„Ich muss allein bleiben und wissen, dass ich allein bin, um die Natur vollständig zu schauen und zu fühlen“, das schrieb Caspar David Friedrich in sein Tagebuch als er durch das Elbsandsteingebirge wanderte, vielleicht auf dem Wanderweg, der heute der „Malerweg“ genannt wird. Caspar David Friedrich – einer der bekanntesten Maler der Epoche der Romantik stammte aus dieser Region und machte sie durch seine Reiseaufnahmen und vor allem durch sein Gemälde Wanderer im Nebelmeer“ weltberühmt. Das Gemälde zeigt einen einsamen Wanderer, hoch über den bizarren Felsformationen des Elbsandsteingebirges und in die Weite der Landschaft blickend, während Nebelschwaden die Täler und Schrammsteinfelsen heraufziehen. Genau dieses Bild zieht auch heute noch viele Wanderer, Naturliebhaber und Touristen ins Elbsandsteingebirge in die Sächsische Schweiz. Alle treibt die gleiche Sehnsucht: eins zu werden mit sich, der Natur und dem unendlichen Horizont vor dem Auge des Betrachters. Sie alle wollen das Gefühl, das dieses Gemälde über Jahrzehnte hinweg transportierte, selbst erspüren. Auch mich zog diese Idee genau hier her. Dort in den hintersten Zipfel von Deutschland, nahe der tschechischen Grenze, wo man glauben könnte, die Welt höre hinter dem nächsten Felsen auf.

von Bad Schandau nach Rathen im Elbsandsteingebirge

Elbsandsteingebirge in der Sächsischen Schweiz - Bastei

Fotografen machen sich bereits in den frühen Morgenstunden mit ihren Stativen auf den Weg, um die Nebelschwaden einzufangen, um jenes Bild von Caspar David Friedrich zu kopieren. Es gibt einfach Bilder, die bleiben für alle Ewigkeiten. Bilder, die etwas machen, wenn man sie anschaut. Bilder, die immer wieder funktionieren. Kein anderer Künstler hat es verstanden eine solche Sehnsucht zu einer Landschaft herzustellen wie Friedrich. In diesem Bild zeigt sich die deutsche Romantik in ihrer reinsten Form, die Sehnsucht nach der Natur, die Suche nach dem eigenen Ich und melancholischen Träumereien in einsamen Stunden. Nachdem Caspar David Friedrich den Wanderer im Nebelmeer gemalt hatte, kamen die Engländer in die Sächsische Schweiz und durch ihre Reisenotizen wurde die Landschaft berühmt. Eine der ersten englischen Touristinnen war Mary Shelly. Der dänische Märchenerzähler Hans Christian Andersen war hier und schwärmte von der „geheimnisvollen Melancholie des Felsenreichs“, Richard Wagner regte die Landschaft zu seinem Lohengrin an und auch der „Freischütz“ von Carl Maria Weber fand hier seine Ursprünge. Noch heute wird in der Naturschauspielbühne in Rathen aufgeführt, in mitten der Felsen. Der Tourismus war geboren. Und heute heißt der schönste Wanderweg Deutschlands „Malerweg“ (prämierter Wanderweg).

Von Rathen auf dem Malerweg zur Bastei im Elbsandsteingebirge wandern

Elbsandsteingebirge in der Sächsischen Schweiz - Bastei

Ausgangspunkt Rathen zu einer Wanderung ins Elbsandsteingebirge in der Sächsischen Schweiz.

Ich fahre von Bad Schandau mit der Bahn nach Rathen, um mich auf die Spuren der Romantiker zu  begeben, um selbst Teil dieser einzigartigen Landschaft zu werden. Allein die Anfahrt mit der Bahn entlang der Elbe ist wie in einem Märchen, Auenlandschaften, Flusskrümungen, Nebelwälder, Schaufelraddampfer, verschlafene Ortschaften in düsigem Morgenlicht sehen auch heute in der Realität noch aus als wären sie gemalt. Das Elbehochwasser hat viele Bewohner von hier weggetrieben, weil sie alles verloren haben. Die Schönheit der Natur verlangte ihren traurigen Tribut. Dennoch, den Besucherströmen tut es keinen Abbruch.

Elbsandsteingebirge in der Sächsischen Schweiz - Bastei

In Rathen, dem malerischen Dorf an der Elbe, steige ich aus und von hier geht es direkt zu Fuß mitten hinein ins Wandergebiet. Hinter dem Dorf führt ein Waldweg hinauf zu den „wildromantischen Felsformationen“, wie die seltsamen Felstürmchen seit der Romantik bezeichnet werden. Die goldene Oktobersonne schien durch das Herbstlaub, malte die Landschaft in ein warmes Licht. Immer wieder bleibe ich stehen, schaue hinunter und in die Weite über das Elbtal. Unten fließt die Elbe gemächlich dahin.

Elbsandsteingebirge in der Sächsischen Schweiz - Bastei

 

Die Bastei im Elbsandsteingebirge zählt zu den schönsten Sehenswürdigkeiten Deutschlands

Früher tobten zwischen den meterhohen Felstürmen Raubritter herum, bauten sich ihre Festungen mitten hinein in die Felstürme. Wie sie das angestellt haben, ist mir ein Rätsel. Wie um alles in der Welt hieften die Menschen des dunklen Mittelalters ihr Hab und Gut diese hohen schlanken Tuffsteinberge hinauf, die bei Kletterern noch heute als Herausforderung gelten, weil die Wände steil sind und wenige Tritte haben. Wer aufmerksam hinsieht, der sieht noch ihre Spuren im jahrhundertealten Gestein.

Elbsandsteingebirge in der Sächsischen Schweiz - Bastei

Elbsandsteingebirge in der Sächsischen Schweiz - Bastei

 

Der Wanderweg führt direkt zum größten Besuchermagneten des Elbsandsteingebirges, direkt zur wichtigsten Attraktion der Region: der weltberühmten Bastei. Hier an der Bastei, vereinigen sich die Felstürme wie zu einem Meeting, über Hängebrücken schreitet man von Felsturm zu Felsturm und immer findet man eine bessere Aussicht, die einem den Atem nimmt. Die einen vergessen lässt woher man kommt und wohin man will. Die alles vergessen lässt, was man bisher gesehen hat. Und das alles ist mitten in unserem Deutschland. Nicht in Neuseeland, nicht im Bryce Canyon, sondern in Sachsen. Hier liegt es vor mir, unter meinen Füßen, vor meinen Augen: das Deutschlandbild, das romantische Deutschland, Deutschlands schönstes Gesicht. Das Deutschland, das Caspar David Friedrich gemalt hat und das alle Welt verzauberte: Künstler, Musiker, Touristen. Gerade im Oktoberlicht, wenn sich das Laub der Bäume golden färbt und die Sonne tief am Himmel steht und sich langsam über die Felsen schiebt, ist es hier atemberaubend schön. Eine nahezu magische Stimmung, die mich sofort wieder in diese lebensbejahende Stimmung versetzt. Tausend Ideen schießen mir wieder durch den Kopf. Das passiert, wenn man durch die Natur läuft. Man findet zu sich, ergründet sein Inneres, so wie es einst schon die Romantiker getan haben. Inspiration in der Natur finden, es funktioniert auch heute noch. Vielleicht bin ich auch nur eine unverbesserliche Romantikerin obwohl ich früher gedacht habe, ich sei weit von dem entfernt, was sich gefühlsduselig nennt.

Elbsandsteingebirge in der Sächsischen Schweiz - Bastei

Die Bastei ist die Hauptattraktion im Elbsandsteingebirge in der Sächsischen Schweiz

Elbsandsteingebirge in der Sächsischen Schweiz - Bastei

Elbsandsteingebirge: Von der Bastei zu den Schwedenlöchern und zum Amselsee

Elsbsandsteingebirge - Bastei - Schwedenlöcher

Wir verlassen den magischen Ort über die 700 Stufen, die uns hinunter zu den „Schwedenlöchern“ führen. Hinter den Schwedenlöchern verbergen sich mit grünem Moos bewachsene Steinklumpen und keine Löcher. Im 30-jährigen Krieg sollen die Bauern hier ihr Habe vor den schwedischen Truppen versteckt haben, daher der Name der Gesteinsschlucht. Die Schlucht ist ein einziger Abenteuerspielplatz. Sie führt hinunter zum Amselsee. Leider ist Ende Oktober kein Wasser mehr im See, im Winter wird es wohl abgelassen, während man im Sommer hier auch Boot fahren kann. Trotzdem ist es wunderschön hier entlang zu laufen, während die Sonne durch die Baumwipfel scheint und Fischernetze wie aus dem letzten Jahrhundert in der Sonne trocknen.Hier beinahe am Ende des Weges erwartet uns ein kleines nettes Wanderlokal. Hungrig und durstig kehren wir ein, finden uns in Gesellschaft von zahlreichen Wanderern, zugegeben meist älteren Semesters. Gibt es eigentlich in meiner Altersgruppe auch Menschen, die gerne Highheels in der Stadt tragen und am Wochenende mit Wanderschuhen durch die Wälder streifen? Jedenfalls schmeckt das Essen nach dieser Tour umsomehr. Hier verabschiede ich mich vom Elbsandsteingebirge, fahre zurück nach Dresden und von dort nach Frankfurt. Aber vielleicht schaffe ich es ja wiedereinmal in diesen Teil Deutschlands, gerne auch bevor ich das durchschnittliche Wanderalter erreicht habe. Denn die Natur, ist ja für jeden da.

Elbsandsteingebirge - Bastei - Schwedenlöcher

 

Infos zur Wanderung zur Bastei im Elbsandsteingebirge in der Sächsischen Schweiz

Elbsandsteingebirge Sächsische Schweiz Bastei

Meine Tipps fürs Elbsandsteingebirge in der Sächsischen Scheiz:

Mein Hoteltipp in Bad Schandau im Elbsandsteingebirge: 

Anreise mit der Bahn: von Bad Schandau mit der Bahn nach Rathen

Wanderkarten und Wanderrouten zu den verschiedenen Etappen des Malerweges und der Sächsischen Schweiz sowie zum Wanderweg zur Bastei, den Schwedenlöchern und dem Amselsee gibt es bei www.Sachsen-Tourismus.de

Anreise von Frankfurt nach Dresden: 5 Stunden mit dem ICE, ca. 1 zusätzliche Stunde nach Bad Schandau im Nationalpark Sächsische Schweiz.

Hier aktuelle Angebote bei der Bahn finden: www.bahn.de*


Alternativ kann man auch mit einem Schauffelraddampfer von Dresden aus auf der Elbe bis nach Bad Schandau fahren. Sicherlich auch schön.

Infos zum Malerweg: www.malerweg.de

 

Vielen Dank an Tourismus Sachsen für die Einladung nach Dresden und ins Elbsandsteingebirge in der Sächsischen Schweiz. Meine Meinung bleibt davon unberührt.

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