Mexiko Chichén Itzá. Nach Tulum und Uxmal kommen wir nun nach Chichén Itzá, der bedeutensten Maya-Stätte Mexikos. Doch bevor es zur Besichtigung der alten Pyramiden geht, werden wir noch von einem alten Maya-Schamanen gesegnet.

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Mexiko: Maya-Schamane segnet uns vor dem Besuch der Pyramiden von Chichén Itzá

Wozu das gut sein soll? Man kann ja nie wissen, wenn man auf so alten Gedenkstätten herumtrampelt, schließlich gab es schon einige Unfälle bei unterwegsundaheim.de_mexico-schamane2Ausgrabungen und mit Touristen, die von der Pyramide heruntergefallen sind (daraufhin wurde das Hinaufsteigen verboten). Deswegen glauben die Nachfahren der Maya, die es ja immer noch zahlreich in Yucatan gibt, dass wer den Göttern Respekt zollt, vor dem Fluch verschont bleibe. Aber nicht nur das, die Schamanen des Indiovolkes gibt es immer noch, sie leben in den Mayadörfern und verbreiten dort ihre Lehren, hunderte von Jahren nachdem das Mayareich untergegangen ist. Für uns gibt es eine spezielle Segnung, die uns vor Krankheiten und tiefer Trauer schützen soll. Dazu rührt der Schamane ein paar Mittelchen in seinen Schälchen an, versprüht den Weihrauch um jeden einzelnen von uns und spricht seinen Segnungspruch. Immerhin verschwindet das Magenleiden einer Mitreisenden. Na dann, kann ja jetzt nix mehr schiefgehen.

 

Chichén Itzá: Frisch gesegnet vom Maya-Schamanen zur Pyramide des Kulkulkan

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Mexiko Chichén Itzá: Die Pyramide des Kulkulkan

Frisch gesegnet schlendern wir los zum Eingang und dann stehen wir plötzlich auf dem rießigen Platz in dessen Zentrum die 30 Meter hohe Pyramide des Kulkulkan steht – dem Schlangengott und Schöpfer der Erde und der Menschen. Die Pyramide ist ein Wunder, eines von sieben Bauwerken, die zu den Weltwundern der Neuzeit gehören. Hier zeigt sich die ganze Genialität der Mayas. Auf jeder der 4 Seiten befinden sich 91 Treppen, zusammen mit dem oberen Sockel ergibt das exakt 365 Stufen – genauso viele Tage wie ein Jahr hat, auch schon im Maya-Kalender. Ich hab ja bereits erwähnt, dass die Maya erstklassige Astrologen waren, sie berechneten den Mondzyklus sekundengenau und sagten jede Sonnenfinsternis voraus und das zu einer Zeit, wo sie noch nicht einmal das Rad kannten, um all diese Steine hierher in den Urwald zu setzen. Das zu einer Zeit, wo in Europa noch tiefstes Mittelalter herrschte und man glaubte die Erde sei eine Scheibe. Aber es wird noch besser, denn immer zur Sonnwende steht die Sonne so, dass sich auf der Pyramide ein Schatten bildet, der aussieht, wie eine Schlange, die sich die Stufen herabwindet. So als stiege der Schlangengott zum Volk, das ehrfürchtig auf das Naturspektakel schaute, herab. Das machte natürlich mächtig Eindruck und verlieh der Priesterkaste enorme Macht, aber auch mich beeindruckt die Genialität dieser Baumeister aus dem Urwald, die mit so einfachen Mitteln, ein solches Schauspiel bewusst inszenieren konnten, um damit ihre Macht zu erhalten. Reiseleiterin Alexandra klatscht in die Hände und wir alle werden Zeuge dieser außerordentlichen Akustik auf diesem Gelände, denn der Schall wird von der Pyramide hunderte von Metern zurückgeworfen und um ein vielfaches verstärkt – auch das war einkalkuliert von den Baumeistern der Maya, denn irgendwie musste das Volk den Priester, der vom obersten Sockel der Pyramide zum Volk herunterpredigte ja hören.

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Chichén Itzá: Die grausigen Riten der Maya

unterwegsundaheim.de_mexico-chichen-itza3Chichèn Itzá war zwischen dem 8. und 11. Jahrhundert n. Chr. eine der mächtigsten Städte im Land der Maya, das kulturelle und politische Machtzentrum der Region. Der Ballspielplatz ist der größte von insgesamt 520 bis heute gefundenen Ballspielplätzen, die Ringe sind noch höher angebracht als in Uxmal. Dahinter befindet sich eine lange Wand mit einem aus lauter Totenköpfen bestehenden Fries. Reiseleiterin Alexandra erzählt, dass man hier vermutlich die Köpfe der Ballspieler zur Schau gestellt hat. Andere Reliefs zeigen das grausige Ritual, bei dem mit Federschmuck besetzte Maya-Krieger einem anderen den Kopf abschlagen, aus dem Blut in Form von sieben Schlangen spritzte. unterwegsundaheim.de_mexico-chichen-itza7Das spiegelt den Fruchtbarkeitsglauben der Mayas wider, die glaubten, das auf den Boden spritzende Blut pflanze den Baum des Lebens. In anderen Reliefs halten Adler das herausgerissene noch schlagende Herz eines Menschenopfers in den Klauen. Diego de Landa, ein spanischer katholischer Bischof, der 1549 nach Yucatan geschickt wurde, beschrieb die religiöse Opferzeremonie laut einem Artikel im Spiegel so: „Das Opfer starb auf dem Altar. Wenn das letzte Zucken aufgehört hatte, hoben die Priester den leblosen Körper auf und schwangen ihn über die Kante der Plattform. Mit dumpfen Schlägen rollte der Tote die Treppen hinunter, die ganze Vorderfront der Pyramide herab, bis er unten auf dem harten Boden aufklatschte. Dort nahmen ihn weitere Priester in Empfang und begannen sogleich mit der Arbeit. Mit sicheren Schnitten trennten sie die Haut vom Fleisch, nur Hände und Füße blieben unangetastet. Der Oberpriester, selber nackt, streifte sich die neue Haut über und begann seinen Tanz. Nach und nach kamen alle anderen hinzu und tanzten mit ihm am Fuß der Pyramide, durch den Staub, der rot war vom Blut.“

Ganz schön gruselig, aber davon merkt man heute nichts mehr, wenn man die alten Steine ansieht oder den Händlern, die ihre Masken verkaufen wollen, entfliehen will. Kaum vorstellbar, was hier also von statten ging.

In der Cenote Sagrado, die heilige Cenote, die der Stadt ihren Namen gab, da sie Brunnen der Itza bedeutet, fanden Taucher Gold- und Jadeschmuck sowie Skelette der Menschenopfer, darunter Kinder im Alter zwischen drei und 12 Jahren. Warum die Stadt letztlich verlassen wurde ist unklar, vielleicht lag es daran, dass das Trinkwasser der Cenote verseucht war? Vielleicht an Krankheiten oder Kriegen?

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Apropos Trinkwasser, die Sonne sticht vom Himmel, ich hab genug gesehen und gehört, ich brauche dringend ein kühles Sol (mexikanisches Bier). Doch vorher komme ich noch an ein paar von denen hier vorbei:

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Mexiko: Holzgeschnitzte Masken der Maya in Chichén Itzá

Irgendwie schon furchteinflössend diese holzgeschnitzen Maya-Masken, aber gleichzeitig auch unheimlich anziehend, auf meinem Schlendergang durch die Ruinen begegne ich hunderten von Ständen und schon beim ersten konnte ich kaum widerstehen, was mir die Händler natürlich sofort angesehen haben. Jetzt zieren zwei Maya-Masken meine Wohnung, direkt neben meinen Terrakotta-Kriegern aus Xian.

Das war Chichén Itzá, Weltkulturerbe, bedeundste Pyramide der Neuen Welt, ich war da, vor dem Weltuntergang, der nicht kam und beim nächsten Mal zeige ich Euch was Mexiko sonst noch so zu bieten hat, z.B. aus der Zeit als die Spanier das Land eroberten.

Infos für deinen Besuch in Chichén Itzá

Meine komplette Reiseroute durch Mexiko mit allen Reiseinfos und Tipps:

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Quellen:

*Diego de Landa wurde als Franziskanermönch im Namen der Inquisition in die Neue Welt geschickt, er erreichte Mexiko 1549 und verfasste seinen Bericht “Relación de las cosas de Yucatán”. Er ließ alle Bücher und Schriften der Maya verbrennen, daher bleiben heute nur die Reliefs, die Schlüsse auf die Kultur der Maya ziehen lassen.

Der Spiegel: Angelika Franz;; Menschenopfer der Maya Fünf Tode für den Regengott mit dem langen Rüssel:http://www.spiegel.de/wissenschaft/mensch/menschenopfer-der-maya-fuenf-tode-fuer-den-regengott-mit-dem-langen-ruessel-a-531502.html

Wer sich mehr  für die Maya-Kultur interessiert, dem empfehle ich die folgende Phoenix-Reportage „Magische Orte – Mexiko die rätselhafte Welt der Maya auf Youtube: http://www.youtube.com/watch?v=_iZWK2tXUrs