Über den Wolken…

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Fliegen kann so schön sein… Abheben über dem Bodensee

… muss die Freiheit wohl grenzenlos sein….Ich liebe fliegen! Dieses Wahnsinnsgefühl – wenn die Maschinen anrollen und mit Vollgas über die Landebahn donnern und du weißt, jeden Moment wird es passieren und du hebst ab! Und dann ist es soweit:  mit aller Gewalt drückt es dich in den Sitz – das ist das aller allerbeste am Fliegen, und dann, die Räder schweben knapp über dem Boden und die Welt unter dir wird immer kleiner und kleiner, ja sie hört auf zu existieren und du schwebst, schwebst und schwebst hinauf in die Lüfte, durch fette wattebauschmässige Wolken, deren Formationen so einzigartig sind, dass die tollsten Fantasiebilder vor dir entstehen. Von hier oben, siehst du die besten Sonnenauf- und Untergänge, von hier oben siehst du die Welt, die mit all ihren Problemen, nicht mehr die deine ist, zumindest für die Zeit des Fluges. Und das ist einfach schön. Einfach loslassen, den Boden unter den Füssen verlieren und doch nicht untergehen. Und dann kommt der Signalton und eine freundliche Stewardess serivert dir dein Getränk im Plastikbecher. Du fängst an, auf Entspannungsmodus umzuschalten. Moment. Stopp. Zurück. Das wäre so, wenn es da nicht die anderen Fluggäste gäbe. Ja, das wird jetzt ein Lästerartikel. Denn , mein Schicksal ist es, im Zug und im Flugzeug immer neben den sonderbarsten Typen zu sitzen. Ausgerechnet ich und die schrägen Vögel, zusammen in der Luft.

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über den Wolken muss die Freiheit wohl grenzenlos sein….

 

Schräger Vogel Nummer 1: Dickie

Man fängt ja schon am Check-in Schalter an, die Leute zu mustern, vielleicht sitzen sie in der gleichen Maschine, man versucht krampfhaft einen Blick auf ihr Flugticket zu erspähen, vielleicht ein attraktiver Sitznachbar, nur einmal im Leben? Und dann war da diese Frau. Sie war dick. Und das tut mir auch sehr leid für diese Frau. Ich kann ja nix dafür, dass ich denke: bitte lieber Gott, such mir einen attraktiven Sitznachbar. Ich bin guter Hoffnung, schließlich vertrau ich auf den lieben Gott. Dann sitze ich im Flugzeug. Diese Frau sitzt schon da. Neben meinem ausgewiesenen Platz. Ich habs gewusst. Sie kann ja nix für ihr Dicksein. Ich habe auch nichts gegen dicke Leute. Aber so ein Sitzplatz im Flugzeug, der kann manchmal verdammt eng sein. Ich quetsche mich an Dickie vorbei. Auf der anderen Seite sitzt auch jemand, der groß ist, mit Bauch. Einem dicken Bauch. Schön, dass ich die Mitte erwische. Zwischen zwei etwas beleibten Menschen, fühle ich mich ziemlich klein. Ehrlich gesagt habe ich auch Platzangst. Dickie  zieht etwas aus ihrer Tasche, sie hat tatsächlich eine Gurtverlängerung dabei, weil der normale Flugzeuggurt nicht ausreicht für 250 cm Taillenumfang. Dickie tut mir leid, weil es bestimmt nicht angenehm ist, so ein Gurt zu haben. Aber ich tue mir irgendwie auch leid, wie ich da sitze, eingeklemmt in der Mitte ohne eine Chance mich irgendwie bewegen zu können. Ich war froh, dass die 1 ½ Stunden nach Pisa keine 12 Stunden waren, aber mir blieb noch der Rückflug und Dickie saß schon auf dem Platz neben mir.

Schräger Vogel Nummer 2: Der Grunzer

Meinen ersten Kulturschock meiner Chinareise erlebte ich bereits im Flugzeug. Ich saß 12 Stunden lang neben einem Spieler der chinesischen Tischtennisnationalmannschaft, die das halbe Flugzeug belegte. So weit so gut. Doch dann kam das Essen. Was der Chinese mit Essen macht, darüber kann man lange und ausführlich berichten, kurzum: spucken, grunzen, schmatzen. Bei offenem Mund. Mir schmeckte mein Essen nicht mehr, denn man hatte mir  mal Essmanieren beigebracht. In China jedoch, gelten völlig andere Tischsitten, dass sich der Chinese für einen Chinesen ganz normal verhalten hatte, merkte ich wenig später als ich mich im Land der Mitte bewegte.

Schräger Vogel Nummer 3:  Die Partyleiche

Oh Mädel, du bist eine süße Maus! Ja, ich freu mich auch mit dir mit, dass du gestern deine Abiparty hattest und die ganze Nacht durchgetanzt bist! Man, fast beneide ich dich um deine Unbekümmertheit, deine Jugend, dein Leben, das jetzt vor dir liegt und bei mir schon eine Weile her war. Ja, und ich finde es auch toll, dass du jetzt mit deinem Vater und deinen drei Geschwistern wie jedes Jahr in den zwei Wochen All-Inklusive-Familienclub in die Türkei fliegst, das hätte ich mir in deinem Alter auch gewünscht, und dass du den Nerv hattest, noch nicht mal deinen Koffer zu packen, sondern das erst ne halbe Stunde vor Abflug getan hast, als du sturzbesoffen von der Party nachhause gekommen bist, das finde ich ganz schön cool! Dass du mir das alles erzählst, geht schon in Ordnung, denn ich mag Geschichten, nur Mädel, kleine süße Maus, das mit der nicht unternommenen Dusche hättest du nicht erwähnen müssen, denn die Alkoholausdunstungen von der durchzechten Partynacht kann man ohnehin nicht ignorieren.

Schräger Vogel Nummer 4: Die Assibraut

Man, wie hab ich mich auf diese Reise nach Mexiko gefreut. 12 Stundenflug. Aber es fängt nicht gut an. Erst werde ich in Reihe drei verfrachtet und meine Begleitung in Reihe 45, Flug ausgebucht bis zum letzten Platz und dann  habe ich die Ehre neben einer Assibraut zu sitzen. Abgefressene Fingernägel und fettige Haare hängen quasi fast über meiner Pasta im Plastiktöpfchen. 12 Stundenflug, eiskalte Ignoranz auf beiden Seiten. Auf der einen frisch lackierte Fingernägel, auf der anderen abgefressene Hautstummel. 12 Stundenflug und die Assibraut neben mir zieht die ganze Zeit ihre Rotznase rauf, lautstark. Wohl noch nie was von Taschentüchern gehört. Ich erschrecke jedes Mal dabei. Hat man uns Mädchen nicht zum Stillsitzen erzogen? Oh weia, ich höre die Emanzipierten aufschreien. Manchmal finde ich alte Werte aber gut. Und Knigge. Und Benimm. Gegensowas hilft nur der Boardkopfhörer und ein sturer Blick in mein Buch. Zum Dank hab ich von der Assibraut ein Mitbringsel geschenkt bekommen: die ersten drei Tage in Mexiko bin ich nämlich erkältet, Schnupfen und dass, obwohl ich in den letzten zehn Jahren nie Schnupfen oder eine andere Art von Krankheit hatte. Danke Assibraut.

PS: an alle Fluggesellschaften, die das hier lesen: ich bin für die Einführung eines Board-Knigge!

Wichtige Hinweise: Die Beschreibung sämtlicher schräger Vögel in diesem Artikel sind von der Redaktion völlig frei erfunden,  jede Verwechslung mit lebenden Personen, muss daher ausgeschlossen werden. Der Rechtsweg ist ebenfalls ausgeschlossen.

Dieser Artikel ist ein Beitrag zur Blogparade „Geschichten rund ums Fliegen“, die vom Jo Igele Reiseblog iniziiert wurde.