Sommerlandflucht an den Waldsee

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Landflucht an den Waldsee – der Ebnisee

38 Grad und das seit Tagen! Leute, das ist ein Sommer, wie er sein soll. Das blöde ist nur, ich sitze an fünf Tagen in der Woche in einem klimatisierten Büro und friere. Wenn ich abends rauskomme, gleicht die Stadt einem Hitzekessel: asphaltdampfende Straßen, überall ist es laut und stinkt und die Wohnung gleicht einer Sauna. Am Wochenende muss ich deswegen raus: Zeit für eine Landflucht. Gut, dass ich eine zweite Heimat habe. Auf dem Land, im tiefen Schwabenland, da wo die Welt noch in Ordnung ist. Wo man nachts mit weit geöffnetem Fenster schlafen kann und nichts hört als das Zirpen der Grillen. Wo ein lauer Wind über die weiten Felder weht und zumindest abends eine kleine Abkühlung verspricht. Ein Freund aus Frankfurt sagte mal, „wow, das ist wie die Schwäbische Toskana hier“ und seitdem denke ich immer, ja man, ich bin in der Toskana.

Landpartie – mit dem Cabrio zum Waldsee

Nachdem ich mich im örtlichen Freibad mit ein paar Kopfsprüngen vom Ein-Meter-Brett abgekühlt habe, setze ich mich mit noch feuchten Haaren in Mamas Cabrio. Der warme Fahrtwind trocknet meine Haare sofort und verleiht mir das Gefühl von grenzenloser Freiheit während ich so übers Land düse und kurvenreiche Waldsträßchen hinauffahre. So eine Cabrioausfahrt an späten Sommernachmittagen ist einfach ein super-Gefühl, wenn man fünf Tage in der Woche in der Stadt eingesperrt ist. Es riecht nach frisch abgemähten Kornfeldern, nach Wald und Wiesen am Sommerabend. Es ist ruhig und fast kein Verkehr, nur ich und das Land darum herum. Mehr brauche ich auch nicht grade.

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Wohlfühloase für gestresste Städter – meine Wochenendwellnesskur im Sommer

Zwischen Welzheim, Kaisersbach und Althütte schlummert ein friedliches Idyll, namens Ebnisee und das ist wie so häufig, wenn ich daheim bin, mein Ziel. Der kleine Waldsee strahlt eine Ruhe aus, die selbst bei gestressten Städtern bekannt ist für eine Wochenend-Wellnesskur zum Nulltarif, weil es nichts mehr braucht, als das stille Sitzen auf einer Holzbank am Ufer. Hier lasse ich zu jeder Jahreszeit die Seele baumeln. Jetzt, an lauen Sommerabenden, sind hier keine Städter zu sehen, sondern die Jugend und die Älteren aus den umliegenden Dörfern, die sich an einem erfrischenden Bad im See erfreuen. Ich selbst würde nicht hier schwimmen, obwohl die Wasserqualität aller Welzheimer Badeseen gut sein soll. Es ist eher so, ich hab fünf Jahre lang am Bodensee gelebt, da will man keinen anderen Badesee mehr und eigentlich sind auch Freibäder keine Alternative und irgendwie ist mir das Grün des Sees für ein Bad auch nicht ganz so geheuer, aber zum Anschauen und Verweilen, da ist es wunderschön hier.

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Der Ebnisee nach einem Gewitterregen

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An lauen Sommerabenden wird hier gebadet

Wer hier eintaucht, ist eins mit der Natur. Die Luft riecht nach Sommer, nach Holz, nach Waldboden. Ein paar Jugendliche belagern die Badeinsel in der Mitte des Sees, ein paar wagemutige Jungs klettern auf Bäume und springen in die Tiefe, hinein ins satte Grün, man wenn ich ein fünfzehnjähriger Junge wäre, dann würde ich das auch gern mal machen. Ein Entenpaar zieht seine Kreise über den See, ein Platscher hier, einer dort, es ist so friedlich hier. Ein Dorfidyll, das wie ein entrücktes Gemälde aus fernen Zeiten wirkt, wenn man aus der Stadt kommt. Es gibt einen Bootsverleih, einen hochfrequentierten Kiosk am Parkplatz, gehobene Sternegastronomie und Hotelzimmer mit Seeblick. Doch trotz aller Touristenmagnetismen gibt es hier vor allem eines: Ruhe. Kein Wunder, dass es auch vermeintliche Hobbykünstler an den See lockt, der ihnen als Inspirationsquelle dient.

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Die Dorfjugend hat`s drauf – Sprung vom Baum wie Tarzan

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Abkühlung bei 38 Grad Sommerhitze

Der Wald spielt in dieser Gegend eine große Rolle. Der Stausee blickt auf eine über 250jährige Geschichte zurück.  1745 ließ man den „See auf der Ebene“ aufstauen, um von hier Forstholz zu flößen. Wo heute Städter ihre Spazierrunden machen, Picknicker ihre Würstchen grillen, war einst das Knacken der Baumstämme beim Fällen, das Ächzen der Wagenkarren und das Wiehern von Pferden zu hören. Über die Wieslauf gelang das Floßholz in die Rems und  schließlich in den Neckar bis nach Stuttgart, um die Stadt mit Brennholz zu versorgen. Später im 19. Jahrhundert kamen mit der Einführung des Dampfzügles die feinen Herrschaften von Stuttgart und entdeckten den Waldsee als Naherholungsgebiet für sich. Man buhlte in Anzeigen um die Touristen aus der Stadt: “Höhenluft aus tiefen, stillen Tannenhochwaldungen macht gesund, stärkt Herz und Nerven, erfrischt Körper und Geist”. Und was damals im 19. Jahrhundert versprochen wurde, das gilt auch noch heute. Deswegen bin ich schließlich hier und es stimmt, nur fünf Minuten stilles Sitzen hier am Ufer verändert die gehetzte Seele eines Stadtmenschen und man fragt sich, warum nur, musste ich diese Gegend verlassen?

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Ich so in der Heimat

Irgendwann meldet sich mein Magen zu Wort, ich steige wieder ein, ins Cabrio und fahre noch einmal ein paar Kurven entlang, hinter versteckten Waldpfaden gibt es ein Restaurant, wo man über die Hügel und Täler blicken kann und gute schwäbsiche Küche genießen kann. Hier auf der Terrasse kriegt man ihn wirklich, den Toskana-Blick. Manchmal kann man daheim finden, was man in der Ferne vergeblich gesucht hat. Merkt euch diesen Satz, vielleicht werdet ihr ihn eines Tages brauchen.

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Romantik…

Habt ihr auch einen Lieblingssee in eurer Heimat? Wenn ja, wo ist der?

Mehr Infos zum Ebnisse gibt`s hier: http://www.ebnisee-info.de/