Wandern am Großvenediger: Als Outdoor-Anfängerin auf den Berg!

Wandern am Großvenediger: Als Outdoor-Anfängerin auf den Berg!

Ich gebe es ja zu: ich bin kein Outdoor-Mädchen. Trotzdem liebe ich es aktiv in der Natur zu sein. Überhaupt liebe ich die Natur. Ich bin ein absoluter Fan der Natur und ihren schönen Landschaften, ihren Pflanzen und Tieren. Aber wenn ich an Trekkingsandalen, Fleecejacken und beige Hosen denke, die man bei Bedarf per Reisverschluss zu kurzen Hosen umwandeln kann, dann sträuben sich mir die Nackenhaare. Bevor ich die 50 nicht erreicht habe, werde ich solche Klamotten nicht anziehen. Stattdessen lackiere ich mir die Fingernägel und schmiere mir Make-up ins Gesicht. Muss sich das eigentlich immer gegenseitig ausschließen? Warum muss man eigentlich immer diese Schubladen öffenen: Mädchen vom Lande oder Stadttussi? Ich bin beides irgendwie. Ich gehe die Packliste für meine Alpine Crossingtour durch: Wanderschuhe, Regenjacke, Fleecejacke. Ich besitze nichts davon und denke mir meine Stadtturnschuhe tun`s bestimmt auch und statt Fleece (ich habe eine Allergie gegen Fleecejacken) packe ich eine leichte Strickjacke ein, wir haben schließlich Sommer und ich setze auf gutes Wetter. Und ich freue mich wirklich sehr auf diese Alpine Crossing Tour: 4 Orte der Alpinen Perlen*, zwei Länder und ganz viel Berg und Natur. Ich war seit bestimmt 25 Jahren nicht mehr in den Bergen, zumindest nicht im Sommer. Als Kind schleppten mich meine Eltern immer nach Kärnten, Südtirol und naja, einfach immer nur Berge. Ich hasste Bergwandern. Kein Wunder, ich war ein Kind. Alle Kinder hassen Bergwandern. Es war so uncool. Während die anderen Kinder nach den Ferien von Strand, Spanien und Griechenland schwärmten, war ich ganz ruhig, weil Bergwandern wirklich sowas von out war. Nun gut, das ist lange her. Aber in letzter Zeit habe ich so eine Sehnsucht nach den Bergen bekommen, ich weiß nicht wieso, aber immer wenn ich Bilder von Bergen sah, wollte ich hin, einfach auf einer Bergwiese sitzen, in die Weite schauen und den Duft der würzigen Almwiesen genießen. Und da bin ich nun: In Neukirchen am Fuße des Großvenedigers.

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Nach über 25 Jahren wieder in den Alpen zum Wandern am Großvenediger

Ich reiste mit dem Zug über München und Salzburg nach Neukirchen am Großvenediger an. Das liegt im Salzburger Land, zwischen den Kitzbühler Alpen und dem Nationalpark Hohe Tauern. Eine traumhafte Landschaft, schneebedeckte Gipfel von 3000ern ragen sich in den stahlblauen Himmel. Der Gebirgsbach plätschert durch saftig grüne Täler und weit und breit ist nichts, außer Natur. Die Zugfahrt ging schneller vorbei als gedacht. Neukirchen setzt wie alle Orte der Alpinen Perlen auf sanften Tourismus, was heißt, dass die Anreise mit öffentlichen Verkehrsmitteln ziemlich einfach ist. Das hat den Vorteil, dass die Orte wirklich noch sehr ruhig, erholsam und naturbelassen sind. In den kommenden Tagen werde ich noch viel davon erleben und berichten. Die Landschaft zu schonen, ist nicht nur eine gute Sache, ehrlich gesagt: die lange Zugfahrt war tausendmal entspannter als eine Autofahrt.

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1. Lektion als Outdoor-Anfängerin: Nie ohne die richtigen Schuhe auf den Berg! Wandern am Großvenediger

Am nächsten Morgen ging es dann los auf den Großvenediger. „Mit den Schuhen, kannst du aber nicht auf den Berg“, kritisch schaut man auf meine Sportschuhe. Ich hatte es befürchtet, dass sie das sagen werden, aber ich besitze nun mal nichts anderes. Du bekommst Bergschuhe an! Das war glaube ich mehr ein Befehl als eine Frage, aber ich war sehr froh, dass ich mit Bergschuhen ausgestattet wurde. Gegen Bergschuhe habe ich im Übrigen nichts, ich finde sie cool und auch mit meinem ästhetischen Klamottenempfinden durchaus kompatibel. Übrigens kann man sich mit der Wildkogel-Arena Karte Wanderschuhe kostenlos für 2 Tage ausleihen. Das ist super! Ich bekomme super Wanderschuhe, die noch ganz neu sind und nicht nach Käsfüße stinken. Ich fühle mich damit gleich wohler und bin froh, dass mein Stadttussi-Image damit ad acta gelegt wurde.

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Nebelschwaden und Regen über den Bergipfeln am Großvenediger

Nie konnte ich Heidi besser verstehen als in diesem Moment

Leider hat der Regen, der uns am Vortag schon im Hochseilgarten überraschte, nicht aufgehört. Die Gipfel der Berge verschwinden hinter dichten, grauen Nebelschwaden und die anderen unter ihren Regencapes. Ja, so eine Regenjacke laut Packliste ist eine gute Idee, wenn man in die Berge reist, wo das Wetter schneller wechselt als es irgendeine App vorhersagen kann. Aber was soll`s ich bin ein Berg- und Outdoor-Anfänger und das Wetter vermiest mir zwar meine Fotos aber noch lange nicht meinen Tatendrang und meine Laune.

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Lektion 2 als Outdoor-Anfängerin: Nie ohne Regenjacke auf den Berg, denn in den Bergen wechselt das Wetter minutenschnell von Sonne zu Regen – Wandern am Großvenediger

Umso frischer ist die Luft, ich halte hin und wieder inne, atme tief ein, frische Bergluft, Sauerstoff pur – wie wohltuend, wenn man aus einer nach Abgas stinkenden Großstadt kommt. Ich muss an Heidi denken, als sie nach Frankfurt am Main geschickt wird, in die Stadt und ihre Berge vermisst. Ich komme aus Frankfurt angereist und nie konnte ich Heidi besser verstehen als in diesem Moment.

Der neue Wanderweg am Großvenediger führt durch Wald, Wiesen und über Stock und Stein – Natur pur!

Die anderen sind ganz schön flott auf dem Weg zum Großvenediger unterwegs. Ich schnaufe den Berg hinauf, dabei habe ich gedacht, dass ich eine gewisse Ausdauer habe (2mal in der Woche Ausdauer-Fitnesstraining?), aber ich find`s echt ganz schön anstrengend. Ich bin bis auf die Haut nassgeschwitzt, wegen der schwül-warmen Luft, die den Waldboden heraufdampft.

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Rings herum rieseln überall steile Gebirgsbäche die Berghänge herunter. Ich sehe weit und breit keine anderen Wanderer. Hier oben auf dem Berg, da ist man mit sich selbst alleine. Man muss klarkommen, mit sich und man verschmilzt mit der Natur um einen herum. Als nähme sie langsam aber sicher Besitz von dir, was du hier oben auf dem Berg erlebst, das wirst du wahrscheinlich nie mehr los. Es ist etwas wie Sehnsucht, die einen treibt. Es ist Frieden und Ruhe. Überall.

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Ich liebe es durch diese unverbrauchte Natur zu gehen, fern von asphaltierten Wegen, nur über Moos, Stein und Wurzeln. Glücklicherweise mit den richtigen Schuhen.

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Wanderpause auf der Kampriesenalm und Berndlalm am Großvenediger

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Schon bald kommen wir zur ersten Almhütte, der Kampriesenalm. Was man hier trinkt? Erst mal eine Buttermilch mit frischen Johannisbeeren. Wusste gar nicht das mir das schmeckt.

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Danach gibt es einen Schnaps. Huh! So kurz nach dem Frühstück schon? Runter mit. Dann gibt`s den nächsten Schnaps, einen aufs Haus. Ja sowas. Runter mit. Das gehört irgendwie dazu auf so einer Hütten, in der die Wirtinnen Dirndl tragen obwohl gar kein Oktoberfest ist. Die Kampriesenalm nenne ich seitdem nur noch Schnapsalm.

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schnapseln mit dem Steiger-Wirt

Dann geht es weiter. Immer weiter hinein in die Berglandschaft des Großvenedigers. An der Berndlalm machen wir wieder Rast. Ein süßer Esel wartet schon auf uns. Wenn ich mal ganz viel Geld und Zeit hab, dann kauf ich mir auch so einen süßen Esel!

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Ich esse die besten Kassnocken meines Lebens mit würzigem Bergkäse! Und die Pfanne vor mir ist übrigens eine extra kleine Portion.

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Auf so einer Hütten, bist du in einer anderen Welt. Man duzt sich natürlich. Man trinkt Schnaps miteinander und man redet so anders miteinander. So natürlich wie die ganze Welt um einen herum. Vielleicht liegt es am Schnaps, dass man hier gute Laune bekommt, vielleicht an den Kassnocken oder der Luft. Man ist sich Freund hier heroben auf dem Berg. Und wem`s nicht gfällt, der kann ja gehen. Mir gefällts. Es ist so locker, so entspannt und unverkrampft, das ich am liebsten hierbleiben würde. Vielleicht fange ich ja irgendwann noch ein zweites Leben als Sennerin an? Soll ja schon einige Banker gegeben haben, die das gemacht haben, wobei ich keine Bankerin bin. Aber so ein Berg, der wirkt sich mit einer Tiefentspanntheit auf dein Innenleben aus, die seines Gleichen sucht. Unser Bergführer, der sorgt dann noch für die richtige Stimmung auf der Hütten, kurzerhand wird die Ziehharmonika und ein merkwürdiges Krachmacherinstrument ausgepackt und zünftige Berghüttenmusik gemacht. So ist das eben auf der Alm.

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Fazit: Als Outdoor-Anfängerin habe ich mich sehr wohl in der Bergwelt gefühlt. Ja, man könnte fast meinen, ich hätte die Landschaft gefunden, die zu mir passt. Berge sind Frieden für die Seele. Ich habe auf das Make-up verzichtet und mir Bergschuhe angezogen, mit denen man hier einfach besser gehen kann. Die Leut sind freundlich und nett und die Luft so gut wie reine Medizin für Körper und Geist. Meine erste Bergwanderung nach über 25 Jahren war ein wirklich tolles Erlebnis, das ich gerne häufiger erleben möchte. Danke dafür, jetzt verzeihe ich meinen Eltern die Bergurlaube in meiner Kindheit. 

Ohne Verschnaufpause geht es gleich weiter nach Südtirol in mein Lieblingsland Italien und in den nächsten Ort der Alpinen Perlen: Ratschings. Was mich außer der sensationell guten Küche dort alles erwarten wird, erfahrt ihr in Kürze hier auf unterwegsunddaheim.de!

 

Info:

Der Wanderweg in Neukirchen am Großvenediger durch das Obersulzbachtal:

Der Großvenediger liegt auf 3765 Metern Höhe in Neukirchen in der Wildkogel-Arena. Der neue Venedigerweg führt vom Parkplatz Hopffeldboden durch das Obersulzbachtal, vorbei an der Kampriesenalm (1.415 m) bis zur Berndlalm (1.510 m). Dauer der Wanderung wie hier beschrieben, ca. 1,5 Stunden. Wanderbusse und Wandertaxi zum Parkplatz und Hotel.

Anreise von Frankfurt oder München nach Neukirchen:

  • ICE/ Zug Frankfurt – München, weiter mit Zug von Salzburg bis nach Zell am See, von dort mit der Krimmler Bahn nach Neukirchen
  • Dauer von Frankfurt nach Neukirchen: ca. 7 Stunden, von München ca. 3 Stunden.

Wildkogel Card

Bei über 60 Hotels ist die Wildkogel Card inklusive. Sie bietet z.B. für 2 Tage kostenlose Bergwanderschuh-Verleih, kostenlose Wanderbusse, Nationalparktaxi, Wildkogelbahnen, Ermässigungen bei E-Bikeverleih, Klettergarten (siehe Artikel zum Klettergarten am Großvenediger) Naturparkzentrum uvm.). Das alles auf sanft-mobile Weise. Das ist ein absolut toller Service, den ich nur empfehlen kann.

Hoteltipp: Hotel Steiger in Neukirchen am Großvenediger

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Ich habe im Hotel Steiger übernachtet. Ein 4-Sterne Haus, in absoluter Ruhe und am Fuße des Großvenedigers. Besonders geschätzt habe ich die großzügigen Räume (Bad und Schlafraum), das Echtholzbett aus Zirbenholz, das für einen besonders erholsamen Schlaf sorgen soll, den Balkon mit Bergpanorama zum Luftschnappen am Morgen, das reichhaltige Frühstücksbuffet und natürlich die Saunalandschaft. Das Hotel Steiger ist zudem barrierefrei. Die Wildkogel Card ist beim Hotel Steiger auch mit drin. Und mit dem Steiger-Wirt kann man auch mal ne Bergtour machen und einen Schnaps trinken (s.o.)!

Adresse: Steigergasse 259, 5741 Neukirchen am G.r.V., Österreich/

www.hotel-steiger.at

Alpine Crossing Tour Route:

4 Orte der Alpinen Perlen – 2 Länder – 5 Tage Berge und Natur pur.

1. Alpine Perle: Neukirchen am Großvenediger

Hochseilgarten und Wanderung zur Berndlalm

2. Alpine Perle: Ratschings (Südtirol)

Mountainbike-Tour durch das Jaufental und Übernachten im Naturhotel Rainer

3. Alpine Perle: Villnös (Südtirol/Italien)

Klettern wie Reinhold Messner mit Bergführer Sepp, ein Freund von Reinhold Messner

4. Alpine Perle: Moena (Trentino/Italien)

Down-hill Mountainbiking am Karerpass und Wanderung auf dem Themenweg zum ersten Weltkrieg

 *Alpine Pearls / Alpine Perlen

Die Alpine Pearls sind ein Netzwerk verschiedener Orte in den Alpen von Deutschland, Österreich, Italien, Frankreich, der Schweiz und Slowenien , das sich dem nachhaltigen und sanften Tourismus verpflichtet hat. Ziel ist es die alpinen Orte/ Perlen und die Bergwelt möglichst attraktiv und damit naturbelassen für den Gast zu erhalten. Anreise mit öffentlichen Verkehrsmitteln ist problemlos, ebenso die Mobilität an den Orten (z.B. durch Wanderbusse, Skibusse, Taxen, etc.) Sanfte Mobilität heißt auch E-Bike-Verleih, Lärmverordnungen und Nachtfahrverbote. Darüberhinaus wird die Regionalität auch bei lokalen Spezialitäten und Slow Food garantiert. Kurz um: Alpenurlaub, so wie man ihn sich vorstellt, natürlich und naturbelassen mit dem bestmöglichen Komfort, den man sich als Reisender in der heutigen Zeit wünscht. So erholsam muss ein Urlaub sein!

www.alpine-pearls.com

Vielen Dank an die Alpine Pearls für die Einladung zu dieser Alpine Crossing Tour!