Hangzhou sei die schönste und großartigste Stadt der Welt, soll Marco Polo in seine Berichte aus China geschrieben haben als er im 13. Jahrhundert in die Stadt kam. Dem aus Venedig stammenden Handelsreisenden muss es die Sprache verschlagen haben, als er die chinesischen Dschunken im Hafen von Hangzhou sah, die von dort bis nach Afrika segelten und exotische Waren mitbrachten. Damals schon war China eine Seemacht und Hangzhou der größte Hafen der Welt. Marco Polo musste sich wie sooft auf seiner Chinareise eingestehen, dass seine Ostasienreise eine Reise der Superlativen ist. Damals im Mittelalter reichte das Chinesische Meer noch bis in die Stadt hinein, heute ist es da längst verebbt. Dafür gibt es den Westsee – die größte Sehenswürdigkeit von Hangzhou.

Eine Bootstour auf dem Westsee in Hangzhou

Hangzhou - Westsee

Nach unserer ersten Nacht in China fahren wir hinaus zum Westsee und besteigen dort eine Holzdschunke. Eine Bootstour auf dem Westsee gehört einfach dazu, wenn man nach Hangzhou reist. Schließlich wurde der See wegen seiner Schönheit tausendmal kopiert in China und seit 2011 gehört er zum UNESCO Weltkulturerbe. Während das Boot leise in die morgendliche Stille hinausgleitet, hängt eine trübe graue Suppe über dem See. Was wie Nebel aussieht ist leider nur Smog, der die Landschaft verwäscht bis alle Farben zu einem einzigen Farbton verschwimmen und nur noch leichte Konturen hervorstechen. „Wie in der Schweiz“, jauchzt unser Reiseleiter und hüpft dabei vor Freude von einem Bein aufs andere, das hätte zumindest mal einer seiner Gäste gesagt. Nunja, lassen wir das mit den Vergleichen einfach. An den Vierwaldstättersee erinnert der Westsee mich nicht gerade, auch wenn die Umrisse der umliegenden Hügel bei schönerem Wetter sicherlich ein traumhaftes Landschaftsbild abgeben. Umgeben von Lotusfeldern, Steinbrücken und Pagoden soll der Westsee ein Sinnbild des poetisch traditionellen Chinabildes sein, der in der chinesischen Kultur immer wieder eine Rolle spielt und Dichter und Maler über Jahrhunderte hinweg inspirierte. Die drei schwimmenden Pagoden an denen wir vorbeigleiten sind sogar auf der Rückseite des 1-Yuan-Scheins abgebildet. Insgesamt gibt es hier über 60 Sehenswürdigkeiten, Pagoden, Teehäuser oder Brücken zu sehen.

Der Legende nach zankten sich ein Drache und ein Poenix um eine Perle, die auf die Erde fiel, wodurch der Westsee entstanden sein soll. Er ist kein Überbleibsel des Meeres, das sich durch die Jahrhunderte weit von der Stadt zurückzog, sondern des Qiantang-Flusses.

Hangzhou

Der Lingyin Tempel mit der Halle der 500 Mönche in Hangzhou

Hangzhou Lingyin Tempel

Anschließend drängt unser Reiseleiter die noch gejetlaggede Reisebloggergruppe zum nächsten Highlight, dem nordwestlich von Hangzhou liegenden Lingyin Tempel. Der Weg zum Tempel führt vorbei an Steinpagoden aus dem 10. Jahrhundert und an in den Fels gehauene Steinbilder mit Buddhafiguren. Die Skulpturen sind einzigartig, sie erinnern an die Zeit der ersten buddhistischen Mönche, die aus Indien nach China kamen, um ihre Religion zu verbreiten und da ist auch der lachende Buddha zu finden, der so typisch für China ist. Der Lingyin Tempel ist eines der größten zen-buddhistisches Klöster, in dem seinerzeit bis zu 3.000 Mönche lebten. Besonders beeindruckend ist die Halle der 500 Mönche, 500 lebensgroße Mönchsfiguren aus Bronze, von denen keiner dem anderen ähnelt. Eine ähnliche Halle habe ich schon im Tempel der azurblauen Wolke auf dem Duftberg in Peking gesehen und war sehr fasziniert davon.

Bei den Teepflückerinnen des Drachenbrunnentees rund um Hangzhou

Hangzhou

Zum Mittagessen fahren wir durch die unglaublich grünen Täler rund um die 9 Millionenstadt Hangzhou. Dort, wo China noch seine Klischeebilder von mit Strohhütten bekleidten Bauern auf grünen Teeplantagen erfüllen kann. Dort begegnen wir den Teepflückerinnen des Drachenbrunnentees, für den Hangzhou weltbekannt ist. Der Drachenbrunnentee ist ein grüner Tee, der noch heute hier von Hand gepflückt wird. Die zartesten Blätter des Drachenbrunnentees oder auch Long Jing Tees sind die kostbarsten und können auch sehr teuer sein. Als Kaiser Kangxi seinerzeit an den Westsee kam und von dem Drachenbrunnentee trank, war er so begeistert von dem Tee, dass er ihm sogleich kaiserlichen Status verlieh, insofern, probiert den kaiserlichen Tee einfach selbst einmal, um euch von der Qualität zu überzeugen.

Hangzhou - Drachenbrunnentee

Xixi Wetland Nationalpark

Ein weiterer lohnenswerter Ausflug rund um Hangzhou ist der Xixi Wetland Nationalpark, ca. 5 Kilometer westlich von Hangzhou gelegen. Hier werden wir am nächsten Tag noch eine Bootstour mit einheimischen Fischern machen und unser Mittagessen selbst beschaffen. Die wunderschöne Landschaft ist wie eine Reise in eine andere Zeit, ich habe hier darüber berichtet.

Xixi Wetland Nationalpark Hangzhou

Ein Bummel durch die Altstadt von Hangzhou

Hangzhou

Alte Apotheke Hangzhou

Die Altstadt von Hangzhou existiert heute so gut wie gar nicht mehr. Als einziges Übrigbleibsel ist die Hanghai-Lu übriggeblieben, eine einzige Straße, in der noch einige der ältesten Häuser stehen. So auch die Hu-Qingyu-Apotheke aus dem Jahr 1874. Eine der ältesten Apotheken, in der noch heute traditionelle chinesische Medizin verkauft wird. Es lohnt sich einmal hineinzugehen und sich die chinesischen Heilmittel anzuschauen: Ginseng, Knollen, Pilze, Kräuter etc. und die Heilkräfte aus der Natur sind ja heute noch wirksam. In dem traditionellen Handelshaus aus der  Qing-Dynastie gibt es auch ein Museum für chinesiche Medizin.

Im Handwerksmuseum kann man traditionelle Papierschirme, handbemalte Fächer und andere chinesische Handwerkskunst erwerben. Wir dürfen in einem kleinen Workshop einen Fächer selbst bemalen, um unser kreatives Geschick unter Beweis zu stellen. Der Fächer sollte sich noch als nützliches Reiseutensil in der schwülen Hitze in Hangzhou beweisen.

Hangzhou

Die Straße läuft auf die Gong Chenqiao Bridge zu, von der man  einen tollen Blick auf das traditionelle China mit seinen wenig übrig gebliebenen alten Häusern und im Hintergrund den modernen Hochhäusern hat.

G-20 Gipfel 2016 in Hangzhou

Was Marco Polo im 13. Jahrhundert in Staunen versetzte, versetzt chinesische Touristen auch heute in Staunen: Hangzhou ist und bleibt für sie die Stadt in China, von der die Welt spricht. 2016 wurde in Hangzhou der G-20 Gipfel ausgetragen und für die Chinesen scheint das eine besondere Ehre zu sein, jedenfalls reisen einheimische Touristen eigens nach Hangzhou, um sich eben jenes Zentrum anzusehen, das heute ausschließlich als Museum dient. Der Reiseleiter kündigt uns mit Stolz „den wichtigsten Programmpunkt unserer Reise an“.  Die Toiletten im G20-Zentrum sind rießig und super sauber (sorry, aber wenn man in China ist, muss man einfach über Toiletten sprechen und diese Anmerkung ist, wie ich finde, ein äußert wichtiges Faktum), die Klimaanlage ist eine Wohltat für den Moment und der Kaffee im Zentrum ist zwar ziemlich teuer aber absolut hervorragend. Und ich erfahre nebenbei, dass die Handtaschen der weiblichen Staatsoberhäupter einen extra Stuhl bekommen, damit sie nicht auf dem Boden stehen müssen. Neben Angela Merkel saß übrigens Theresa May in Hangzhou am Tisch. Das Essen wird ebenfalls am runden Tisch eingenommen (aber in einem anderen Saal) und hinter den Staatsoberhäupter sitzen Bedienstete, die zugucken. Das Kongress-Zentrum ist ein modernes Abbild Chinas: nachgebildete Mondtore und exklusive Bonsais auf der Dachterrasse und wertvolle Holzschnitzereien von Landschaftsbildern aus den chinesischen Provinzen als Wandvertäfelung. Wir machen ein Gruppenselfie in typischer Angela Merkel Pose:

Bummel entlang des Kaiserkanals in Hangzhou

Hangzhou

Rund um das G-20 Kongress-Zentrum ragen sich neue Wohn- Bürohochhaustürme in die Luft, eine neue Stadt ist hier entstanden, in denen die Mietpreise für Wohnungen mittlerweile für Normalsterbliche unbezahlbar geworden sind, verrät unser Reiseleiter Herr Zhang. Weiter geht unser Ausflug vom traditionellen Hangzhou ins hochmoderne Hangzhou. Abends spazieren wir nämlich noch entlang des Kaiserkanals, der von hier aus bis nach Nordchina, also nach Peking führt und einst als Verbindung der beiden Kaiserstädte Hangzhou und Peking fungierte. Er ist mit über 1800 Kilometern die längste von Menschen geschaffene Wasserstraße und gehört seit 2014 zum UNESCO Weltkulturerbe. Vor über 2400 Jahren wurde der Kaiserkanal erbaut und führt von den Mündungstälern des Jangtsekiang bei Hangzhou bis in die Hauptstadt Peking. Heute verwandelt er sich abends in ein funkelndes Lichtermeer aus tausend bunten Lichtskulpturen. Und auch die abendlichen öffentlichen Tanzshows scheint es in China noch zu geben, denn Chinesen treffen sich gerne abends auf öffentlichen Plätzen und tanzen.

Lichtershow auf dem Westsee

Hangzhou - Westsee

Zum Abendessen treffen wir uns wieder am Westsee. Nachdem wir nun die Spezialitäten der Küche um Hangzhou kennen, dürfen wir uns auf die Abendshow am Westsee freuen. Die Show ist der Hammer, also ich meine ich weiß nach dieser Show, wie sich Marco Polo damals gefühlt haben muss, als er zum ersten Mal in Hangzhou angekommen ist und aus dem Staunen nicht mehr raus kam: genauso ist diese Show. Las Vegas auf dem Westsee wäre eine Untertreibung. Erzählt wird die Gründungslegende von Hangzhou, kombiniert mit chinesisch-asiatischen Elementen und europäischer Kultur in Form von Balett aus Tschaikowsikis Schwanenesee und Beethovens Freude schöner Götterfunken. Man muss den chinesischen Faible für Kitsch nicht teilen, um diese Show super zu finden. Ich jedenfalls fand es ein sensationeller Ausklang des Besuchs in Hangzhou. Und es zeigt, die Chinesen fahren so ziemlich alles auf, um die Welt zu beeindrucken und wieder ins Staunen zu versetzen, so wie einst im Kaiserreich zu Marco Polos Zeiten. Hangzhou soll wieder die glanzvolle Stadt sein, von der die Welt noch lange spricht.

Hangzhou - Westsee

Was du von Hangzhou mitbringen solltest:

Seide

Hangzhou ist bekannt für seine Seide. Es gibt ein Seidemuseum. Ein kostbares Kleidungsstück aus Seide ist immer ein schönes Erinnerungsstück aus China.

Drachenbrunnentee

Der Jongji Tee ist einer der kostbarsten Grünen Tees der Welt und kommt direkt von den Teeplantagen in Hangzhou.

Was du in Hangzhou auf keinen Fall verpassen solltest:

Lichtershow auf dem Westsee 

Spezialitäten der Küche in Hangzhou

In Longjing Tee gebratene Flussgarnelen

Das Gericht vereint etwas von den Bergen und etwas aus dem See und repräsentiert die traditionelle Küche aus Hangzhou

 

Restaurant-Tipp in Hangzhou:

  • Restaurant am Westsee Gunshan Road (楼外楼东楼,地址:杭州孤山路)
  • Teeplantage bei Hangzhou: Meixu Kommune – Teeplantage (梅坞公社) im Meijiawu Hangzhou (杭州梅家坞)

 

Hotel-Tipp in Hangzhou:

Zhejiang International Hotel¸ Tiyuchang Rd. 221, (体育场路221号)

Das Hotel liegt zentral, fussläufig zum Kaiserkanal

hier haben wir 2 Nächte verbracht.

Unterkünfte in Hangzhou finden*

 

video unterwegs in Hangzhou

schau hier mein Video unterwegs in Hangzhou an:

 Fakten über Hangzhou
Hangzhou liegt ca. 190 Kilometer südlich von Shanghai (1-2 Stunden Fahrt), von Shanghai fährt ein Hochgeschwindigkeitszug nach Hangzhou
Mit fast 9 Millionen Einwohnern ist Hangzhou die acht größte Stadt Chinas
Hangzhou ist die Hauptstadt der Provinz Zhejiang
In der Song-Dynastie (1132–1276) war Hangzhou auch Hauptstadt des Kaiserreich Chinas, es war die Zeit als auch Marco Polo in Hangzhou war. Damals lebten hier bereits ca. 1 Mio. Menschen und Hangzhou galt als Wiege der Chinesischen Kultur.
Das Klima in Hangzhou ist ganzjährig mild, in den Monaten von Mai bis September kann es tropisch schwül heiß sein und viel regnen.

 

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Hinweis: Ich wurde vom Fremdenverkehrsamt China und Reiseland China zu der Reise nach Hangzhou eingeladen. Vielen Dank.

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