Die 10 schönsten Winter Romane für lange Abende

In der Winter-Ausgabe der Literarischen Reise stelle ich meine liebsten Winter Romane vor, die sich für lange kalte Winterabende eignen. Das sind Romane, in denen man die Kälte des sibirischen Winters auf jeder Seite spürt (Tolstoi), die Dunkelheit Norwegens nachfühlen kann (Peter Stamm) oder die melancholische Tristesse herbeiliest (Claudie Gallay). Es sind Romane, die von Menschen und ihren Geschichten erzählen und uns in andere Länder entführen. Macht ein paar Kerzen an, holt euch eine Tasse Tee, falls vorhanden macht ein Kaminfeuer an und kuschelt euch mit einem guten Buch unter eine warme Decke, aber vor allem: lasst euch inspirieren von der literarischen Reise in den Winter!

Literarische Reise in den russischen Winter

Nirgends ist der Winter kälter als in Russland. Die Russischen Winter Romane sind meine Lieblinge, schwer, melancholisch, berührend, so erscheint mir die „russische Seele“ in den großen Klassikern der Russischen Literatur. Meine heißen Tipps für lange Winternächte (auch die Verfilmungen sind emfpehlenswert):

1. Leo Tolstoi: Anna Karenina – Moskau und St. Petersburg im Zarenreich

Die Szene ist beeindruckend: Anna Karenina steigt in ihrer Pelzmütze in Moskau aus dem Zug, es schneit. Hier treffen Graf Wronski und die unglücklich verheiratete Anna zum ersten Mal aufeinander. Was folgt ist ein Ehebruch, eine heiße Affäre in den kalten russischen Wintern, in den prächtigen Palästen der Zarenzeit. Auf der anderen Seite steht diese Szene gegenüber: Lewin himmelt die schöne Prinzessin Katja beim Eislaufen an, hält um ihre Hand an und die beiden kommen nach langem Hin und Her zusammen. Dem glücklichen Paar auf dem Land steht das unglückliche Paar in der russischen Gesellschaft gegenüber, dass durch die Schande des Ehebruchs verloren scheint, zumindest was den weiblichen Teil, nämlich Anna Karenina betrifft, denn als Ehebrecherin wird ihr jeder Umgang in der aristokratischen Gesellschaft verwehrt. Nicht so ihrem Liebhaber. Tolstoi gibt uns Einblicke in die Prunkwelt von St. Petersburg und Moskau, aber auch ins Landleben des russischen Landadels von damals. Er beschreibt den Fall einer jungen Adligen, die durch die Gesellschaft in den Tod flüchtet. Es gibt keinen besseren Frauenversteher als Tolstoi, der die weibliche Seele so treffend beschreibt. Eines der besten, aber auch eines der schwersten Bücher, das ich je gelesen habe und ein herrlicher Winter Roman.

Anna Karenina Verfilmungen*

2. Leo Tolstoi: Auferstehung – sibirische Winterkälte

Noch einmal Tolstoi. Ist man durch Anna Karenina durch, widmet man sich der Auferstehung. Hier wird die eisige Kälte Sibiriens so packend beschrieben, dass man innerlich erstarrt. Auch deswegen, weil die langen Winter und die Kälte der Landschaft gleichzeitig die Kälte der russischen Gesellschaft widerspiegelt. Ein unehelich geborenes Hausmädchen wird vom pubertären Adelsspross geschwängert, dann vom Herrenhaus verstossen. Was folgt, ist die typische Armutskarriere für eine Frau der damaligen Zeit: sie landet im Puff, dann im Knast. Sie wird unschuldig eines Mordes beschuldigt und da kommt der Adelsspross von damals wieder ins Spiel. Er erkennt in ihr, seine Sünde von damals, begreift, dass er für ihr Schicksal verantwortlich ist und bekommt es mit der Reue zu tun. Kann und wird er sie von ihrem schweren Schicksal befreien? Tolstoi beschreibt die missliche Lage in sibirischen Frauengefängissen, die Arroganz und den Fall der Charaktere. Auferstehung – der große Titel eines großen Tolstoi Romans.

Wieder begeisterte mich Tolstoi mit wunderschönen Landschaftsbeschreibungen und mit der einfühlsamen Beschreibung seiner Charaktere. Tolstoi ist ein grandioser Psychoanalytiker und ein noch viel besserer Schriftsteller. Seine Romane gehören zum besten Lesestoff aller Zeiten. Und er ist schuld daran, dass ich nur wegen dieser Romane einmal nach Russland reisen möche. Wäre da nicht Putin. Egal die Landschaften sind traumhafte schön und super für den Winter Romane Lesetipp.

Auferstehung: Roman (Fischer Klassik)*

3. Auf der Leseliste: Dr. Schiwago von Boris Pasterniak

Hier schau ich mir an besonders schmuddeligen Wintertagen gerne die Verfilmung an, denn das Buch habe ich noch nicht gelesen. Die Handlung spielt in Zeiten der Russischen Revolution, doch im Vordergrund steht wieder einmal die Liebe. Und die wird in der eiskalten sibirischen Steppe herrlich in Szene gesetzt: Die Schneelandschaften und das berühmte „Eishaus“ in dem Literaturklassiker sind einfach traumhaft inszeniert worden und spiegeln den Kontrast der Handlung wider. Ein Film, den man kennen muss.

Doktor Schiwago*

 

Literarische Reise in die dunklen Winternächte Norwegens

Die Norwegischen Winter sind lange, dunkel und einsam. Der nächste Winter Roman Lesetipp aus Norwegen beschreibt diese Stimmung sehr eindrucksvoll.

4. Peter Stamm: Ungefähre Landschaft – die Dunkelheit nördlich des Polarkreises

Ungefähre Landschaft handelt von einer jungen Frau aus einem kleinen norwegischen Dorf. Hier sind die Nächte lang und dunkel und wie die Landschaft Norwegens beschrieben wird, so zermürbend scheint auch das Leben der Bewohner zu sein. Kathrine war noch nie südlich des Polarkreises, ihr Leben verläuft in der Bahn, die ihr das Leben im nördlichen Polarkreis vorzuzeichnen scheint. Doch dann entdeckt sie ein Geheimnis, dass sie erst erschüttert und dann aufrüttelt. Sie bricht auf, macht sich auf die Suche, fährt mit dem Schiff der Hurtigruten in den südlichen Polarkreis, sie kommt bis nach Kopenhagen und nach Paris, um dann wieder in die Dunkelheit des nördlichen Polarkreises zurückzukehren. Doch das Durchbrechen der Polarkreisgrenze verändert auch Kathrines Leben.

Peter Stamm schildert ein einfühlsames Porträt einer jungen Frau auf der Suche. Es geht um den Mut, sich aufzumachen und um sein eigenes Glück zu kämpfen. Die Landschaft Norwegens ist dabei ein wichtiger Faktor, denn sie spiegelt sich in den Menschen der Geschichte wieder.

Ungefähre Landschaft: Roman*

5. Randi Crott: Erzähl es niemanden! eine-deutsch norwegische wahre Geschichte

Erzähl es niemanden beruht auf einer wahren Geschichte. Es ist mehr eine autobiografische Dokumentation als ein Roman, aber absolut lesenswert! Es geht um Lilian, eine junge Norwegerin und um Helmut, einen jungen Deutschen. Es handelt in der Zeit als Norwegen zwischen den Allierten und der deutschen Besatzung der SS hin- und hergerissen ist. Die Allierten verminen die Fjorde, die Deutschen erobern das Land. Dazwischen entfacht die Liebesgeschichte  von Lilian und des Deutschen Wehrmachtsoldaten Helmut, die von den Norwegern gar nicht gern gesehen wird. Aber der Soldat ist in Wahrheit ein Jude, versteckt in einer Uniform, die er hasst und die ihm doch das Überleben sichert. Diese unglaubliche Geschichte fesselt bis zur letzten Seite. Dass sie wahr ist und von Lilians Tochter Randi Crott erzählt wird, die erst nach dem Tod des Vaters Helmut die Wahrheit über ihre jüdischen Wurzeln erfährt, macht sie umso stärker, umso bedeutender und umso unfassbarer. Sie lehrt uns, dass es sich lohnt, für das einzustehen, an das man glaubt. Und sie bringt uns Norwegen ein Stück näher. Unbedingt lesen!

Spiegel Bestsellerliste Sachbuch Platz 9.

Erzähl es niemandem!: Die Liebesgeschichte meiner Eltern*

Reiseberichte zu Norwegen

Literarische Reise nach Deutschland

Diese Bücher thematisieren zwar nicht explizit den Winter, passen aber gut in die Stimmung der dunklen Wintertage hinein und eignen sich für lange Leseabende.

6. Thomas Mann: Die Buddenbrocks – Lübeck zur Jahrhundertwende

Zwischen den Jahren wird häufig eine Verfilmung der Buddenbrocks ausgestrahlt. Für dieses Werk hat Thomas Mann den Nobelpreis für Literatur erhalten – zurecht. Ich bin kein Thomas Mann Fan, echt nicht. Seinen Zauberberg finde ich grausam zu lesen und habe abgebrochen. Aber die Buddenbrocks sind toll. Ich mag den Realismus in dem Roman. Die Zeit und die Charaktere sind so detailgetreu und lebensecht beschrieben, dass man sich total hineinfühlen kann in die Story und Schicksale der Menschen. Kleine Wiederholungen im Dialekt wie „sei glöcklich, du gutes Kind“ machen den Roman zu etwas ganz Besonderem. Die Buddenbrocks sind eine angesehene Kaufmannsfamilie in Lübeck zur Jahrhundertwende. Vom ältesten Sohn wird die Übernahme der Handelsgeschäfte erwartet, der zweite Sohn ist ein Taugenichts und Lebemann und von der Tochter Tony wird eine standesgemäße Hochzeit mit einem Kaufmann erwartet. Dass das alles im ausgehenden 19. Jahrhundert keinen Sinn mehr macht, dass sich Revolten andeuten und das Ende einer Kaufmannsdynastie in der Hansestadt Lübeck abzusehen ist, beschreibt Thomas Mann unterhaltsam und lebensnah. Lesen lohnt sich!

Buddenbrooks: Verfall einer Familie*

7. Michael Kumpfmüller: Die Herrlichkeit des Lebens – melancholische Stille an der See

Noch sind es beschwingte Sommertage an der Ostsee als der Schriftsteller Franz Kafka die Sommerfrische genießt, um seine Tuberkolose auszukurieren. Bereits vom Tod gekennzeichnet lernt er während der Tage an der See Dora kennen. Die beiden verlieben sich, Dora begleitet den todkranken Kaffka nach Berlin und pflegt ihn bis zum Tod. Michael Kumpfmüller schreibt eine Biografie der letzten Tage aus Kafkas Leben. Doch die leise Melancholie wirkt nicht so düster, wie man vermutet. Das Gegenteil ist der Fall, dieses Buch ist eine sanfte leise Hommage an das Leben und die Liebe und an die Aufopferung für einen geliebten Menschen. Das Ende eines Lebens, sei es auch nur kurz, ist gut, wenn ein geliebter Mensch da ist. Es ist ein Buch, das nachwirkt und in Erinnerung bleibt. Die leise melancholische Stille passt in die düsteren Wintertage gut hinein.

Die Herrlichkeit des Lebens: Roman

Kafka kurierte seine Tuberkulose einige Monate auf der Nordseeinsel Norderney aus. Hier ist der Reisebericht dazu.

Österreich: Literarische Reise ins winterliche Wien

Im Winter in Wien zu sein ist herrlich! Man kann sich beispielsweise stundenlang in die prachtvollen Kaffeehäuser setzen, eine Wiener Mélange trinken und eine Sacher-Torte essen. So hat es auch Arthur Schnitzler gemacht, seine Romane sind in den Kaffeehäusern entstanden. Und typischerweise waren die Kaffeehäuser Orte des Lesens. Hier kommt mein Winter Roman Lesetipp aus Österreich:

8. Arthur Schnitzler: Traumnovelle – verwirrendes Psychospiel um die heimlichen Sehnsüchte eines Wiener Ehepaars

Schnitzers bekanntestes Werk wurde eindrucksvoll von Stanley Kubrick mit Tom Cruise und Nicole Kidman in den Hauptrollen verfilmt. Der Wiener Arzt Fridolin gerät durch Zufall in eine Geheimgesellschaft, die nächtliche Maskenbälle veranstalten und in der Sexparties mit schönen Damen stattfinden. Seine Ehefrau unterdessen vergnügt sich mit einem strammen Offizier. Schnitzler spielt mit den Träumen, geheimen Sehnsüchten und auch mit den Schuldgefühlen, die uns unbewusst und bewusst umtreiben. Er lässt Realität und Suggestion ineinandereinfließen und die Gefühle um sexuelles Begehren, existentielle Todesangst werden eindrucksvoll thematisiert. Schnitzler schrieb die Traumnovelle in Wien während der berühmte Psychoanalytiker Sigmund Freud die Psychoanalyse in Wien begründet und daher sind Freuds und Jungs Theorien hier auch zentrales Thema. Absolut fantastisch!

Traumnovelle und andere Erzählungen (Fischer Klassik)*

Verfilmung von Stanley Kubrik: Eyes Wide Shut*

9. Elfriede Jelinek: Die Klavierspielerin

Winterzeit ist auch die Zeit der Konzerte, der gefüllten Opernhäuser und Orchestersääle. Beste Zeit, um die Klavierspielerin von Elfriede Jelinek zu lesen. Mit über 30 Jahren lebt die Klavierspielerin noch immer mit der Mutter in einer Wiener Wohnung. Von klein auf von der Mutter zur Pianistin gedrillt und an den Klavierstuhl gebunden, hat es die Klavierspielerin nie gelernt, sich außerhalb dieser Wohnung im echten Leben zurechtzufinden. Menschliche Bindungen sind ihr ein Rätsel und so bleibt ihr nichts übrig als zur stillen Beobachterin zu werden. Voyeuristische Streifzüge entwickeln sich immer mehr zu aggressivem oder autoaggressivem Verhalten. Elfriede Jelinek beschreibt den weilichen Voyeurismus und Narzissmus wie keine andere. Ein hochpsychologisches Buch, das zeigt wie die durch die kontroll- und herschsüchtige Beziehung zur Mutter ein hochneurotischer Charakter entsteht. Das Buch habe ich in einem literarischen Seminar an der Uni gelesen, es ist einzigartig und grandios. Eines der besten Bücher überhaupt, auch deshalb weil die Sprache von Elfriede Jelinek so kristallklar ist, dass man bei jedem Wort erschauert. Völlig zurecht mit den Nobelpreis für Literatur ausgezeichnet!

Die Klavierspielerin*

Verfilmung Die Klavierspielerin*

Reiseberichte: Wien im Winter ,  Wien im Winter IIKaffeehäuser in Wien,

Literarische Reise nach Ungarn

Bleiben wir in der KK-Zeit und wandern von Österreich nach Ungarn. Ähnlich wie die Russen, leiden die Ungarn unglaublich gerne und beschreiben ihre Melancholie wie keine anderen. Existenzielle Gefühle im nächsten Lesetipp aus Ungarn:

10. Die Glut von Sandor Marai – existenzielles Feuer in einer Nacht vor einem Kamin

Nach 40 Jahren kündigt sich Heriks Jugendfreund Konrad wieder an. Henrik will abrechnen: was geschah damals vor 40 Jahren bei einem Jagdausflug? Warum verschwand der Freund so plötzlich und was war mit Henrichs Frau Krystina, die mittlerweile verstorben ist? Es beginnt eine lange Nacht, wo sich die Jugendfreunde von einst vor dem Kamin zusammenfinden, um die ungeklärten Fragen zu klären. Sandor Marai beschreibt die wichtigsten existenziellen Gefühle des Menschen so eindrucksvoll, dass man das Buch in einem Rutsch durchliest: es geht um Liebe, Freundschaft, Verrat, Hass, Tod und Verzeihung. Nirgendwo lesen sich diese Themen imposanter – eine wahres Glutfeuer entfacht.

Die Glut: Roman*

Reiseberichte zu Ungarn

 

 

 

 

Literarische Reise nach Vendig – melancholische Serinissima im Winter

Claudie Gallay: Ein Winter in Venedig

Neblig und düster mögen die einen sagen, voll von melancholischem Zauber die anderen. Die Serenissima, die Stadt der Traurigen übt gerade im Winter für viele einen Reiz aus, dann wenn die Touristen verschwinden und sich der Verfall der alten Häuser an den Kanälen bemerkbar macht, dann wenn nur Nebelschwaden über dem Canale Grande stehen. Genau zu dieser Zeit, kurz vor den Weihnachtstagen, kommt die Protagonistin aus Frankreich nach Venedig, um dort zu vergessen, dass ihr Herz gebrochen wurde. Ausgerechnet in Venedig? Sie landet in einer Pension der verlorenen Illusionen, jedenfalls scheint es mir so: lauter kautzige Gäste haben sich hier eingenistet: da wären der alte russische Aristokrat und ein junges Päarchen, das sich lautstark liebt, um sich dann wieder zu trennen. Dazwischen steht die Protagonisten, versucht ihren Kummer zu vergessen, versucht sich neu in das Leben und die Liebe hineinzufinden. Am Ende scheint der Russe in Venedig das Leben zu finden, wo er doch hergekommen ist, um auf den Tod zu warten. Eine Geschichte, die ganz im Stile der französischen Romane geschrieben ist (Autorin ist Französin), erinnert ein bisschen an Anna Cavaldas Charaktere in „Zusammen ist man weniger allein“. Ein netter Unterhaltungsroman, mehr aber auch nicht.

Claudie Gallay ist eine der beliebtsten zeitgenössischen Autorinnen Frankreichs, vielfach ausgezeichnet und auf den Bestsellerlisten stark präsent.
Ein Winter in Venedig: Roman*

Das waren meine 11 Winter Romane für eine literarische Reise in den Winter oder anders gesagt, wenn draussen Schmuddelwetter ist, liest man sich den Winter eben mit einem guten Buch schön. Fantasie ist ja immer der beste Begleiter egal ob unterwegs oder daheim – in diesem Sinne wünsche ich euch eine schöne Winter-Lese-Reisezeit!

 

 

 

 

*Die mit *gekennzeichneten Links führen zur Partnerseite von Amazon. Für jeden Einkauf, der über diese Webseite auf Amazon führt und getätigt wird, erhalte ich eine kleine Provision. Du kannst diese Webseite mit deinem Kauf hierüber unterstützen und gewährleisten, dass dir diese Tipps auch weiterhin kostenlos zur Verfügung gestellt werden. Diese Webseite haftet nicht für Inhalte und Vorgänge auf externen Webseiten.