Turin, du Prachtvolle

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Turin – Ausblick von der Mole Antonelliana über die Stadt und die Alpen

„Was willst du denn in Turin, das ist doch eine Industriestadt“, diese Frage wurde ich mehrmals vor meiner Reise nach Turin gefragt. „Nein, ist sie nicht nur“, habe ich dann gesagt, denn Turin ist eben nicht nur Fiat, die Autofabrik, die hier ihren Hauptsitz hat. Turin ist Dolce Vita, das ich bekanntlich schätze und Turin ist schön und prachtvoll und ganz anders als viele andere italienische Städte, das merkt man schon am Verkehr, der überhaupt nicht chaotisch ist. Die Stadt wirkt geordnet, als Schachbrettmuster angelegt, das irgendwie immer mitten hinein führt. Die Stadt im Piemont ist herrschaftlich, eine stolze Schönheit, die zu Unrecht im Schatten vom nahen Mailand steht. In nur einer Flugstunde von Frankfurt bin ich im nördlichen Italien und konnte es mir an diesem ersten Aprilwochenende wirklich richtig gut gehen lassen.

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Turin – das sind barocke Arkadengänge wie hier auf der Piazza San Carlos

Chiara hat mir Sonne versprochen und die habe ich bekommen. 23 bis 25 Grad Anfang April, am Fuße der Alpen, da kann sich wirklich keiner mehr übers Wetter beschweren. Die Turiner nutzen die Sonne und frühstücken noch in Straßencafés, während ich schon über das Altstadtpflaster ins historische Stadtzentrum schlendere. Hin und wieder dringen ein paar italienische Wortfetzen an meine Ohren, begleiten meine Schritte, meine Blicke und klingen wie eine wunderschöne klassische Melodie, die mich durch die Altstadt Turins schweben lässt. Unter Arkadengängen führt mich der Weg hinein, in eine Stadt, die plötzlich anfängt mit ihrer ganzen Pracht vor mir zu protzen. 18 Kilometer lang sollen die barocken Arkadengänge (portici) durch die Stadt führen, angeblich, weil die Savoyer Herzöge auch bei Regen von ihren Palazzi aus zum Ufer des Pos schlendern wollten, ohne nass zu werden. Darunter befinden sich Läden und Geschäfte von der Edel-Modemarke bis zum Bonbonshop.

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Die edle Galeria San Frederico aus dem Jahr 1931 war einst das Paradies der Damen, also eine Shoppingmeile mit den edelsten Schmuck und Designerläden Italiens, in dem feine Damen ihr Herz verloren und adlige Herren ihr Geld.

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Turin – die Galeria San Frederico aus dem Jahr 1931

Wer hätte auch gedacht, so viel Prunk in Turin vorzufinden und wer wusste, dass diese Stadt sogar mal die Hauptstadt Italiens war? Das erklärt die vielen Prachtbauten auf der Piazza San Carlo – dem eigentlichen Wohnzimmer Turins, wie Chiara sagt. Hier gönne ich mir zuerst einmal einen typischen Bicerin im nostalgischen Café San Carlo – das ist ein in Turin erfundener Kaffee, bestehend aus drei Schichten von Espresso, Schokolade und Sahne. Schmeckt himmlisch gut! (einen Schlemmerguide für Turin mit traditionellen und neuen Spezialitäten findet ihr hier).

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Die Piazza San Carlo ist das Wohnzimmer von Turin

Turin – Flanieren zwischen Piazza und Palazzo

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Turin – Palazzo Madama auf der Piazza Castello

Doch Turin geizt nicht mit seinen Reizen und seinem Prunk, der auf der Piazza Castello zur Höchstform aufläuft. Seit dem 13. Jahrhundert regieren die Herzöge von Savoyen hier, die prachtvollen Palazzi stammen aus dem 15. Jahrhundert und als 1861 Turin für kurze Zeit zur Hauptstadt Italiens erkoren wurde, kamen weitere Schlösser und Paläste dazu, die noch immer das Stadtbild prägen. Ich habe schon viele Paläste und Schlösser besichtigt, aber als ich die Treppen des Palazzo Madamas hinauf schreite oder die heiligen Räume des Palazzos Reale besichtige, entfährt mir ein lautes Wow und ich fühle mich ein bisschen wie eine Prinzessin! (In Gedanken trage ich eine edle Seidenrobe).

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Turin: Im Palazzo Madama fühlt man sich wie eine Prinzessin

Während der Palazzo Madama den Savoyern als Wohnpalast diente, war der Palazzo Reale auch Regierungssitz des Königreichs Piemont-Sardinien und wurde für Christina von Frankreich erbaut. Jeder Raum ist reichlich ausgestattet mit barocken Ornament-Stuck, chinesischen Vasen, schmucken Wandteppichen, Seidentapeten und vor allem reichlich Gold an Decken, Wänden und Möbeln. Beeindruckend ist auch die Waffenkammer, die Waffen, Ritterrüstungen mit samt Pferd aus allen Jahrhunderten zeigt. Der Westflügel verbindet den Palast mit dem Dom von Turin. Dieser ist eine wichtige Pilgerstätte für gläubige Christen, denn er beherbergt das Grabtuch von Jesus Christus. Angeblich soll Jesus nach der Kreuzigung in das Tuch gewickelt worden sein, man erkennt im Tuch eine Abzeichnung des Gesichts sowie Blutspuren. Das berühmte Grabtuch war im Besitz der Savoyer, ehe es im Dom ausgestellt wurde (wird nur alle paar Jahre öffentlich sichtbar ausgestellt). Ein freundlicher Herr sprach uns an welche Sprache wir sprechen würden und wir bekamen eine Präsentation mit Erklärungen zum Grabtuch. So nett, die Turiner, wirklich.

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Turin: die Piazza Castello mit dem Palazzo Reale

Zu Besuch bei den Herzögen von Savoyen von Turin im Jagdschlösschen vor den Toren der Stadt

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Alle Schlösser der Savoyer gehören zum UNESCO-Weltkulturerbe. Auch das Jagdschlösschen Stupinigi, das ca. 10 Kilometer vor den Toren der Stadt liegt und einstige Sommerresidenz der Savoyer war. Hier ging man auf Hirschjagden und feierte rauschende Feste und Hochzeiten. Wir fahren mit dem roten Sightseeing-Bus* hin und steigen an dem kleinen weißen Sommerschlösschen aus, um es zu besichtigen. Auch hier findet man prunkvolle Säale und Räumlichkeiten des italienischen Hochadels früherer Zeiten vor. Allerdings weniger beeindruckend als der Palazzo Reale im Herzen Turins.

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Turin: Im Jagdschlösschen Stupinigi ging man auf Hirschjagd und feierte rauschende Feste

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Turin: Prunksaal im Jagdschlösschen Stupinigi der Herzöge von Savoyen und dem Königreich Piemont-Sardinien

Zurück im Stadtzentrum, fahren wir den gläsernen Aufzug der Mole Antonelliana im Museo Nationale del Cinema hinauf – das bedeutenste Wahrzeichen der Stadt, das mit seiner Höhe von 168 Metern seiner Zeit das höchste Gebäude der Welt war. Während der Aufzugfahrt werfe ich einen Blick in das nationale Kinomuseum, eine Zeitreise durch die Kinogeschichte. Auch für den italienischen Film spielte Turin eine Hauptrolle. Von der Plattform hat man eine grandiose Aussicht auf die Stadt, im Norden erheben sich die schneebedeckten Gipfel der Alpen am Horizont und im Süden grüne Hügel, auf denen kleine oder größere Häusschen stehen. Ein bisschen wie die Toskana von Turin.

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Turin – das Wahrzeichen der Stadt ist ein Bau der Belle Epoche und nennt sich Mole Antonlliana. Hochfahren und Aussicht genießen!

Spätestens hier oben, wenn die herrschaftliche Stadt, einem zu Füßen liegt, gerät man ins Schwärmen, begreift allmählich, dass Turin keine häßliche Industriestadt ist, obwohl sie mit ihren über 800.000 Einwohner größer ist als Frankfurt. Und wenn man mit dem sagenhaften Ausblick wieder hinunter fährt, dann beginnt man die Stadt mit anderen Augen zu sehen, entdeckt die kleinen verborgenen Winkel und Gässchen, blickt hinein in die Gesichter der Turiner, die stolz sind auf ihre Stadt, weil sie allen Grund dazu haben, obwohl das viel zu wenige Menschen da draußen in der Welt wissen. Und man vergisst Fiat, weil man sowieso zu Fuß durch die Stadt flaniert unter den Arkaden oder man spaziert an den grünen Ufern des Pos entlang und genießt die Frühlingsluft, die blühenden Bäume, denn wider erwarten ist Turin die Stadt mit den meisten Grünflächen in Italien. Und ohne es zu merken, verliert man sich in den Gassen Turins, nicht weil man verloren ist, sondern weil man mehr will. Turin, ist in jedem Falle anders. Und das ist gut so. Turin ist wie eine verborgene Schatztruhe. Und Turin ist eine Entdeckung, die man nicht mehr vergessen will.

 

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Turin, mich hast du für dich gewonnen!

 

Turin hat mich für sich gewonnen. Und was ist mit Euch? Konnte ich euch überzeugen, dass Turin mehr ist als Fiat?

Vielen Dank an Tourismo Torino é Provinca, an Incoming Experience und an das Hotel Best Western Piemontese für die Einladung nach Turin und für die wundervolle Zeit mit unvergesslichen Eindrücken.

 

Infos:

Eintritt Palazzo Reale: 12 Euro

Eintritt Palazzo Madama: Prunktreppe kostenlos

Eintritt Palazzo Stupinigi: ca. 6 bis 10 Euro

Eintritt Dom Turin: kostenlos

City-Sightseeing Bus-Tour: Hop-on Hop-off Tour, die an verschiedenen Sehenswürdigkeiten Turins hält. Ganz neu im Programm für 2014 ist auf der B-Linie der Palazzo Stupinigi. Kosten: 16- 20 Euro pro Person

Übernachten: z.B. im Best Western Hotel Piemontese. Ein 3-Sterne Haus im Zentrum von Turin, mit freundlichem Personal und gutem Frühstücksbuffet im Wintergarten.

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