geweckt. Nach dem Frühstück nehmen wir an einer Führung durch das Dorf teil. Das kann man in der Malelea Lodge direkt so buchen. Zwei Guides mit windschiefen Zähnen aber einem Strahlen über beide Backen führen uns in ihrem Dorf herum.

Besuch in der Schule von Malealea

Wir kommen in die Schule und obwohl es Sonntag ist und die Kinder zuhause bei ihren Familien, hat sich der Lehrer die Zeit genommen uns die Schule von innen zu zeigen. 240 Kinder kommen  aus den umliegenden Gemeinden hier her, um zu lernen. Lehrer gibt es dagegen nur fünf an der Schule von Malealea. Die Bildung steht jedem Kind kostenlos zur Verfügung, dazu gibt es noch zwei Mahlzeiten für die Kinder, aber der Schulweg ist oft lang. Englisch ist Hauptfach. An den Wänden hängen Landkarten. Auf Zetteln an den Wänden hängen auf englisch geschriebene Notizen:

we all look diffrent, some are tall,
some are small some are white,
some are brown, some are dark brown.

Wen würde es nicht zutiefst im Innern berühren das an den Wänden einer Schule zu lesen? Eine Selbstverständlichkeit, mit denen diese Kinder aufwachsen, die aber in Südafrika wegen der Apartheit bis vor einigen Jahren keine Selbstverständlichkeit war. Dann sehen wir den Friedhof mit den Gräbern und den kurzen Leben.  1988 bis 2016 steht auf einem Grabstein, 28 Jahre alt. Der Kopf, erklärt uns der Guide, schaut immer zur Sonne.

Lesotho - ein Königreich im Himmel

Wen jemand sterbe, so kommen alle Familienmitglieder zusammen, trauern eine Nacht lang und während die Männer schließlich das Grab ausheben und eine Kuh oder ein Schaf schlachten, legen die Frauen einen Stein aufs Grab.

Zu Besuch bei der Bierbrauerin von Malealea

Lesotho - ein Königreich im Himmel

Zu Besuch bei der Bierbrauerin von Malealea in Lesotho

Auch beim Bürgermeister, dem Dorfchef, schauen wir vorbei. Er bestimmt, wer wo ein Haus bauen oder bewohnen darf und sollte es mal Streit geben, ist er der Schlichter zwischen den Parteien. Das Highlight dieser Dorfführung aber ist, der Besuch bei der Bierbrauerin. Die Witwe erzählt uns, wie sie nach dem Tod des Mannes versuchte Geld zu verdienen, um ihre Kinder durchzubringen und da brachte sie sich das Bierbrauen bei. Sie rührt in einem Kessel ein Maischegemisch zusammen und wir sollen probieren. Es schmeckt bitter und wenig nach Bier wie ich finde, aber ich bin jetzt auch nicht so der Biertrinker.

Lesotho - ein Königreich im Himmel

Ponytrekking in Lesotho: Mit dem Pony die Schönheit von Lesotho entdecken

Lesotho ist vor allem auch wegen seiner Ponys bekannt. Diese gelten als äußerst robust und trittsicher, was in den Höhenlagen und im felsigen Untergrund für die Bevölkerung von Lesotho besonders wichtig ist. Oftmals ist es nur mit einem Pony möglich von A nach B zu kommen. Daher haben die Lesotho Ponys auch eine große Bedeutung für die Lesohten. Eine der beliebtesten Aktivitäten sind Poneytrekking mit einem typischen Lesotho Pony (auch Basotho Pony). Da ich früher geritten bin, möchte ich mir das auf keinen Fall entgehen lassen, auch wenn unser Guide uns schon einmal vorwarnt: das sei nix für schwache Nerven, es gehe steile Felshänge hinauf und hinunter. Ich lasse mich aber nicht abschrecken, Ronald, unser Fahrer meinte, die Ponys kennen den Weg schon von alleine. Genau das glaube ich auch und buche mir einen dreistündigen Ausritt für grade mal 20 Euro. Meine Sorge gilt viel mehr meinem Hinterteil: werde ich abends noch laufen können? Die Ponys werden schnell für uns zurecht gemacht, sie sehen ein bisschen struppig und mager aus, Sattel und Zaumzeugs sind eher spartanisch. Dann geht es los, nur ich ein und ein anderer aus unserer Reisegruppe haben sich getraut diesen Ausflug mitzumachen.

Ponytrekking in Lesotho

Gleich hinter dem Dorf an der Malealea Lodge fängt der gebirgige Untergrund an, es geht steil hinab eine Felspiste, hinunter ins Tal, wo ein Fluss entlang läuft. Mein Pony stolpert sicher über die Steine, nur ein paar mal rutscht es auf den glatten Felsen aus, doch es fängt sich sofort wieder. Es kennt den Weg und es kennt bereits die gefährlichen Stellen. Erfahren sucht es sich den für sich am sichersten Weg. Ich beschließe ihm freien Lauf zu lassen, ihn nicht zu zügeln sondern einfach machen zu lassen. Das Pony hat in diesem Fall auf alle Fälle mehr Ahnung als ich, ich vertraue ihm einfach. Auch wenn ich nicht anders kann als wieder meine deutschen Sicherheitsgedanken zu denken: wenn ich hier stürze ist es aus, wenn ich mich verletze, muss ich in ein Krankenhaus in Südafrika, meilenweit, stundenlang entfernt von hier, weil Lesotho keine Krankenhäuser hat. Ich verfluche mich gleichzeitig dafür sowas zu denken. Dann konzentriere ich mich einfach auf die wunderschöne Landschaft, rings herum die grünen Berge. Unten am Fluss ist es so friedlich. An einer besonders engen und steilen Stelle müssen wir kurz absteigen, aber das ist kein Problem. Schließlich kommen wir an einem Wasserfall an. Eine kleine Pause, doch ich kann es gar nicht erwarten wieder auf mein Pony zu steigen, denn:

das Glück dieser Erde liegt auf dem Rücken der Pferde

Ich habe vergessen, was für ein tolles Gefühl es ist, auf dem Rücken der Pferde durch die Natur zu streifen. Es ist großartig! Auch wenn ich ein bisschen Mitleid mit meinem Pony habe und froh bin, dass ich die Strecke nicht selbst zu Fuß gehen muss. Der Ausritt mit einem Lesotho Pony zum Wasserfall war für mich ein absolutes Highlight. Abends sitze ich super zufrieden am Lagerfeuer. Unsere Guides haben heute extra viel gekocht, später erkenne ich wieso: den Großteil davon geben sie einem jungen Mann, der schon eine Weile in einer Ecke steht und uns anschaut. Das Essen ist für seine Familie.

Wir schauen uns noch eine Weile die Milchstraße an, unser Guide hätte uns gerne mehr erklärt, welcher Stern wo ist, aber da schnauzt eine deutsche Touristin zum Fenster raus, das wir ruhig sein sollen, weil sie um neun Uhr abends schlafen will. Es scheint so als könne man selbst im Königreich des Himmels sein deutschsein nicht ablegen. Am nächsten Tag verlassen wir das kleine Königreich wieder zeitig. Ein letztes Mal geht es die holprige Straße hinauf, Bauern pflügen hier ihre Felder noch mit Ochsenkarren. Wir erreichen die Hauptstadt Maseru. Sie ist weniger schön, hier macht es sich schon eher bemerkbar, wie bitterarm das Land doch ist. Weil der Hauptgrenzübergang bei Maseru zu voll ist, nehmen wir den über die Peka Bridge. Wieder gibt es Kondome am Grenzübergang, diesmal mit Bananengeschmack.

 

Infos zu meiner Reise nach Lesotho:

Alle Infos zur Reiseplanung, Einreise, Sicherheit, Währung, Gesundheit, etc. findest du hier.

Unterkunft: Malealea Lodge

Super schöne Lodge, umgeben vom Hochland Lesothos. Du übernachtest in typischen Bomas, Rundhütten mit Strohdach, hast ein eigenes Bad, Dusche und warmes Wasser. Es gibt ein Restaurant mit Bar (und Bier aus Lesotho), einen hübschen Garten. Abends kommen hier immer Kinder oder der Dorfchor vorbei und singen etwas. Das klingt wunderschön.

Ich habe 2 Nächte hier verbracht.

Ausflüge

Ponytrekking: Du kannst mehrstündige oder mehrtägige Poneytrekkings direkt in der Lodge buchen. Die Pferde sind gleich nebenan.

Mountainbiking. Die Lodge bietet auch Mountainbike Touren an.

Dorfführung: Die Führung durch das Dorf kann ebenfalls in der Malealea Lodge gebucht werden. Ich fand diese sehr interessant und lohnenswert.

Wanderungen: Ansonsten bietet sich die Gegend auch für kleine Wanderungen an.

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