Klettern in Villnöß – Wo Reinhold Messner klettern lernte

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Im Anblick der unverfälschten Natur lässt sich die Größe der Schöpfung entdecken, Reinhold Messner.

Klettern: Wo die Gipfel den Himmel berühren

Da thronen sie vor mir: die Geislerspitzen. So nennt man die zackige Bergkette, die über Villnöß in den Dolomiten thront. Der Anblick ist atemberaubend. Und furchteinflösend gleichermaßen. Die wilde Natur in ihrer reinsten, pursten Form. Jahrhundertealt. Eine derartige Felsformation habe ich noch nie gesehen. Berge könnten nicht bergiger sein als diese Geislerspitzen hier. Da gehen wir jetzt hinauf. Heute ist Klettern angesagt.

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Der Weg entsteht im Gehen. Reinhold Messner

Ich wollte schon immer einmal klettern. Dass ich es ausgerechnet hier an den Geislerspitzen tue, ist der absolute Wahnsinn. Denn kein Geringerer als Bergsteiger-Legende Reinhold Messner, hat hier seine ersten Kletterversuche gestartet. Reinhold Messner wurde 1944 in Villnöß geboren. Mit fünf Jahren hat er seinen Vater auf Wandertouren begleitet und in diesem zarten Alter hat der kleine Reinhold seinen ersten Berg bezwungen: Die Forchetta, der große Zacken in den Geislerspitzen (Forchetta = ital. Gabel). 3.000 Meter hoch. Es sollten noch viele weitere Berggipfel folgen. Reinhold Messner war der erste Bergsteiger, der ohne Sauerstoffmaske den Mount Everest bestiegen hat. Er hat außerdem alle 14 Achttausender der Welt bestiegen, ist alleine durch die Antarktis und sämtliche Wüsten gestapft. Dieser Mann ist das Abenteuer schlechthin, er hat allen Gewalten getrotzt und steht heute kurz vor  seinem 70. Geburtstag.

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Der Sieg über die Angst, das ist auch ein Glücksgefühl, in dem ich mir nahe bin. Reinhold Messner.

Die Sonne Südtirols sticht vom Himmel und auf den weißen Gerölsteinen wird man ganz schön geblendet. Wir stapfen über das Geröllfeld, den Blick immer zu den Gipfeln der Geislerspitzen gewandt. Am Fuße der atemberaubenden Bergkette hat Reinhold Messner einen Klettergarten für sämtliche Schwierigkeitsstufen angelegt. Sogar kindertauglich. Begleitet werden wir von Sepp, er ist ein alter Freund von Reinhold Messner und hat schon einige Klettertouren mit dem berühmten Bergsteiger unternommen. Sepp sagt, er kennt den Reinold besser als jeder andere. Na dann, hoffe ich dass mal nichts schief gehen wird, wenn Sepp mich sichert.

“Es gibt keine bessere Schule als die Berge”

Wir beginnen mit Schwierigkeitsstufe 1 (ich weiß, das ist wirklich easy):

Klettern: Lektion sichern: check.

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Klettern: Lektion Finger suchen Felsritze: check.

Klettern: Lektion sichern: check.

Klettern Lektion Beine suchen festen Halt: check.

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Das Klettern ist irgendwie voll mein Ding. Das ist merkwürdig, denn ich hab ja im Hochseilgarten Höhenangst gehabt, komischerweise ist hier am Fels nichts davon zu spüren. Es ist als ob die Wand Sicherheit gibt, die Wärme des Felsen, der Halt und die Nähe zum Felsen, das alles beruhigt irgendwie, lässt mich nur einen Weg kennen: aufwärts. Beim Bergsteigen sei das fatal, sagt Sepp, viele würden den Rückweg unterschätzen, kommen leichter oben an und vergessen, dass sie für den Rückweg ebensolang brauchen. Erst kürzlich sei eine Frau gestorben, auf dem Rückweg am Berg erfroren, der Mann wollte Hilfe holen, aber es war zu spät. Die Gefahr am Berg ist nicht zu unterschätzen, vielleicht macht sie grade den Reiz aus? Für Reinhold Messner scheint es so gewesen zu sein.

Der wichtigste Gedanke auf dem Gipfel gilt dem Weg nach unten. Reinhold Messner.

Die nächste Stufe, eine steilere Wand mit weniger Felsspalten.

Klettern Lektion: abseilen: check.

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Es fällt mir alles total leicht, ich habe Feuer gefangen. Wir schaffen noch die Hermikante, benannt nach Hermine Lottersberger, der ersten Frau, die die Nordwand der Forchetta erklommen hat. Das Klettern macht wahnsinnig Spaß. Ein paar Schwierigkeitsstufen weiter scheint das junge Päarchen zu sein, das ich die ganze Zeit beobachten muss. Sie versuchen sich grade an einem Überhang. Immer wieder stürzt er ab, ein, zwei Meter abwärts, dann baumelt er am Felsen, gesichert von seiner Freundin, hängt er im Seil und versucht es wieder. Was für eine Vertrauensübung! Und wie schafft es eigentlich so ein zierliches Mädchen ihren 1, 90 Meter Freund zu sichern? Fragen, über Fragen und ich merke wie meine Neugier auf diese Sportart wächst. Endlich hat es der Typ geschafft, den Felsvorsprung zu überwinden, wie er da so hängt, das sieht wahnsinnig professionell aus.

Es kommt beim Bergsteigen nicht auf neue Rekorde an. Sich der Natur auszusetzen ist alles. Reinhold Messner.

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Sepp erzählt uns noch ein paar Anekdoten aus der Zeit mit Reinhold Messner. Auf Berg- und Klettertouren lernt man sich gut kennen. Man muss sich vertrauen können und auf den anderen verlassen. „Einmal hätte ich mitgehen können, auf eine Expedition“, sagt Sepp. Warum er es nicht getan hatte? Weil er Frau und Familie zuhause hatte. So toll es sich anhört, einen Achttausender hochzuklettern, es ist eine Höllenaufgabe und man kann nie wissen, ob man jemals wieder zurückkommt. Reinhold Messner musste das schmerzlich erfahren, er hatte seinen Bruder Günther tot im Eis des Himalayas zurücklassen müssen. Er hatte es nicht geschafft. Was für eine Aufgabe, ohne den Bruder abzusteigen, mit dem Wissen dessen Köper bleibt für immer im Eis zurück. Emotionen wären hier tödlich gewesen. Nichts ist existenzieller als alpines Klettern – ich finde, das ahnt man schon auf Schwierigkeitsstufe 2.

Ich glaube, daß ich am Lebensende erkannt haben werde, in jeder Hinsicht ein zerbrechlicher, ängstlicher, auch schwacher Mensch zu sein. Reinhold Messner.

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„Reinhold Messner ist kein einfach Mensch“, erzählt Sepp weiter über seinen Freund. „Aber wenn er nicht so wäre, wenn er nicht knallhart seine Ziele verfolgen würde, nicht so hart gegen sich und andere wäre, dann wäre er nicht so erfolgreich, ja vielleicht sogar schon tot. Wenn Reinhold Messner mal wieder im Himalaya unterwegs war, passte Sepp auf das Haus aus, er schlief sogar im Hause Messner und er tröstete Reinholds Frau Uschi, die vor Sorge fast gestorben sei. Eines Tages sei Reinhold von der Expedition zurückgekommen, Frau Uschi aber war weg. Sie hielt das psychisch nicht mehr aus. Freund Sepp musste wieder den Tröster spielen, diesmal für den Bergsteiger. Das Zusammenleben mit so einem Extremmenschen ist vermutlich nicht einfach, seine Leistungen aber bewundernswert.

Reinhold Messner besitzt noch immer eine Hütte hier in Villnöß, er ist Ehrenbürger der Gemeinde und setzt sich für den Erhalt der Bergwelt ein. Wann immer ich jetzt die Geislerspitzen sehen werde, ich werde diesen Tag nicht vergessen, als ich meine ersten Kletterversuche an den selben Felsen unternahm, wie Bergsteigerlegende Reinhold Messner.

 

Klettern in Villnöß war ein Bestandteil meiner mehrtägigen Alpine Crossing Tour.

Infos zum Klettergarten auf dem Adolf Munkel Weg in Villnöß bei den Geislerspitzen gibt`s bei Tourismus Villnöß:

Alpine Crossing Tour Route:

4 Orte der Alpinen Perlen – 2 Länder – 5 Tage Berge und Natur pur.

1. Alpine Perle: Neukirchen am Großvenediger

Hochseilgarten und Wanderung zur Berndlalm

2. Alpine Perle: Ratschings (Südtirol)

Mountainbike-Tour durch das Jaufental vom Hotel Rainer aus

3. Alpine Perle: Villnös (Südtirol/Italien)

Klettern wie Reinhold Messner mit Bergführer Sepp, ein Freund von Reinhold Messner

4. Alpine Perle: Moena (Trentino/Italien)

Down-hill Mountainbiking am Karerpass und Wanderung auf dem Themenweg zum ersten Weltkrieg

 

*Alpine Pearls / Alpine Perlen

Die Gemeinde Villnöß gehört zu den Alpine Pearls. Die Alpine Pearls sind ein Netzwerk verschiedener Orte in den Alpen von Deutschland, Österreich, Italien, Frankreich, der Schweiz und Slowenien , das sich dem nachhaltigen und sanften Tourismus verpflichtet hat. Ziel ist es die alpinen Orte/ Perlen und die Bergwelt möglichst attraktiv und damit naturbelassen für den Gast zu erhalten. Anreise mit öffentlichen Verkehrsmitteln ist problemlos, ebenso die Mobilität an den Orten (z.B. durch Wanderbusse, Skibusse, Taxen, etc.). Sanfte Mobilität heißt auch E-Bike-Verleih, Lärmverordnungen und Nachtfahrverbote. Darüberhinaus wird die Regionalität auch bei lokalen Spezialitäten und Slow Food garantiert. Kurz um: Alpenurlaub, so wie man ihn sich vorstellt, natürlich und naturbelassen mit dem bestmöglichen Komfort, den man sich als Reisender in der heutigen Zeit wünscht. So erholsam muss ein Urlaub sein!

www.alpine-pearls.com

Vielen Dank an die Alpine Pearls für die Einladung zu dieser Alpine Crossing Tour!