Wien: In der schönsten Reithalle der Welt

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Wien: Das sind zwar nicht die Stars der Spanischen Hofreitschule, aber sie sehen auch ganz nett aus, die Fiaker-Pferde, vor der Hofburg.

Ich weiß ja nicht, wie ihr zu Pferden steht. Aber für mich waren die edlen Vierbeiner meine erste große Liebe. Ich bin eben ein Mädchen. Und die mögen Pferde. Häufig zumindest. Daher war der Besuch der Spanischen Hofreitschule in Wien ein absolutes Muss und ein langgehegter Traum. Ja, ich wäre auch gern zu einer Abendvorstellung gegangen, aber an den Tagen als ich in Wien war, gab`s keine. Außerdem sind die sehr begehrt. Dafür kann man morgens von 10 bis 12 Uhr bei der Morgenarbeit zusehen.

Reithalle mit Stuckdecken und schweren Kronleuchtern

Wart ihr schon mal in einer Reithalle, die sich in einem Kaiser-Schloss befindet? Die Spanische Hofreitschule befindet sich in der Hofburg. Die 1729 erbaute Reithalle mit reichlich weißem Stuck, ganz im Barockstil gehalten, und mächtigen Kronleuchtern an der Decke, dürfte die wohl schönste der Welt sein. Einst konnte der kaiserliche Nachwuchs hier seine ersten Reitstunden verbringen, Kaiserin Maria Theresia vollführte 1743 Damen-Karusells – dabei handelt es sich um adlige Damen des Hofs, die in Reiterkostüm und Pferd und Wagen eine Parade laufen – gesehen auf einem wunderschönen Gemälde in der Hofburg. Die Hohe Schule der Reitkunst ist weit mehr, sie wird seit der Renaissance in Perfektion betrieben. Und wie alles in Wien hat auch die Spanische Hofreitschule Tradition, sie ist seit über 430 Jahren die älteste und einzige Reitschule der Welt, an der die Hohe Kunst gelehrt wird, was ihr sogar den UNESCO-Weltkulturerbe-Titel einbrachte.

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Wien Spanische Hofreitschule: Ein Reitsaal schöner als jedes Wohnzimmer.

Volle Konzentration bei Schubert-Klängen im Morgentraining

Doch was steckt hinter der Hohen Schule der Reitkunst? Um das zu sehen, sind wir heute hier. Wir sitzen auf den Zuschauerrängen im 2. Stock und schauen gespannt hinunter, klassische Musik tönt aus den Lautsprechern. Spannung, der erste Lippizanerhengst tritt stolz in die Halle, begleitet von den Klängen von Schubert. Immer fünf Hengste mitsamt Bereiter starten eine Runde Morgentraining, darunter sind ganz junge Hengste, die noch ganz im grauen Kinderkleid und am Beginn ihrer Ausbildung sind und die stolzen weißen Hengste, die man an ihren weißen Sätteln und ihrem goldenen Zaumzeug erkennt oder daran, dass ihre Muskeln stärker ausgeprägt sind. Im Morgentraining sieht man leider keine kunstvollen Sprünge wie Kapriolen, Courbetten oder dergleichen, wird aber Zeuge der intensiven Arbeit zwischen Pferd und seinem Bereiter, sieht Galoppwechsel und kann nur ahnen welch langjähriges Training dahinter steht, bis die Hengste soweit sind, dass sie in einer Vorstellung auftreten können. Auch im Training tragen die Bereiter ihre seit über 200 Jahre alte braune Uniform mit den komischen Hüten. Ist das Training beendet, gibt es für den Hengst ein Leckerli aus der Fracktasche und ein Klatsch auf den Hals als Belohnung. Unten in der Halle dreht auch eine Frau ihre Runden in der historischen Reithalle, das ist eine seltene Erscheinung, denn wo viel Tradition in einem Beruf ist, sind meist wenig Frauen und ein bisschen Recherche verrät mir dann auch, dass Frauen erst seit 2008 als Bereiterinnen an der Wiener Hofreitschule zugelassen sind. Das muss man sich mal vorstellen, Frauen gehören zu den besten Dressurreiterinnen aber an der Hofreitschule dürfen sie erst seit Kurzem mitmachen. Vielleicht sieht eine Uniform an Männern auch einfach besser aus als an Frauen.

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Ich bin völlig fasziniert von den weißen Lippizaner-Hengsten, die in eigenem Gestüt gezüchtet werden. Die Bewegungen, voller Stolz, voller Kraft, voller Präzession und Ausdruck, die Augen wach, die Ohren gespitzt, volle Konzentration, es ist ein Vergnügen Pferd und Reiter zu beobachten, wie sie miteinander kommunizieren. Vielleicht kann man die Hohe Schule der Reitkunst nicht beschreiben, aber dass die Tickets zur Morgenarbeit wie heiße Semmel verkauft werden, muss ein Grund sein, weshalb nicht nur Pferdeliebhaber Gefallen daran finden.

 

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