Rügen Teil II: Ein nostalgischer Traum in weiß – die Binzer Bäderarchitektur

Rügen. Teil 2: Der Chauffeur bringt mich ins Vierjahreszeiten Binz, einem traditionsreichen Hotel in der für Binz typisch, weißen Bäderarchitektur. Außen faszinieren hübsch verzierte Holzfassaden, im Innern sorgen dunkle, schwere Holzmöbel und maritime Tapeten an den Wänden für den nostalgischen Touch. Alles hier auf Rügen wirkt wie aus einer anderen Zeit, so als wäre Kaiser Wilhelm II. hier irgendwo noch zu Gast.

Binz ist ein typischer Badekurort, der sich den Charme des 19. Jahrhunderts erhält. Nach dem ich meinen Koffer verstaut hatte, schlendere ich ein bisschen die Strandpromenade hinunter und bestaune den nostalgischen Traum aus verspielten, weißen Holzfassaden. Um die 50 Villen scheinen sich hier übertrumphen zu wollen, dabei präsentiert sich eine Villa um die andere im  stolzen Gewand der Gründerzeit. Die weißen Fassaden mit Jugendstilelementen recken sich fürstlich in den blauen Himmel und wäre nicht dieser Ostdialekt überall zu hören, hätte keiner je gedacht, dass Rügen ehemaliges DDR-Land war.


Man will sich mondän geben, hier in Binz, aber so richtig gelingen tut das nicht, die Urlauber aus dem Osten der Republik überwiegen. Auf der Strandpromenade scheinen sich ausschließlich Touristen zu tummeln, dementsprechend sind auch die Geschäfte ausgerichtet, Postkarten, Sonnenbrillen, Regenmäntel, Kunstgallerien, Cafés mit Plüschsofas und gestickten Seidenvorhängen und ein Gosch-Stand lassen die Herzen, der Touris höher schlagen. Meines nicht, denn ich will schnurstracks zum Meer. Und da ist es dann auch plötzlich vor mir – die stahlblaue Ostsee.

Die Seebrücke am Strand von Binz soll eine der ältesten und größten in Deutschland sein, naja, ich finde sie ist nur ein Steg, jedenfalls hat man von hier aus eine herrliche Sicht auf das majestätisch, direkt am Strand liegende Kurhaus von Binz. Damals wie heute verkehrt hier die feine Gesellschaft; 1890 eingeweiht, war Kaiserin Auguste eine der ersten Gäste, heute glänzen die frisch gestrichenen Außenfassaden als Grandhotel und sehen selbst bei wolkenverhangenem Herbsthimmel noch nach Sommerfrische aus.

Alles hier erinnert mich an feine Damen höherer Schichten, die einst in ellenlangen Kleidern und Hüten mit Schleifen dran die Strandpromenade hinunterschritten, am Arm geführt von strammen, preußischen Offizieren mit Schnurrbärten im Gesicht, an Pferde, die ihre Hufe in den Sand drücken, Jagdhunde, die durch die Wellen toben und an gestreifte, lange Badeanzüge, die man sich in weiß getäfelten Badekabinen überstreifte – eine Szenerie wie aus Eduard von Keyserlings Roman Wellen – ok, vielleicht lese ich zu viele Romane, aber ach, ein kleines bisschen Nostalgie kann man sich hier nicht verwehren…

weiter geht`s mit Teil III: Das Meer, ein Strandkorb und ein Piccolo

Rügen Teil I: Ruhe für die Seele – zwischen Bäderarchitektur, Kreidefelsen und Strandkörben

Rügen Teil IV: Wellness für die Sinne – eine Kreiderfahrung