Belgrad – la Tristesse

Es gibt schönere Städte wie Belgrad. So ehrlich muss man einfach sein. Wenn man vom Flughafen Nikola Tesla in die Stadt fährt, dann zeigt sich Serbiens Hauptstadt nicht gerade von ihrer Schokoladenseite. Die ganze Hässlichkeit der sozialistischen Zwecksarchitektur präsentiert sich dem Auge der Besucher. Ostblock-Charme, morbide Tristesse – manche mögen eine romantisch verklärte Beschreibung der Stadt finden. Wer zum ersten Mal in die älteste aller osteuropäischen Städte fährt, sollte nicht zuviel erwarten. Aber auch nicht zu wenig. Belgrads Charme offenbart sich erst, wenn man sich traut, tiefer zu blicken in die Seele einer Stadt, die eine lange Geschichte hat. Manchmal hinterlässt die Zeit eben tiefe Furchen im Antlitz und so scheint es mir auch mit Belgrad zu sein.

unterwegs & daheim in Belgrad - Serbien

Was, wenn nicht die Schönheit, führt einen also in dieses osteuropäische Großstadt-Moloch?  Vielleicht ist es grade der Reiz des Unbekannten. Paris, Berlin, London – haben wir doch alle schon gesehen. Wir kennen die Bilder der berühmten Sehenswürdigkeiten. Sie machen sich gut auf Urlaubsfotos. Aber von Belgrad, da wissen wir gar nichts. Wir haben kein Bild vor unserem Auge, keine Sehenswürdigkeit, die wir mit Belgrad verknüpfen würden, oder? Wisst ihr irgendetwas über Belgrad? Die meisten wissen nicht einmal wo Belgrad ist. Jedenfalls wurde ich mehr als einmal gefragt, wo Belgrad eigentlich ist. Rumänien? Nein, Ex-Jugoslawien. Serbien. Belgrad ist die größte und älteste Stadt des Balkans und die Hauptstadt von Ex-Jugoslawien. Belgrad hat alle Sehenswürdigkeiten, die eine Hauptstadt so braucht, um Touristen anzulocken. Das Problem ist nur, dass keiner was davon weiß. Sie schlummern unter all den Ruinen in dieser Stadt.

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1999 wurde Belgrad von der NATO zerbombt. Das hat hässliche Narben in der Stadt hinterlassen. Noch immer stehen überall Ruinen, halbzerfallene Gebäude, einbruchsfällig. In Deutschland würde man sich sicherlich sorgen, ob einem diese Ruinen nicht irgendwann über dem Kopf zusammenfallen. Aber hier in Serbien scheint sich keiner darum zu scheren. 16 Jahre später, das muss man sich mal vorstellen! So muss es in der ehemaligen DDR ausgesehen haben. Investoren hat es bisher noch nicht in die Stadt verschlagen, aber das wird sich jetzt vielleicht ändern. Und genau das reizt mich an solchen Städten. Dass sie ein Morgen haben. Eine Zukunft. Während Westeuropa zerfällt, wird sich Osteuropa in den nächsten Jahren verwandeln und aus dem hässlichen Coucon wird möglicherweise ein Schmetterling entspringen, zumindest habe ich gehört, dass Dubais Scheichs Geld in die Stadt reinpumpen sollen. Lohnen könnte es sich, würde erst mal die graue Tristesse verschwinden, dann könnte Belgrad seine wahre Pracht entfalten. Und da wäre noch die Jugend, die die ganze morbide Tristesse einfach weglächelt als wäre sie nicht vorhanden. Die einfach durch die warmen Sommernächte tanzen und sich am Leben freuen, auch wenn es mir ein Rätsel ist, wie das hier funktionieren soll. Das Leben in Belgrad ist gut, sagt Direktor Swieca vom Radisson Blu Hotel Old Mill in Belgrad. Es gibt alles was man zum Leben braucht, die Herzlichkeit der Menschen, das ist vielleicht das schönste an Belgrad.

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An jeder Ecke findet man unterschiedliche Architekturstile, die jede Zeit widerspiegeln, die diese Stadt durchlebt hat, ganz so als hätte diese alte traurige Stadt schon tausend verschiedene Kleider getragen.

unterwegs in Belgrad

An den Ufern der Donau tummeln sich ruinenhafte Alternativclubs und Partyboote auf der das Leben in den Sommernächten tobt. Dann wird Belgrad seinem Ruf als DIE Partystadt gerecht. Internationale DJs haben die Clubs von Belgrad längst für sich entdeckt. „Da ist für jeden Geschmack was dabei“, sagt Sena, die hübsche Belgraderin, die mal in Frankfurt gelebt hat und uns heute ihre Stadt Belgrad zeigt.

Belgrad ist eine der ältesten Städte von Osteuropa

Am schönsten ist Belgrad vielleicht dort, wo die beiden Flüße Donau und Save zusammenfließen. Hier erhebt sich auf einem Kalksteinfelsen die alte Festung Kalemegdan aus dem 15. Jahrhundert. Von hier hat man den schönsten Blick über die Stadt, über die Donau und die Save. Hier, in den frühlingshaften Parkanlagen könnte man fast vergessen wie trist Belgrad außerhalb der alten Festungsmauern ist.

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Bummeln auf der Einkaufsstraße Knez Mihailova in Belgrad

Auf der Haupteinkaufsstraße Knez Mihailova geht es lebhafter zu. Ich setze mich auf einen Cappuccino in eines dieser Straßencafés und beobachte das Treiben auf der einstigen Prachtstraße, auf der sich heute viele Geschäfte und internationale Labels befinden. Ich schaue in die Gesichter des Balkans. Osteuropa ist mir so fremd.

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Belgrad soll schöne Frauen haben, aber die Männer, die haben für mich immer etwas Grimmiges an sich. „Jede Frau kann in Belgrad schön sein, glaubst du etwa ich föhne meine Haare selber so schön?“, fragt mich Sena. In Belgrad föhnt sich niemand die Haare selbst, man geht zum Friseur, das kostet grade mal drei Euro und natürlich lässt man sich dann auch gleich die Nägel machen. Die Frauen hier, machen eben was aus sich. Das gilt auch fürs Ausgehen. Da putzt man sich als Frau ganz schön heraus. Als wolle man der Tristesse ein perfektes Make-up aufsetzen. „In Belgrad kannst du dich als Frau absolut sicher fühlen auch abends“, beruhigt mich Sena.

unterwegs in Belgrad

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Ein bisschen Ost-Europe-Nostalgie mit den Bloggerinnen von: globeastronout.com, reiseaufnahmen.de, hazeleyesnerd.de und ich.

Am Abend gehen wir nach neben an ins BIGZ, gleich neben dem Radisson Blu Old Mill Hotel. Wir lauschen einer Band bei der Probe. In dem denkmalgeschützen Haus aus der Bauhaus-Zeit riecht es nach Gras und die Wände sind mit reichlich Graffitis geschmückt. Von hier hast du einen super Ausblick auf das nächtliche Belgrad, auf die beleuchtete Burg und auf die grell leuchtenden futuristischen Brücken über der Save. Die Lichter einer Stadt in der Nacht entschädigen für das Grau am Tag. Hier, an unserem letzten Abend, lauschen wir der Musik und blicken auf die Stadt und wir fühlen uns gut, wir fühlen uns ein bisschen jünger und das hat Belgrad mit uns gemacht. Hier werden wir Freunde, Belgrad und ich. Wir lauschen der Band, trinken ein Bier und haben ein bisschen Spaß. Seltsamerweise machen einen diese alten Gemäuer, dieser Städte, in denen alles bröckelt immer froher als man denkt. Vielleicht weil dann auch die eigene Fassade bröckelt und man einfach sein kann. Ungeschminkt und doch so cool. Denn egal, wie trist Belgrad wirkt, ich hatte eine verdammt gute Zeit in dieser Stadt. Und irgendwie ist es das, was man sich überall so über Belgrad erzählt: Die Stadt ist nicht schön, aber wir hatten eine gute Zeit.

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Mein Belgrad-Guide – Top-Sehenswürdigkeiten und must-do`s in Belgrad

Was ihr in Belgrad auf keinen Fall verpassen solltet und wo ihr gut serbisch essen könnt, das verrate ich euch in meinem Belgrad-Guide:

1. Spaziergang durch die Festung Kalemegaden

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Von der mittelalterlichen Festung aus dem 15. Jahrhundert hat man den besten Blick über die Mündung der Save in die Donau. Ein schön angelegter Park lädt zum Bummeln ein. Außerdem befindet sich hier das Militärische Museum.

2. Daheim beim König von Serbien: Mit dem Oldtimerbus zum Königspalast

unterwegs in Belgrad

Morgens starteten wir vom Radisson Blu Old Mill mit einem alten Oldtimerbus zum Königspalast von Serbien im Belgrader Stadtteil Dedinje. Die drängenste Frage des Tages ist: Wer ist älter: Der Bus oder der Fahrer, der sichtlich Spaß daran hatte, uns durch seine Stadt zu fahren? Während der alte Bus den Hügel zum Palast hochschnauft, werden wir mit dem ersten Rakia begrüsst – „that makes the journey easier for us“ – sagt unsere Reiseführerin und das obwohl sich die Serben angeblich nie öffentlich betrinken. Den Oldtimerbus mit samt Fahrer kann man natürlich für solche Zwecke extra anmieten.

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Daheim beim König von Serbien

Einst war Serbien eine prächtige Stadt. Jeder Herrscher hinterließ seine ganz eigenen Spuren in Belgrad. Das Königshaus ist eigentlich nicht für die Öffentlichkeit zugänglich, wir erhalten mit einer Sondergenehmigung trotzdem eine Führung durch die fürstlichen Gemächer. Die Königsfamilie lebt noch immer hier, daher sind die Räumlichkeiten auch sehr privat eingerichtet. Wir schlendern durch die privaten Räume von Prinz Aleksandar II Karadjordjevic und seiner Frau, Prinzessin Katarina von Serbien! Für uns Blogger ist die Bibliothek, in der ein überdimensionaler alter Globus steht natürlich das Highlight! Aber auch die feierliche Tafel der Königsfamilie, das Arbeitszimmer des Hausherrn sind ein Hingucker wert.

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Als besonderes Schmankerl dürfen wir einen Blick in die geheimen Privaträume des Königs werfen, in dem er eigentlich nur ausgewählte Persönlichkeiten und Staatsgäste empfängt. Diese Räumlichkeiten dienen den königlichen Vergnügungen: ein Raucher- und Pokerzimmer, in dem die Staatsoberhäupter zwischen politischen Gesprächen zocken, ein Heimkino für die ganze Familie, ein riesiger Billardtisch und ein Schachtisch. Hier lässt es sich gut in aller Ruhe die Zeit verbringen. Das Untergeschoss orientiert sich architektonisch betrachtet am byzantinisch-osmanischen Stil, von dem in Belgrad häufiger Einflüsse zu sehen sind.

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Hier empfängt der König von Serbien eigentlich nur Staatsgäste, Freunde und Familie – die geheimen unterirdischen Gemächer – wir spicken mal rein.

3. Begrüssung von Tito`s Pioniers im „Haus der Blumen“

unterwegs in BelgradEine der meist besuchten Sehenswürdigkeiten in Belgrad ist das „Haus der Blumen“. Hier befindet sich neben dem Museum für Geschichte auch das Grab und Mausoleum von Tito, einem der kommunistischen Diktatoren von Ex-Jugoslawien. Besucht wird das Grab hauptsächlich von Touristen der osteuropäischen Staaten, die unter Tito`s Fuchtel standen. Um ehrlich zu sein, ich bin weder eine Touristin, die sich gerne Gräber und Friedhöfe anschaut noch kann ich etwas mit dem Kommunismus anfangen. Das Haus der Blumen erinnert mich an Rathäuser aus den 80er Jahren. Aber die Begrüssung von den jungen Damen in Uniform fand ich dann doch sehr nett. Tito`s Pioniers, werden sie genannt, die jungen Pioniere unter Tito`s Regentschaft.

4. in der St. Sava Kathedrale Künstlern bei der Arbeit zuschauen

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Die St. Sava Kathedrale ist eines der Wahrzeichen von Belgrad. Sie ist das größte orthodoxische Gotteshaus der Welt und die größte Kirche von ganz Osteuropa. In Belgrad ist man hauptsächlich orthodox und das Interessante dabei ist, dass die Gottesdienste im Stehen stattfinden und zwar stundenlang. Das kann sich schon mal einen halben Tag hinziehen und dabei ist es nur den älteren Leuten gestattet sich anzulehnen. So will man sich das Leiden selber aufzwingen. Die Kirche ist immer noch im Bau und wird restauriert. Im Untergeschoß kann man den Künstlern zuschauen, wie sie Gemälde an die Decke malen.

5. Crkva Svetog Marka

übersetzt heißt die Kirche St. Markus Kirche und ist noch so ein orthodoxisches Kirchengebäude in Belgrad. Die Kirche im serbisch-byzantinischen Stil triumphiert mit ihren roten Türmchen in der Nähe des serbischen Parlements im Tašmajdan-Park.

6. Bummeln auf der Einkaufsstraße Knez Mihailova

Die einstige Prachtstraße ist noch immer die wahrscheinlich schönste Straße von Belgrad. Hier kann man in der Fussgängerzone ganz gemütlich bummeln und sich treiben lassen, einen Cappuccino in einem der zahlreichen Straßencafés trinken oder ein bisschen shoppen gehen. Alte Palais mit prachtvollen Jugendstilfassaden zieren den Straßenrand. Alle internationalen Modelabels sind hier vertreten, von der Luxusmarke bis zum Drogeriemarkt.

7. mit der Straßenbahn durch die Stadt fahren

bei einer Fahrt mit der Straßenbahn durch die Stadt, bekommt man einen ausgezeichneten Einblick in die Stadt mit all ihren unterschiedlichen Facetten. Eine Rundfahrt vorbei am Hauptbahnhof, am Zoo, an der Festung Kalmegadan, an der Donau usw. dauert ca. 1 Stunde und ist für eine erste Orientierung in der Stadt ganz gut. Außerdem kann man ja überall aussteigen. Wir sind vor der Haltestelle am Radisson Blu Hotel gestartet.

8. gut serbisch essen im Restaurant „?“ – the Questionmark

unterwegs in Belgrad

Unweit der Einkaufsstraße Knez Mihailova befindet sich das Restaurant „the Questionmark“. Das Restaurant ist das älteste und traditionsreichste Lokal in Belgrad. Hier wird traditionell serbische Küche serviert und als kleines Extra erhält man ein Ständchen von serbischen Musikern, die alte Volkslieder im gemütlichen Speiseraum spielen, der wie ein Wohnzimmer wirkt. Übrigens sitzen die Serben hier auf kleinen Holzstühlen. Hier treffen sich auch gerne Künstler und Intellektuelle.

9. stilvoll schlafen im Radisson Blu Old Mill Belgrade

unterwegsunddaheim.de Radisson Blu Old Mill Belgrad Serbien

Das Radisson Blu Old Mill Belgrade besticht durch modernen Stil und Komfort. Außerdem hat das Hotel eine hervorragende Küche mit jungen Kreativköchen. Absolut empfehlenswert! Hier ist mein Hotelbericht zu Belgrad.

Tipps & Empfehlungen für Belgrad

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Zu dieser Reise wurde ich vom Radisson Blu Old Mill Belgrade eingeladen. Herzlichen Dank dafür.

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