Ein chinesisches Sprichwort sagt: „Im Himmel ist das Paradies, auf Erden gibt es Suzhou und Hangzhou„. Die beiden Städte nahe von Shanghai gelten als älteste und als schönste Städte von ganz China – bis heute. Suzhou aber ist voll malerischer Poesie und ganz so, wie man sich eine traditionelle Stadt in China vorstellt: voll romantischer Gärten, die eine Oase der Ruhe im hektischen Treiben der Altstadtgassen bilden, voll romantischer Wasserkanäle, die die Stadt durchziehen und ihr den Beinamen „Venedig des Ostens“ verliehen und Grund für eine Städtepartnerschaft mit Venedig sind und voll von alten traditionellen chinesischen Holzhäusern mit roten Laternen. Ein Besuch in Suzhou ist wie eine Reise ins alte China und Suzhou ist die Stadt, die mir auf unserer diesjährigen Chinareise am besten gefallen hat.

Suzhou

Wir fahren von Hangzhou nach Suzhou und checken erst abends in unserem Hotel ein. Schon dabei werden wir in eine völlig andere Welt entführt. Unser Hotel in Suzhou verkörpert all das was die Stadt ausmacht und was sie so sehenswert macht. Im Garten des Hotels befindet sich ein über 400 Jahre alter Garten, nicht ganz so beeindruckend wie der Garten des bescheidenen Beamten, aber doch ein Sinnbild für die Poesie, mit der Chinesische Gartenbaukünstler ihre Gärten anlegten. Und in meinem Zimmer, ganz im traditionellen Stil gehalten, finde ich Teakmöbel, auf denen liebevoll ein Teetablett serviert wurde, chinesische Seide, die in Suzhou seit jahrhunderten hergestellt und exportiert wird. Und auch das Abendessen im Hotel verzaubert unsere Sinne, im eigenen Separee, werden unsere Gaumen voll köstlicher chinesischer Gerichte umschmeichelt. Hier in Suzhou gefällt es mir, das merke ich schon bei der Ankunft.

Am nächsten Tag erkunden wir die Stadt, die als eine der kleineren chinesischen Städte, immerhin 7 mal größer ist als Berlin, sagt Richie, unser Guide. Richie, heißt eigentlich nicht Richie, aber sein deutscher Professor an einer deutschen Uni, an der er studiert hat, konnte sich die Namen der chinesischen Studenten nicht merken und vergab kurzerhand jedem einen typisch deutschen Namen, Richie wurde Richard, kurz Richie. Gut, dass Richie in Deutschland studiert hat, denn so weiß er, dass für uns Deutsche ein Fisch voller Kräten weniger eine Delikatesse ist, sondern eine Herausforderung auf dem Tisch und bestellt trotz chinesischer Delikatesse für uns extra eine leichter zu essende Speiße. Ich liebe Richie dafür.

Die Altstadt von Suzhou

Suzhou

Die Altstadt von Suzhou ist geprägt von diesem malerischen Chinabild. Grüne Weiden, die an den Kanälen in ebenso grünes Wasser hängen, Holzboote, die von Gondolieren durch die Kanäle geschippert werden, so wie noch vor hunderten von Jahren, mit der Hand. An den Kanälen sitzen alte Herren, die dem Treiben auf den Straßen zuschauen, Rikschas wurden heute durch Motorroller ersetzt, sonst wäre das typische Chinabild noch vollkommener und nur noch ein einzelner Vogelkäfig hängt vor einem Haus – früher mögen es weit mehr gewesen sein. Aber trotz allem scheint hier noch etwas von dem alten Flair spürbar zu sein. Die alten Steinbrücken und die grauen Hausfassaden mit den Schindeldächern mögen bei Tag grau und trostlos aussehen, des nachts aber so romantisch wie sonst nirgendwo in China. Am Abend leuchten hier vor den alten Teakhaushäusern rote Laternen auf den Gassen der Altstadt und geben so ein wundervolles Bild ab, die Boote sind beleuchtet und die ganze Abendstimmung versetzt uns in ein einziges ah und oh Staunen. Suzhou ist voll von der Poesie des alten Chinas, die man sonst fast nirgendwo mehr spüren kann.

Eine Bootsfahrt auf dem Kaiserkanal

Bei einer Bootsfahrt auf dem Kaiserkanal bekommt man einen Eindruck vom Leben am Kanal. Die Häuser wirken windschief, gebrechlich und doch gefüllt von Leben. Alte Frauen waschen hier noch ihre Kochschüsseln im Kanal, auf dem schon vor Jahrtausenden der Kaiser von China zwischen Peking, Suzhou und Hangzhou hin und her pendelte. Der Kaiserkanal war einst die wichtigste Verbindungstraße zwischen Peking und Hangzhou und eine der wichtigsten Handelsstraßen, auf der Güter von Nord nach Süd und umgekehrt transportiert wurden.

Die klassischen Gärten von Suzhou

Garten des bescheidenen Beamten Suzhou - klassische Gärten Suzhou

Ein Besuch ohne einen der klassischen Gärten von Suzhou gesehen zu haben, ist undenkbar. Denn für die Gärten ist Suzhou weltberühmt und sie wirken wie eine stille Auszeit im hektischen Treiben des Getümels auf den Straßen. Die UNESCO hat sechs Gärten ausgewählt, die den begehrten Titel UNESCO Weltkulturerbe tragen. Der schönste und größte von ihnen ist der Garten des bescheidenen Beamten mit seinen stolzen 5 ha Größe. Aber auch die anderen Gärten sind einen Besuch wert.

Suzhou

Der YunYan Tempel und Hugiu Pagode auf dem Tiger Hill in Suzhou

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Anschließend besuchen wir den YunYan Tempel mit der Huqiu Pagode am Tiger Hill. „Das ist der schiefe Turm von China“, sagt Richie mit einem Schmunzeln. Die über 1000 Jahre alte und 47,5 Meter hohe Pagode ist mittlerweile so windschief wie der schiefe Turm in Pisa. Der Grund dafür könnte die Quelle unter der Pagode sein, in der der König He Lu über 1.000 antike Schwerter als Grabbeilage vergraben haben soll. Der Legende nach soll hier ein weißer Tiger am Grab des verstorbenen Königs He Lu gewacht haben. Heute gehört der YunYan Tempel und die Pagode zu einem Wahrzeichen von Suzhou. Besonders beeindruckend auf dem Tiger Hill sind aber auch hier wieder die wunderschön angelegten Gärten mit den über 1.000 Bonsai Bäumen, von denen jeder einzelne steinalt ist und so teuer wie ein Einfamlienhaus, sagt Richie.

Ein Besuch in einer Seidenstickerei und im Seidenmuseum von Suzhou

Seidenstickerei in Suzhou - unterwegs & daheim

Suzhou ist bekannt für seine Seide. Seit Jahrhunderten, und sogar schon in der Tang Dynastie (618-907) wurde in der Stadt Seide produziert. Suzhou belieferte mit seiner kostbaren Seide den Kaiserpalast in Peking und später im Mittelalter kam die wertvolle chinesische Seide über die weltberühmte Seidenstraße bis an die Fürstenhöfe in Europa. Wir fahren zunächst in die Seidenstickerei und können Seidestickerinnen bei der Arbeit zusehen. Drei Jahre dauert es, bis die Stickerinnen ein Bild vollenden können, die hauchdünnen Fäden sind kaum sichtbar und werden in mühevoller Kleinarbeit tagein, tagaus in wunderschöne Bilder gestickt. Die Motive gehen von chinesischen Landschaftsbildern bis modern interpretierte Muster oder Haustiere. „Am schwersten ist der Schwanz eines Goldfisches zu sticken“, erklärt uns Richi, dafür benötigt es mindestens 10 Jahre Stickerfahrung und nur die älteren Stickerinnen, könnten Goldfische sticken. Die Stickerinnen haben alle eine lange Ausbildung durchlaufen und sie verdienen auch nicht schlecht, sagt Richi, denn sie werden angeblich am Gewinn der Produkte, die in der Manufaktur verkauft werden, beteiligt.

Seidenstickerei in Suzhou - unterwegs & daheim

Den Seidenstickerinnen von Suzhou über die Schultern geschaut

Mein Interesse für die Seidenproduktion steigt plötzlich und daher beschließen wir kurzerhand noch ins nahegelegene Seidenmuseum zu fahren, in das die Touristen eher kommen. Immerhin gehört die Seidenproduktion zum Immatriellen UNESCO Weltkulturerbe. Die Seidenstickerei steht eigentlich nicht auf dem typischen Touristenprogramm, wir haben eine Sondergenehmigung dafür bekommen, um die echten Einblicke zu bekommen. Im Seidenmuseum kann man sich ein Bild von der Seidenproduktion machen. Im ersten Raum sehen wir die Seidenraupen, wie sie sich an den Maulbeerblättern den Wanst vollfressen, um sich anschließend in einen Cocoon zu verwandeln. Dieser ist das Produkt, aus dem die Seide wird. Ein Cocoon enthält bis zu 1500 Meter Seidenfaden, das muss man sich mal vorstellen, was so eine kleine Seidenraupe da leistet! Die Cocoons werden gekocht, bis man die Fäden herausziehen kann, anschließend werden sie maschinell aufgespult oder verwebt. Aus Zwillingscoucouns werden ganz besondere Produkte hergestellt: was ein Irrtum der Natur war, wird hier gesondert aufgespult und anschließend zu wunderbar weichen Seidendecken verarbeitet. Ich ziehe die Seide über eine solche Decke und das weiche Gefühl auf der Haut hat es mir so angetan, dass ich mir gleich so eine Decke gekauft habe. Ich liebe Seide! Und nirgendwo kann man Seide besser erwerben als hier, an ihrem Ursprungsort, wo sie nach jahrhundertealten Traditionen hergestellt, verarbeitet und verwerbt wird. Am liebsten hätte ich das ganze Seidenmuseum leer gekauft, es gab Kimoonos, Kissenbezüge, Täschen, Seidenstickererien en masse.

Aber es bleibt zu wenig Zeit, um sich ausgiebig umzuschauen. Richie hat noch viel mit uns vor. Unser Bus wartet vor dem Seidenmuseum auf uns und bringt uns weiter in das Wasserdorf Zhou Zhang, das auf halber Strecke zwischen Suzhou und Shanghai liegt – unser letzten Station unser diesjährigen Chinareise bringt.

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Was du von Suzhou auf alle Fälle mitbringen solltest:

Seide, Seidenstickereien und nochmal Seide :-)

Was du in Suzhou auf keinen Fall verpassen solltest

Spezialitäten in der Küche von Suzhou

Suzhou

Der Eichhörnchenfisch – eine Spezialität in Suzhou

Eichhörnchenfisch (ein Mandarinfisch, der aussieht wie ein gegrilltes Eichhörnchen, eingelegt in einer süß-sauren Soße – schmeckt sehr sehr lecker und hat auch keine Gräten)

Meine Restauranttipps in Suzhou

mittags: Nudelrestaurant Tongdexing, Jiayufang 6 (同得兴, 嘉馀坊 6)

Suzhou

dieses kleine Restaurant ist wirklich ein super Geheimtipp! Dabei ist das Restaurant eigentlich sehr berühmt, denn es gab sogar schon Fernsehreportagen über das Nudelrestaurant und seine typischen Spezialitäten, erzählte Richie. Spezialität des Restaurants ist Nudelsuppe mit Schweinebauch oder Fisch (mit Kräten). Ich esse meine Nudelsuppe mit Garnelen und Pilzen in einer leckeren Sojasauce.

Suzhou

Typisch im Nudelhaus Tongdejing in Suzhou und sooo lecker

abends: Restaurant Songhe Lou (松鹤楼), Shantang Jie 198 (山塘街 198)

Dieses Restaurant ist auch ein Muss. Hier hat sogar schon der Kaiser von China gespeist. Das Restaurant gibt es seit 1755 und es liegt direkt am Kaiserkanal in der Hauptstraße der Altstadt (siehe Bild mit dem Holzhaus und den roten Laternen). Es ist eines der ältesten Restaurants von Suzhou und eines jener traditionellen Holzhäuser mit roten Laternen davor. Wir speißten in einem Separee und haben hier den Eichhörnchenfisch zum ersten Mal gegessen.

Dazu gab es u.a.: Löwenzahnsalat, Quallen, Morcheln, Rettichsalat, eingelegte Gurken, Seerosenkerne (diese sind sehr teuer in China) uvm.

Restaurant in unserem Hotel (siehe unten) ist auch sehr zu empfehlen: Scholar Hotel PingJiangFu:

Mein Hoteltipp in Suzhou

Scholars Hotel PingJiangFu Suzhou, East Baita Rd. 60 (白塔东路60号,近平江路)

sehr, sehr schönes Hotel im Zentrum von Suzhou. Das moderne Hotel ist ganz im traditionell chinesischen Stil eingerichtet und verfügt über einen eigenen 400 Jahre alten chinesischen Garten und erstklassiges Restaurant, in dem ich das beste Essen auf der ganzen Reise serviert bekam und alles so hübsch angerichtet.

 

 Weitere Infos für deinen Besuch in Suzhou
Suzhou liegt in Ostchina, direkt am Kaiserkanal, der Peking und Hangzhou im Jangtse Delta verbindet. Daher war die Stadt schon immer eine wichtige Handelsverbindung von Nord- und Südchina. Mit über 2.500 Jahre Geschichte, ist Suzhou eine der ältesten Städte Chinas und verfügt heute über ca. 10 Millionen Einwohner, was für chinesische Verhältnisse eher als klein gilt. Seit dem 14. Jahrhundert ist Suzhou die Hauptstadt für Seide und Seideproduktion in ganz China, was zum Immatriellen Erbe der UNESCO Weltkulturerbe zählt. Darüber hinaus gilt Suzhou als poetisches Zentrum für Dichter und Künstler im Alten China.
Anreise nach Suzhou: Suzhou liegt an der Hochgeschwindigkeitszugstrecke, die von Peking nach Shanghai führt. Von Shanghai kann man die Stadt in einer Stunde aus erreichen.
Klima & beste Reisezeit für Suzhou: Suzhou ist ganzjährig mild und warm. Von Mai bis September kann es häufig regnen. Daher ist die beste Reisezeit der Frühling von März bis Mai oder der Herbst von Oktober bis November.


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Ich wurde vom Fremdenverkehrsamt der VR China, der VR China, auf diese Bloggerreise eingeladen. Meine Meinung basiert auf meinen persönlichen Eindrücken. 

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