„Die Wüste erfüllt die Herzen der Menschen mit Visionen“,  Paulo Cohelo.

Die Wüste Negev Israel

Die Schönheit der Kargheit – die Wüste Negev und das Tote Meer

Vom See Genezareth  aus fahren wir durch das Westjordanland – ein Niemandsland. Die Grenze zu Jordanien ist spürbar nahe. Die Landschaft besticht aus stiller Ödnis, Gelbtönen und Maschendrahtzaun. So träge wirkt die kilometerlange Fahrt durch die Kargheit, dass keiner von uns während der Fahrt durchs Westjordanland ein Wort spricht, ob es an der Landschaft oder an der militärischen Beklemmtheit liegt, weiß ich nicht, vielleicht an beidem. Nur einmal werden wir von einem Wagen überholt, weil wir einen kurzen Fotostopp am Maschendrahtzaun einlegen. Sonst weit und breit nichts. Westbank (englisch für Westjordanland), ist Palästinensergebiet und gehört wie der Gazastreifen zum umstrittenen Grenzgebiet. Auf 5800 Quadratkilometern leben 83 % Palästinenser und 17 % Juden. 355 israelische Siedlungen in einem Grenzgebiet, das bis heute nicht weiß, wem es gehört. Zur Zeit steht der Großteil unter israelischer Verwaltung, der andere Teil wird als autonomes  Gebiet von Palästina verwaltet. Ein ewiges Tauziehen, dabei lebten hier schon zu Zeiten der Bibelniederschrift viele Völker: Hebräer, Kanaäer, Samaritaner.

 

Durch die Wüste Negev

Ab durch die Wüste mit unserem Tourbus durch das Westjordanland (Westbank)

Wir passieren einen Checkpoint, der genauso träge wirkt wie alles andere auch, was soll uns auch passieren, wir haben ein israelisches Kennzeichen am Wagen. Andersherum wäre es vielleicht mit einem müden Wink des Grenzposten nicht getan. Dann erreichen wir das Tote Meer. Die Ockertöne haben sich längst abgewechselt mit dem Grau des Gesteins des Negev, dem salzhaltigen Dunst, der über dem Toten Meer hängt wie eine schwere Glocke und dem Grau des Toten Meeres. Manchmal lässt sich eine Dattelpalmenplantage erspähen. Ansonsten wirkt die Landschaft wirklich so tot, wie der Name des Toten Meeres schon heraufbeschwört. Weite und Ödnis, wohin man blickt. Merkwürdigerweise kann ich mich an dieser Kargheit nicht sattsehen. Eine Landschaft, die auf den ersten Blick Nichts ist, offenbart sich bei näherem Betrachten als vielschichter und diese ununterbrochene Gleichheit wirkt beruhigend für jemanden der aus der Zivilisation kommt. Zwei Drittel von Israel bestehen aus Stein und Sand, aus der Wüste Negev. Und dennoch ist dieses Land so grün und fruchtbar.

Die Wüste Negev am Toten Meer

Die Wüste Negev am Toten Meer

Die Negev Wüste blüht – die Oase Ein Gedi

Das haben wohl auch die Anhänger des Kibbuz Ein Gedi am Toten Meer so gesehen, als sie in dieser Kargheit eine Oase anlegten. Die israelischen Hippies gründeten in den 50er Jahre diese Kommune, die dank des botanischen Gartens heute zu einem der schönsten Kibbuze in Israel gehört. 800 Kibbutzianer leben heute noch hier, doch auch die Kibbutzgemeinschaft lebt größtenteils vom Tourismus und den Einnahmen aus den Hotelzimmern. Dennoch wirkt ein Spaziergang durch den botanischen Garten mit all seinen exotischen Pflanzen, darunter auch Wüstenblumen, erfrischend, besonders morgens, wenn die Sonne über den Moab Bergen aufgeht und die Bergspitzen golden glühen.

Auch die Oase Ein Gedi, übersetzt die „Quelle der Zicklein“, ist der Garten Eden Israels inmitten der kargen Gebirge der Negev Wüste. Tatsächlich sieht man hier in der Wildnis Steinböcke über die kargen steilen Felsen springen. Wer hätte gedacht, dass ich die ersten freilaufenden Steinböcke ausgerechnet in der Wüste Israels erspähe? Auch Wölfe leben in der Negev Wüste. Wir wandern zum Wasserfall, in dem wir uns eigentlich erfrischen wollen, allerdings ist die Wüstendusche schon besetzt: eine Mädchenschulklasse hat sichtlich Spaß am Erfrischungsbad in der Wüstenoase. Das einzige Kleidungsstück, dass ausgezogen wird, sind die Schuhe, selbst die Strumpfhosen kleben nach dem Wasserbad wie nasse Säcke an den Mädchen. Im Wadi David, in dem sich David angeblich vor seinem Verfolger Saul versteckt haben soll, kann man komplett ins kühle Nass eines Naturpools tauchen. Das Quellwasser hat 20 bis 25 Grad.

Die Geheimnisse der Wüste – mit dem Wüstenflüsterer und seinem Jeep durch die Negev Wüste

Jeeptour mit dem Beduinen durch die Wüste Negev

Jeeptour mit dem Beduinen durch die Wüste Negev

Die Wüste hat viele Geschichten zu erzählen und es gibt nur ein Volk, die diese Geschichten wirklich kennen: die Beduinen. Unser Beduine, dessen Namen ich vergessen habe, holt uns nach einem Bad im Toten Meer direkt am Spa des Kibbuz Ein Gedi ab. Mit seinem Wüstenjeep, einem Landrover, geht es sofort hinein in das umliegende Brachland. Der Jeep ist für solche Touren jenseits der normalen Straßenverhältnisse geschaffen worden. Der Boden reist auf. Der Jeep hinterlässt eine dicke Staubwolke, ich sitze auf der ziemlich umkomfortablen Bank hinten irgendwie  eingequetscht zwischen den andern und fühle mich zu groß geraten für dieses Gefährt. Ich muss die ganze Zeit aufpassen, dass mein Kopf nicht zu hart an die Decke prallt. Es wackelt ganz schön. So eine Jeeptour durch die Wüste ist kein Kamelritt, würde ich mal sagen. Hoch und runter, ich weiß nicht ob ich froh sein soll, hinten zu sitzen, damit ich nicht mitansehen muss, wie steil es vorne wieder runter geht. 60 % Steigung können schon mal drin sein. Bei so einer Fahrt auf dem Hungaroring ist mir mal schlecht geworden, aber das war noch gar nichts gegen den echten geröllhaltigen Untergrund der Negev Wüste. Fotografieren ist auch nicht möglich bei diesem Geruckel, aber einfach mal nur mit bloßem Auge schauen, ist eigentlich auch nicht schlecht. Zumindest wenn sich die Wüste von ihrer einzigartigen Seite wie hier zeigt. Nicht weit von der Hauptstraße nach Ein Gedi reißt im Wüstenland des Negev der Boden auf. Gesteinsformationen bilden die schönsten Natursteinbilder, die man sich denken kann. Die Schönheit der Kargheit erhält hier den Höhepunkt ihrer Schöpfung. Der Beduine hält an einem Baum an, mit seinen verspiegelten Sonnengläsern positioniert er sich wie ein cooler Macho stolz vor seinem Gefährt, um uns dann, im nächsten Augenblick wieder etwas über Wüstenblumen zu erzählen! Der Beduine nimmt die Blätter einer Pflanze, die er hier plötzlich aus dem Nichts heraus gefunden hat, weil sich ihr Grün durch einen Gesteinsbrocken gedrängt hat und reibt die Pflanze energisch zwischen den Fingern. „Das gibt Seife, damit waschen sich die Beduinen“, übersetzt Yair. Tatsächlich fängt die Pflanze an zu schäumen als wäre es Seife, wir riechen daran. Dass man ausgerechnet in der Wüste Seife findet, ist wieder eine Überraschung, die mir dieses Land offenbart. Der Beduine ist stolz auf alles, was er uns zeigen kann, das spürt man auch ohne seine Sprache zu verstehen. Er kennt die Geheimnisse der Wüste besser als jeder andere. Und von diesem Actionspaß geht es dann zurück in den Spabereich des Kibbuz Ein Gedi.

Die Wüste lebt! Wüstenbilder sind beeindruckend, mich fasziniert diese unendliche Weite, diese Stille der Natur und diese schlichte Schönheit, die so rein und pur wirkt wie ein edles Design. Wüsten gehören zu den beeindruckendsten Landschaftsbilder, wie ich finde. Ein Traum von mir ist es, einmal durch die Sahara zu wandern, allerdings würde ich dann glaube ich ein Kamel oder besser noch ein Pferd vorziehen. Übrigens wollte ich in diesen Beitrag noch die Weltkulturerbestätte Masada packen, das hätte aber den Rahmen gesprengt, daher werde ich über Masada im nächsten Artikel berichten. Masada ist absolut sehenswert, also bleibt gespannt!

 

Vielen Dank an das Israelische Tourismusministerium für die Einladung zu dieser Recherchereise.

 

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