Es war mein 25. Geburtstag als ich zum ersten Mal in der Türkei war. Meine Geburtstagsreise mit meiner Mutter. Im Januar hatte es herrlich milde Temperaturen von 20 Grad, T-Shirt-Wetter und Sonnenschein, ich konnte die Zehen in den Sand graben. Genau die richtige Zeit, um die kulturellen Schätze der Türkei zu entdecken, denn im Sommer bei 40 Grad ist das viel zu anstrengend. Wir spazierten am Hafen von Bodrum entlang, alte Männer tranken ihren Tee in Straßencafées und ich wunderte mich, warum die Frauen und Mädchen in der Türkei keine Kopftücher tragen, so wie bei uns.

Wir besichtigten antike Ausgrabungsstätte wie z.B. die antike Stadt Ephesos mit ihrer prunkvollen Bibliothek. Wir haben die landschaftlichen Schätze des Taurusgebirges gesehen, die Sintherterrassen von Pamukkale mit der historischen Stadt Hierapolis. Wir waren in abgelegenen Bergdörfern und hockten bei einer türkischen Mutti im Wohnzimmer, die uns ihre Häckeldecken verkaufen wollte.

Meine Erinnerung an die Türkei von damals – erste Türkeireise 2003

Da erst habe ich begriffen, dass die Türkei eine reiche Vergangenheit hat, die untrennbar mit Europa zusammenhängt. Das Land zwischen Okzident und Orient war schon seit Jahrtausenden eine Brücke zwischen Europa, Asien und Afrika und so ist es bis heute. Der heilige St. Nikolaus, er kommt aus der Türkei und wurde ausgerechnet im Abendland eine Figur des Christentums, eine liebevolle Vaterfigur, der die Kinder beschenkt. Maria, die Mutter von Jesus, sie war in Ephesos. Die alten Griechen haben hier schon ihre Philosophien verbreitet, ihre Mythen und Gründungslegenden wie z.B. der Kampf um Troja, die bis heute unsere abendländische Geschichte prägen, von der wir bis heute soviel in unserem Alltag übernommen haben. Die Römer bauten die prächtigsten Städte der antiken Welt hier in der Türkei. Wenn man all das sieht, bekommt man ein anderes Gefühl für ein Land und seine Geschichte und die ganzen Zusammenhänge in der Welt. Mit Ehrfurcht bin ich über die antiken Steine gelaufen und habe mit türkischen Teppichhändlern Apfeltee getrunken und mich über die Türken in Deutschland unterhalten. Viel fortschrittlicher seien die Türken in der Türkei, sagte mir damals Kemal, der Teppichhändler und er hatte recht. Die Türken, die ich aus unserem Dorf kannte, kamen aus anatolischen Bergdörfern als Gastarbeiter nach Deutschland und brachten ihre Traditionen aus den 60er Jahren mit, die sie in der fremden Heimat nie weiterentwickelten. Währenddessen die türkischen Städte moderne Metropolen wurden und Frauen immer seltener Kopftücher aufsetzten. Von da an war mir die Türkei ein sympathisches Land geworden.

In den nächsten Jahren hatte sich die Türkei immer weiter entwickelt. Moderne Hotels entstanden, trendige Städte boomten und der wirtschaftliche Aufschwung florierte. Die Türkei wurde zum beliebten und billigen Urlaubsziel für uns Deutsche. Und der Beitritt zur EU rückte immer näher. Ich reiste wieder in die Ägäis, und habe eine blaue Reise mit einem Gulet durch wunderschöne einsame Buchten mit kristallklarem Wasser gemacht. Der Sprung vom Segelboot ins Blau, gehört zu ziemlich dem besten Reiseerlebnis, das ich habe. Hier in der blauen Seele der Ägäis, von der schon Herodot, ein griechischer Philosoph schwärmte, offenbarte sich die ganze Schönheit dieses Landes. Hier badete schon die ägypthische Pharaonin Kleopatra und ihr Geliebter ließ ihr sogar Sand aus ihrer Heimat hier aufschütten. Die Türkei war schon immer der Landweg zwischen den Kontinenten, die Völker dieser Erde zogen durch dieses Land, hinterließen ihre Spuren, ihre Kultur und ihre Lebensweisheiten. Heute ist das nicht anders. Das Land ist die Brücke zwischen den Welten, zwischen Okzident und Orient, zwischen arabischer Welt und der westlichen.

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Auf geht`s zur blauen Reise in die türkische Ägäis von deren “unendlichen Bläue” schon Homer fasziniert war

Mein letzter Türkeiurlaub war im Juni 2012, ein reiner Badeurlaub an der Türkischen Riviera bei Kemer. Im Flugzeug saß eine alkoholisierte Abiturientin neben mir, eine junge Türkin, die stolz erzählte, dass sie Deutsche sei und Urlaub an der Türkischen Rivera machen wolle. Eine beliebte Ferienregion für deutsche Urlauber. Im Hotel traf ich viele Deutsch-Türken, die hier Urlaub machten, in den Luxusressorts, die sich ihre Eltern, die erste Generation der Gastarbeiter, noch nicht leisten konnten. Irgendwann wollen sie sich hier ein Haus kaufen, fürs Alter, erzählen die Deutschtürken, so wie z.B. der Monteuer, der mir meine Möbel lieferte, nach Izmir wolle er als Rentner ziehen, obwohl er dieses Land nicht kennt, weil er schon immer in Deutschland gelebt hat. Zurück in die Heimat, die nie eine für sie war. Istanbul sei cool, hat mir ein Deutschtürke erzählt, die coolsten Clubs, die coolsten Partys, tolle Dachterrassen mit Ausblick auf den Bosperus. Ich wollte unbedingt Istanbul sehen. Die Türken sie waren modern geworden, sie feierten, genossen den Luxus im Hotel und tranken Alkohol. Trotzdem gehen sie noch ins Hamam, rauchen Shisha in Shisha Lounges und heiraten Türkinnen aus türkischen Dörfern, die noch nie in Deutschland waren.

Jetzt sitze ich hier und frage mich, was ist nur aus diesem Land geworden? Werde ich jemals noch Istanbul sehen? Denn eines ist gewiss: Aktuell habe ich keine Lust in die Türkei zu reisen. Die politischen Umstände, die Art und Weise, wie ein einziger Mensch innerhalb kürzester Zeit sein Land zerstört und die Menschenrechte und Meinungsfreiheit außer Kraft setzt, finde ich erschreckend. Genauso erschreckend finde ich es, dass die EU dabei kommentarlos zusieht. Ich mochte dieses Land. Die Kultur, das Meer, die Landschaft, das Essen, die Basare, das Hamam und die Gastfreundschaft. Unverständnis empfinde ich für die Deutschtürken, die hier in Deutschland Krawalle machen über die Politik ihres Landes, diese Türken, die eben noch stolz behaupteten, sie wären Deutsche, bekämpfen sich nun in deutschen Städten, weil sie für oder gegen Erdogan sind? Warum das? Warum unterstützen Menschen, die in einem freiheitlichen Rechtssystem leben einen Machthaber der von der Alleinherrschaft träumt und alle freiheitlich-demokratischen Werte mit den Füßen tritt? Ein hochgradiger Narzist, der den Aufschwung seines Landes in nur wenigen Monaten total zerstört? Ich weiß es nicht. Ich kenne die Hintergründe nicht. Aber solange sich nichts ändert, werde ich wohl keine Reise mehr in die Türkei unternehmen. Und so bleiben mir leider nur die Erinnerungen an meine Türkei von damals. Eine Türkei, die stolz sein konnte auf das was sie war.

Meine Erinnerung an meine Reise in Ägäis 2011

Blaue Reise in der Türkische Ägäis - wenn dich ein Segel in einsame Buchten treibt

Mein Segeltörn durch die türkische Ägäis ist ein unvergesslicher Traum.

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