San Remo – die Grand Dame an der Blumenrivieria

Was Monte Carlo an der Cote d’Azur ist, ist San Remo an der italienischen Blumenriviera – beide Städte liegen keine 50 Kilometer voneinander entfernt. Beide Städte verbindet der Glamourfaktor eines Jet Set Paradieses der Superreichen. Zumindest glaubte ich das als ich in San Remo ankam. Und als ich in die Stadt fuhr, machte der Ort auch zunächst den Anschein eines Jet Set Paradieses an der Riviera: elitäre Jugendstilviillen, palmengesäumte Uferpromenaden und ein Hafen mit Luxusyachten versprachen genau dieses Bild eines Ortes, an dem sich die Noblesse aufhält.

San Remo: Glamourfaktor und Jet Set Paradies an der italienischen Riviera

San Remo an der Riviera dei Fiori Blumenriveira

Das Casino von San Remo aus dem Jahr 1902 ist bekannt und zog einst viele Stars und Sternchen an

Am Ufer tummeln sich noch immer die Grandhotels der Belle Epoche. Jener Zeit, in der San Remo, seine Blütezeit erlebte. Jene Zeit, in der es hier an der Riveria so richtig brummte. Wer was auf sich hielt, verbrachte die Wintermonate an der milden Küste der Blumenriviera. Unter dem Vorwand ihre Lungenkrankheiten zu kurieren, zog es den europäischen Hochadel an die Riviera. Sisi – Kaiserin von Österreich war hier, die russische Zarin Maria Alexandrowna und viele andere Adelige, die sich ein bisschen an der Riveria vergnügen wollten, fernab vom strengen Reglement ihrer Höfe. Hier war man unter sich, spazierte unter Palmen am Meer entlang und traf sich zum Aperitif auf der Sonnenterrasse und vor allem konnte man ein bisschen auf bürgerlich machen. Auf den gewohnten Komfort musste man keineswegs verzichten, es wurde die Zeit der Grandhotels, die Zeit, in der sich auch die Aristokratie unter Pseudonymen in Hotels einmietete, weil es in war, sich dem steifen Korsett der Jagdschlösser und Sommerpaläste zu entziehen. Es entstanden die Grandhotels mit großen Empfangshallen, wo Liftboys und Kofferträger umherschwirrten, um die massenhaft schweren Koffer der Prinzessinnen und ihrer Hofdamen in die Zimmer zu schleppen. Später im 20. Jahrhundert lockte das elitäre Reiseziel auch Großindustrielle, Künstler und Millionäre an, die das Dolce Vita genießen wollten. Claude Monet ließ sich vom Licht der Riviera inspirieren, Nietzsche zu seinem Zarathustra, Alfred Nobel ließ sich gleich eine Villa hier erbauen. Man erbaute 1905 das berühmte Casino, um sich ein bisschen die Zeit vertreiben zu können. Es war die Zeit, in der San Remo all die Träumer anlockte: Snobs und Möchtegerns, Hochstapler und Stars und Sternchen. Das Leben war leicht und luxuriös.

San Remo an der Riviera dei Fiori Blumenriveira

Und als ich am Casino vorbeilaufe, finde ich noch immer einen Hauch von Glamour in Edelboutiquen, in noblen Hotels. Noch immer scheint das Jet Set Paradies von seinem Glamourfaktor zu zehren, noch immer betreten betuchte Damen mit Louis Vouitton Taschen am Arm älterer Herren die Treppen zum Casino, auch wenn der Putz an den Hotels schon lange bröckelt, auch wenn die in die Jahre gekommenen Hotels heute um Gäste kämpfen müssen. Im Innern des Casinos sitzen die Zocker bis es heißt: „rien ne va plus“ – nichts geht mehr.

Kontrast: Verworrene Altstadtgassen in der La Pigna von San Remo

San Remo an der Riviera dei Fiori Blumenriveira

Ich schlendere weiter vorbei am Casino von San Remo, vorbei an all den gepflegten Prunkvillen und Grandhotels. Ich blicke über die terrassenförmigen Hügel von San Remo, zwischen prunkvollen Fassaden und Palmen blitzt das Meer hervor, der Hafen mit seinen chicen Booten und drüben auf dem anderen Hügel schmiegen sich die kleinen in orange und gelb Tönen gehaltenen Häuser an die Bergterassen. Inzwischen habe ich längst bemerkt, dass die Straßennamen nicht mehr mit denen auf der Karte übereinstimmen, die verschlungenen Gassen verzweigen sich im Irgendwo, suchen sich ihre eigenen Wege. Ich ergebe mich dem italienischen Chaos und gehe einfach meinem Gefühl nach. Schließlich frage ich doch einen alten Mann nach dem Weg: „Dove è il Duomo?“ „questa strada e poi a sinistra, è poi a destra la scala…“

San Remo an der Riviera dei Fiori Blumenriveira

Die Richtung kommt mir zwar eher spanisch vor, aber ich folge den Worten des alten Herren. Das Problem ist nur, welche Treppe hat er jetzt genau gemeint? In San Remo gibt es vermutlich eine Million von Treppen. Ich muss noch mal jemanden fragen und werde tatsächlich eine schmale unscheinbare Treppe hinaufgeschickt, die sich neben zwei ebenso unscheinbaren Häuserwänden befindet. Über der Straße und unter den Fensterläden baumelt Wäsche zum Trocknen. In Italien ändern sich die Dinge wohl nie. Ich habe dieses Land in mein Herz geschlossen, auch wenn ich jetzt durch zweifelhafte Gassen geschickt werde, wo mir kein Mensch mehr begegnet, außer seltsame Gestalten in Jogginghosen. Bröckelnde Fassaden und schiefe Hauswände, dunkle Winkel und überdachte Gassen, die aussehen als würden sie gleich über mir zusammenbrechen begleiten meinen Weg nach oben. Ich frage mich ob ich hier wirklich richtig bin und merke schnell, dass mir das auf einmal gar nicht mehr so wichtig ist, weil die Neugier mich gepackt hat, weil das Ungewisse seinen Reiz hat und soviel aufregender ist als ein Dom auf einem Hügel für ein Urlaubsfoto. Es scheint als sei die Altstadt La Pigna meilenweit entfernt von der Glamourwelt an der Uferpromenade von San Remo, doch tatsächlich sind es nur ein paar Treppenstufen. Als sei ich hinauf in eine andere Welt gestiegen.

San Remo an der Riviera dei Fiori Blumenriveira

Endlich habe ich gefunden, was ich suchte. Oben auf dem Hügel strahlt der prächtige Dom über die Stadt an der Blumenriviera, über die Hügel hinaus. Von hier oben ist der Blick über die Riviera dei Fiori am schönsten, die Luxusboote im Hafen glänzen unter den Sonnenstrahlen und die Häuschen schmiegen sich wie in einem sanften Mittagsschlaf an die Ausläufer der Hügel des Apennin.

Und mitten drin… ein Stadtidyll – der Giardino Regina Elena San Remo

San Remo an der Riviera dei Fiori Blumenriveira

Als ich den Hügel wieder hinunter schlendere, weiß ich nicht ob ich rechts oder links gehen soll. Letzten Endes wäre es vermutlich egal gewesen, weil irgendwie alle Wege in San Remo zum Ziel führen. Jedenfalls werde ich schon nach der nächsten Biegung wieder überrascht von dieser Stadt, die sich nicht entscheiden kann was sie sein will: die Grand Dame der Blumenriviera oder ein italienisches Dorfklischee. Ich laufe durch den Giradino Regina Elena, mit verwunschenen Bäumen, deren Wurzeln überall sind. Ein Großstadtidyll inmitten der verschlungenen engen Gassen, indenen sich sonst nur wenig Grün zeigen will. Auf der Piazza spielen Kinder und sitzen alte Frauen mit Kopftuch – die La Pigna scheint den Einwanderern zu gehören. Zugegeben, erleichtert bin ich schon als ich wieder Menschen durch die Gassen laufen sehe. Unten wird es wieder belebter, ich bin auf einer Haupteinkaufsstraße gelandet. Kleine Läden, Bäckereien, Eisdielen und Modegeschäfte säumen jetzt meinen Weg. Ich schlendere über einen Marktplatz, vorbei an einer Kathedrale und vorbei am Blumenmarkt, wofür die Blumenriviera schließlich bekannt geworden ist. Im Hinterland werden Blumen gezüchtet, dort verstellen riesige Gewächshäuser die Landschaft. Ich gönne mir nach diesem kleinen Abenteuerspaziergang ein Eis auf der Piazza bin ich wieder unten angekommen und laufe vorbei an den Edelboutiquen von San Remo.

San Remo – die Grand Dame an der Blumenriviera bietet viele Überraschungen. Meine Reise geht von hier weiter nach Finale Ligure, doch davor erkunde ich noch einen echten Geheimtipp in der Nähe von San Remo.  Darüber berichte ich dann in meinem nächsten Bericht aus Ligurien.

 

Meine Tipps für Sanremo:

Mein Hoteltipp für Sanremo:

Ausflüge und Tipps

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Vielen Dank an Torismo Liguria für die Einladung nach Ligurien und San Remo an der Blumenriviera. 

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