Tallinn ist für mich eine der schönsten Städte der Ostsee und ich kann es nur jedem empfehlen, einmal nach Tallinn zu fahren. Die Hauptstadt von Estland mag uns relativ unbekannt sein, aber schon ihr alter Name Reval, deutet auf viele deutsche Einflüsse der Hanse hin. Und außerdem ist ihre mittelalterliche Altstadt einfach zauberhaft.

Vom Hafen aus schlendere ich ins historische Stadtzentrum. Dieses ist umgeben von einer Stadtmauer und 26 Türmchen mit roten Ziegeldächern. Tallinns Altstadt erinnert noch immer an eine mittelalterliche Burg. Im 12. Jahrhundert wurde die Stadt auf dem Domberg gegründet und hieß bis 1918 Reval. Mal unter dänsicher Herrschaft, mal unter deutscher, dann wieder unter skandinavischen Einflüssen und zuletzt bis zur estnischen Unabhängigkeit stand Tallinn unter sowejtischer Besatzung, was den Esten aber gar nicht gefiel.

Die Altstadt von Tallinn

Die Straße Pikk in der Altstadt von Tallinn

Die roten Ziegeldächer der Stadttürme strahlen in den blauen Sommerhimmel hinein. Ich laufe durch die „Dicke Margarethe“, so wird das Stadtor, das einst ein Kanonenturm war, genannt. Dahinter öffnet sich mir der Blick auf die alte Hansestadt und in eine der schönsten Straßen Tallinns: Die Pikk. Einst war Tallinn nämlich geprägt von deutschen Einflüssen eine wichtige Hansestadt, in der vor allem Kaufleute tätig waren, um Handel mit Russland zu betreiben. Tallinn galt als wichtige Handelsstadt zwischen Ost- und Westeuropa, sprich zwischen dem Zarenhof in St. Petersburg und Versailles in Paris. Dies ermöglichte der Stadt einen gewissen Reichtum, die Stadthäuser sind geprägt vom Einfluss einer deutschen kaufmännischen Oberschicht. Die Zuckerbäckerfassaden machen ihrem Namen heute alle Ehre: sie strahlen in ihren weißen und pastellfarbenen Tönen in den blauen Himmel über Estland. Am Morgen ist die Stadt noch ruhig, doch das ändert sich schon bald, wenn die ganzen Touristen ihre Kreuzfahrtschiffe verlassen haben und in Gruppen durch die UNESCO Weltkulturerbe Altstadt von Tallinn laufen.

Rauf auf den Domberg von Tallinn

Altstadt von Tallinn

Von der Pikk aus bummle ich weiter, hinauf auf den Domberg (Tompea). Die Altstadt ist gegliedert, in Ober- und Unterstadt, wobei sich in der Oberstadt im Mittelalter der Klerus und Adel aufhielt und in der Unterstadt die reichen Hanse-Kaufleute. Verschlungene Gassen und Treppen verbinden Ober- und Unterstadt. Die Oberen haben sich vor den Unteren abgeschottet, heißt es. Nachts wurden sogar die Tore verriegelt. Heute siedelten sich auf dem Domberg vor allem Botschaften in prunkvollen Palästen an.

 

Alexander Newski-Kathedrale in Tallinn

Die Altstadt von Tallinn

Der Höhepunkt des Dombergs ist die Alexander-Newski-Kathedrale – eine orthodoxe Kirche, die auf die russische Herrschaft hindeutet und verrät, dass wir uns nicht mehr weit weg von Russland befinden. Sie wurde 1895 während der Russischen Zarenzeit errichtet und sollte während der estnischen Epoche wieder abgerissen werden. Heute wird der Gottesdienst hier auf estnisch gehalten. Der goldene Prunk im Innern der Alexander-Newski-Kathedrale überfrachtet jeden Besucher, der dies nicht gewöhnt ist.

Beste Aussichten: Die schönste Aussicht über Tallinn

Gegenüber der Alexander-Newski-Kathedrale befindet sich das Schloss, in dem heute das Estnische Parlament sitzt. Ich laufe über den Schlossplatz, über altes Kopfsteinpflaster, vorbei an alten Bäumen, und prestigeträchtigen Botschaftsfassaden mit Messingschildchen dran. Hier, versteckt, befindet sich einer der schönsten Aussichtspunkte über Tallinn: Die berühmte Sicht über vier rote Ziegeldach-Wachtürme und den Kreuzfahrthafen. Ich beobachte die Talink Silja Superstar, wie sie den Hafen Tallinns verlässt auf ihrem Weg ins nur 80 Km entfernte Helsinki. Im Mai, habe ich diese Route gemacht. Und ich sehe die MSC Musica im Hafen liegen, mit der ich nun im September hier in Estland erneut gestrandet bin. Spätestens an dieser Stelle merke ich, wie sehr diese Stadt, von den Touristen eingenommen wird. Sämtliche Nationen drängeln sich hier auf der Aussichtsplattform, um ein Selfie zu machen.

Die Altstadt von Tallinn

Es gibt noch eine weitere Aussichtplattform, die ebenfalls eine schöne Sicht über Tallinn bereithält. Ich schlendere zurück, vorbei an der Alexander-Newski-Kathedrale und wollte mir eigentlich die unterirdischen Bastion Geheimgänge des sowjetischen Spionagedienstes anschauen, aber spontan erhält man hier keine Eintrittskarten, die müsste man 2 Wochen vorher bestellen. Doch wer macht das schon? Der Eingang zu den Geheimgängen ist an dem dicken Turm mit dem Namen „Kiek in de Kök“. Über den einstigen Kanonenturm, witzelten die Wachen, man könne von hier aus in die Küche der Bewohner Tallinns schauen, daher der Name.

Die Altstadt von Tallinn

Die blank geputzten Altstadtgassen Tallins geizen nicht mit ihren Reizen, ich schaue in den blauen Himmel, durch die grünen Bäume über die roten Ziegeldächer Tallinns hinaus zum Meer. Ich bummle ein kleines Stück auf der Stadtmauer entlang, genehmige mir einen Kaffee und einen Apfelkuchen im Café im Turm auf der Stadtmauer und schlendere dann wieder hinunter in die Unterstadt, die den Kaufleuten zu gehören scheint – früher wie heute. Ich werfe Blicke in Schaufenster mit Pelzmützen und Bernsteinschmuck. In einem Souvenirladen gibt es Babutschkas zu kaufen. Der Verkäufer verschrickt amerikanische Touristen mit einer Babutschka, die Bill Clinton und Monica Lewinski verkörpert, wenn man sie aufmacht, schlüpfen nicht etwa weitere Babutschkas heraus, sondern den Amerikanern springt ein Penis ins Gesicht. Der Verkäufer lacht sich kaputt, in seinen Augen glänzen Tränen. Er wiederholt sein Spiel bei Italienern. Die finden das Gag-Souvenir schon lustiger als die Amerikaner. Der Verkäufer hört nicht auf Touristen zu erschrecken und sich jedes Mal aufs Neue kaputt zu lachen bis ihm die Tränen fließen. Verrückt, diese Esten.

Die Altstadt von Tallinn

Markt auf dem Marktplatz von Tallinn

Ich gelange auf den Marktplatz. In den Cafés in den Gildehäusern tummeln sich um die Mittagszeit Touristen en masse. Schade, dass die Altstadt Tallinns von Touristenmassen derart überschwemmt wird, dass man schon fast die Lust an ihr verlieren könnte. Auf dem Markt kann man estnisches Kunsthandwerk kaufen, allen voran: Bernsteinschmuck, das Gold der Ostsee, Pelzmützen, Handschuhe, Schaals, Souvenirs. Obwohl T-Shirt-Wetter in Tallinn ist, lässt dies erahnen, dass die Winter hier kalt sein müssen. Ich kaufe mir ein paar rote Lederhandschuhe und Handschühchen für meinen Neffen.

Die Altstadt von Tallinn

Auf dem Marktplatz befindet sich auch die älteste Apotheke Tallinns, die Ratsapotheke. Seit 1422 ist sie schon an dieser Stelle und bis heute erfüllt sie ihren Zweck als Apotheke. Damit ist sie die älteste Apotheke Europas. Hier kann man noch alte Apothekergeräte aus längst vergangenen Zeiten bestaunen. Der Eintritt ist kostenlos. Meine Füße verlangen nach einer Pause und meine Kehle nach was Kaltem Flüssigem. Ich setze mich in eines der Cafés, etwas abgelegen in einem Hinterhof, fernab des Trubels auf dem Marktplatz und bestelle mir estnisches Bier. Komisch, ich bin nicht so die Biertrinkerin, aber jetzt habe ich plötzlich Lust darauf. Neben mir sitzen 5 Amerikaner, die sich Steaks reinknallen, weil das Essen auf ihrem Schiff nicht so der Hammer sei, wie sie behaupten. Sie wollen von mir wissen, was ich von Angela Merkels Flüchtlingspolitik halte, sie machen keinen Hehl daraus, dass sie nicht viel davon halten. Oh man, muss ich jetzt ausgerechnet mit Amerikanern darüber reden? Ich lenke vom Thema ab und verabschiede mich bald wieder.

Die Altstadt von Tallinn

Tallinns Altstadt hat aber nicht nur schöne Bauwerke zu bieten. Auch die Parkanlagen sind herrlich zum Entspannen. Hier gönne ich meinen brennenden Füßen noch eine kleine Pause auf der Bank, bevor es für mich heute Abend wieder weiter geht. Natürlich mit dem Kreuzfahrtschiff. Der nächste Stopp: St. Petersburg in Russland.

 

Die Altstadt von Tallinn

 

Zu einem Besuch der estnischen Hauptstadt Tallinn wurde ich von MSC Kreuzfahrten eingeladen. Estland war eine Station der Ostseekreuzfahrt mit MSC. 

Bericht zur Ostseekreuzfahrt mit MSC lesen.

Für meinen Besuch in Tallinn habe ich den Reiseführer von MARCO POLO genutzt, den ich sehr empfehlen kann. Der Reiseführer gibt einen schnellen und vor allem übersichtlichen Überblick zu allen sehenswerten Highlights von Tallinn.

Reiseführer bei Amazon: MARCO POLO

Top-Sehenswürdigkeiten in der Altstadt von Tallinn:

  1. Alexander Newski Kathedrale
  2. Parlament von Tallinn (gleich gegenüber der Alexander Newski Kathedrale)
  3. Aussichtplattformen auf dem Domberg
  4. Kiek in de Kök (Kanonenturm)
  5. Alte Stadtmauer Tallinn
  6. Ratsapotheke  auf dem Marktplatz (die älteste Apotheke Europas)
  7. gotisches Rathaus am Marktplatz (ältestes gotisches Rathaus Europas, das erhalten wurde)
  8. Piik mit den Drei Schwestern (Hotel und 3 Häuser, schöne Straße)
  9. Viru Tor (mittelalterliches Stadttor in der Unterstadt)
  10. Dicke Margarethe (Stadttor)
  11. Olai Kirche Tallinn
  12. Niguliste Kirche Tallinn
  13. Geheimgänge (Karten 2 Wochen vorher reservieren)

 

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