„Welcome to the hell“, begrüsst uns Radguide Snir als wir den ersten Stopp im nächtlichen Jerusalem machen, das wir zur Abwechslung mal mit Rädern erkunden. Dass wir uns nun ausgerechnet in der heiligen Stadt Jerusalem in die Hölle wagen, hätte ich nicht erwartet. Snir lacht, das Tal der Hölle am Fuße des Berges Zion heißt so, weil man hier einst Kinder opferte. Gruselig und trotzdem ist der Anblick von hier auf die erleuchtete Altstadt von Jerusalem schön.

Meinen ersten Eindruck von Jerusalem hatte ich mir anders vorgestellt. Irgendwie nicht so großartig, nicht so triumphal. Vor allem wenn die Lichter der Nacht der heiligsten aller Städte der Welt noch dieses Hochglanzformat verleihen. Jerusalem hat außerdem viele Hügel, die man erst spürt, wenn man sie mit einem Fahrrad hinauf und hinab fährt, weit außerhalb der historischen Stadtmauern begrenzt aus Zionstor und Damaskustor. Wir erreichen den alten Bahnhof, hier also treibt sich die Jugend herum an einem Shabbat. Auf dem Bahnhofsplatz trifft man sich abends zum Tanzen. Die Marktstände vor dem Bahnhof wirken in der Nacht wie stille Dokumente der Lebendigkeit am Tag.

Die Fahrt durch das nächtliche Jerusalem bringt uns über den Aussichtspunkt Mishkenot Sha’ananim gegenüber des Zionberges weiter durch den Bloomfield Garden und schließlich durch das Jaffator hinein in die Altstadt der heiligen Stadt. Es herrscht eine sonderbare Atmosphäre hier zwischen den alten Lehmhäusern, die im Licht der Laternen wie goldene Steine schimmern. Die Stadt ist so still und verlassen am Abend, das wir hier mit unseren Fahrrädern keine Probleme haben durch noch so enge Gassen zu kommen. Einzig ein paar militärische Wachtposten sind um diese Zeit in den Gassen zu sehen. Mit ihren Waffen bewachen sie die Altstadt. Ob es beklemmend wirkt, schwerbewaffnete Millitärgruppen in Jerusalem zu sehen, einer Stadt, die immerhin vom Auswärtigen Amt als Krisengebiet eingeschätzt wird? Nicht, wenn man in aller Ruhe und im euphorischen Entdeckerdrang einem Tourguide wie Snir hinterherfährt, der uns sicher durch den Gassendschungel geleitet. „Es ist gut, dass ihr Jerusalem zuerst in der Nacht seht“, sagt Snir. Am Tag, da sei die Stadt ganz anders, meint er. Und er hat recht. Die Stimmung ist  sonderbar. Im jüdischen Viertel begegnen uns orthodoxe Juden in schwarzen Kutten und mit ihren Hüten, an denen Schläfenlocken herunterbaumeln. Die Frauen halten ihr Haar unter Kopftüchern oder Perücken vor dem Blick der Öffentlichkeit bedeckt. Und dann ist da diese unglaubliche Stille in einer Hauptstadt. Wir kommen uns wie Eindringlinge vor, wie Tollpatsche, die mitten hinein in eine Filmaufnahme stolpern und die Kulisse stören. Es ist so gegensätzlich in Jerusalem, so anders wie in Tel Aviv, wo die Menschen freizügig und offen ihre Körper zur Schau stellen. Während in Tel Aviv ein Hauch von Sex an jeder Ecke zu verspüren ist, ist Jerusalem so fromm, dass es unangebracht wäre, hier mit nackten Schultern durch die Gassen zu schlendern.

Aber das merken wir erst am nächsten Tag, wenn die Stadt erwacht und auf den selben Gassen Trubel herrscht. Am Tag hätten wir mit unseren Rädern keine Chance hier durchzukommen. Snir führt uns durchs jüdische Viertel, durch die Souks des muslimischen Viertels und durch das christliche Viertel. Snir hat sich für uns eine besondere Dramaturgie ausgedacht, er meint, wir müssten die Räder abstellen, in einem schummrigen Hinterhof und ein paar Schritte zu Fuß gehen. An diesem Punkt, um 12 Uhr nachts sind wir müde, doch Snir, verspricht uns von der Aussichtslpattform noch mehr zu sehen von Jerusalem. Der Höhepunkt unserer dreistündigen Fahrradtour liegt uns hier zu mit dem Blick auf das nächtliche Jerusalem zu Füßen. Wir blicken über den Tafelberg mit seiner Al Aqsa Moschee, deren goldene Kuppel in die Nacht hineinleuchtet und die Klagemauer, die als einziger Punkt in dieser Stadt und um diese Zeit belebt scheint. Hier beten die frommen Juden in ihren Kutten mit dem Kopf zur Mauer stille Gebete in die Nacht hinein. Von der Ferne hier oben sieht das alles merkwürdig aus, wie ein Ameisenhaufen, kein bunt gekleideter Tourist in Trekkingsandalen durchbricht diese Schwarz-Weiß-Kulisse, diese einheitliche Bild von Jerusalem, von der Frömmigkeit. Es scheint als würde die Nacht allein, den Juden an der Klagemauer gehören. Denn am nächsten Tag als wir zurückkehren, ist das Bild bunter, touristischer, nicht so echt und still wie an diesem Abend.

Die Radttour durch das abendliche Jerusalem gehörte zu einer meiner Highlights in Israel. Ich kann die Tour sehr empfehlen, es ist einfach eine ganz andere Möglichkeit diese heilige Stadt zu entdecken und wie unser Guide Snir schon sagte: „Es ist gut, die Stadt zuerst bei Nacht zu sehen als am Tag“.

Buchen könnt ihr die Tour bei zuzu: 

Internet: www.zu-zu.co.il

Tel Chai St.1, Jerusalem 92107

Bieten auch Segway-Touren an, Segway kann ich nicht empfehlen, ich mag das Gerät nicht und außerdem sind die Gassen in der Altstadt mit Kopfsteinpflaster ausgestattet, was mit Segway schwierig sein könnte.

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Ich wurde vom Israelischen Tourismusamt nach Israel und Jerusalem eingeladen. Alle Ansichten sind meine eigenen.

 

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