Varadero Strandtage: Wie man einen Inselkoller überlebt

Varadero. Während meiner Rundreise durch Kuba stach die Sonne erbarmungslos vom Himmel. Gut für blaue-Himmel-Urlaubsfotos. Doch während wir in das Strandhotel gekarrt werden, fängt es an zu nieseln. Kuba im November. „Wenn es in Kuba regnet, dann ist das immer nur für eine Stunde, danach scheint die Sonne wieder“, verspricht eine fröhliche Kubanerin, für die wir die ersten ausländischen Kunden sind, zum Trost bekommen wir noch eine Pina Colada aus der Kokusnusschale an einer Strandbar, die beste Pina Colada meines Lebens.

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Pina Colada

Tatsächlich, als wir im Hotel eingecheckt haben, ist der Himmel wieder stahlblau und die Sonne sticht. Ich sitze an einem Traumstrand, unter einer Traumpalme als wäre ich auf einem dieser Plakate aus einem Urlaubskatalog, die man an grauen Wintertagen in Deutschland immer mit neidvollen Blicken anschaut. Alles hier triefte nach Paradies und Glückseligkeit. Die Menschen trugen diese Glückseligkeit in ihren Gesichtern spazieren. Manche entschlossen sich sogar an diesem Traumstrand ihre Hochzeitskleider spazieren zu tragen, so glücklich konnte man hier sein an diesem Strand von Varadero. Alles könnte gut sein.

 

Ich stürze mich in die Wellen. Doch was ist das? Es ist so flach, dass meine Knie ständig am Boden streifen. In so einem Meer habe ich noch nie gebadet. Ein Meer, da muss man drin schweben und den Boden unter den Füßen verlieren. Das Meer hier, das ist für Anfänger. Am nächsten Tag wiederholt sich das, einmal, zweimal, dreimal im Meer schwimmen und dann ans Buffet stürzen. Ich ahne wohin mich das führen würde und fange an den Strand hoch und runter zu rasen wie eine Irre, in andere Hotelanlagen zu spähen und mir einzureden, dass ich es doch gut getroffen habe, mit der Hotelauswahl, dem Hotel Paradisus (Tipp siehe unten). Mein Highlight des Tages war die Strandausbeute, die ich gefunden habe: Rießige Muscheln, die das aufgewühlte Meer herbeigeschwemmt hat. Wie ein Hund sein gefundenes Stöckchen vorführt, schleife ich meine 3 Kilo-Muschel mit mir. Ich genieße neidische Blicke von alten Herren wegen meiner Muschel, die ich daher geschleift habe, den ganzen langen Strand entlang. Wenn man nichts zu tun hat, dann ist Muschelschleifen eine wichtige Urlaubsbeschäftigung, ich stelle fest, dass ich nicht die einzige bin. Jeder Spaziergänger schleift stolz irgendwas mit sich. Der Mensch ist eben ein Jäger und Sammler. Ein bisschen fühlt sich das Muscheldaherschleifen an, als hätte man eine Dschungelprüfung im Dschungelcamp bestanden. Die Muschel verweilte auf dem Balkon bis zu meiner Abreise und ich hoffte, dass sich darin kein Ungeziefer verbarg, das in der Nacht heraus gekrochen kam und mich auffressen würde. Dies geschah nicht.

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Fundstücke am Strand von Varadero

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Varadero: relaxen am Strand

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Mit dem Katamaran von Varadero nach Cayo Blanco

Am zweiten Tag buche ich einen Katamaranausflug, weil ich denke das wird eine spaßige Abwechslung. Viel zu überteuert, aber ich musste einfach eine richtige Aktivität tätigen. Und so ließ ich mich mit einem Katamaran auf dem lautstarke karibische Gute-Laune-Musik gespielt wurde und viel Rumbowle floß, auf die vorgelagerte Insel Cayo Blanco  karren. Hier sollen die Strände weißer sein als sonst wo. Tatsächlich waren sie, nennen wir es mal naturbelassen. Nach Baden war mir nicht zumute. Es wurden die obligatorischen Dancing Lessons für glücklich strahlende Touristen abgehalten, Langusten gegrillt und ich konnte nicht aufhören mich von meinem Hocker im Schatten wegzubewegen  und mich zu fragen, was ich hier eigentlich solle. Die Illusion des perfekt inszenierten karibischen Traums auf der einsamen Insel funktionierte bei mir irgendwie nicht. Wenigstens habe ich mich auf der Rückfahrt vor Lachen nicht mehr eingekriegt, weil die Trinkspiele zwar albern aber doch lustig waren. Wenn gut beleibte amerikanische Rapper-Jugendliche an der Stange tanzen, dann ist das eben einfach zum sich-wegschmeißen.

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Mit dem Katamaran von Varadero nach Cayo Blanco

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gestrandet auf der Insel Cayo Blanco

Am vierten Tag suchte Kuba die Kaltfront heim, deren Sturmauslöser in Havanna mehr als 30 Häuser mit sich riß. Von wegen, wenn es in Kuba regnet, dann nur für eine Stunde. Die Kaltfront hielt drei ganze Tage an. Drei Tage mit nur einem einzigen deutschen Fernsehsender, in dem immer das gleiche lief, drei Tage ohne Internet und Verbindung zur Außenwelt, drei Tage, nichts als schlafen, essen, lesen. Könnt ihr euch so was vorstellen? Versetzt euch mal bitte in meine Lage. Mein Leben besteht aus Internet, mein Job, mit dem ich Geld verdiene, ist das Internet, mein Blog ist im Internet, meine Freundschaften sind zum großenteil nur übers Internet möglich. Mein Gehirn braucht Input, ständig. Und ich bin ein aktiver Mensch, der sich bewegen muss, in einem gewissen Radius, der größer ist als eine Hotelanlage. Wie um Gottes willen kann man drei schlechte Wettertage ohne Internet aushalten? Eindeutig: ich hatte den Insel-Urlaubskoller, aber sowas von. Nicht mal Sport fand statt, die Sauna durfte nur betreten werden, wenn man sich eine völlig überteuerte Massage für 90 Euro gönnte. Ich bekam eine sau-mega-mässige Wut auf das Hotel, auf die Touristen und auf Kuba und schüttete mich mit Rum zu. Doch es half alles nichts, ich musste es einfach überstehen.

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Varadero am Strand: das Meer ist wild in diesen Tagen…

Das Meer war wild und rau. Wellen sprudelten meterhoch den Strand herauf. Tornados zwirbelten durch die Luft. Es war kalt und stürmisch. Die Menschen verkrochen sich in ihren Hütten und kamen nur zum Abendessen heraus. Die Menschen im Hotel waren ein bisschen weniger glücklich. Und man machte sich so Gedanken wie „wenn jetzt so ein Tsunami käme, dann sind wir alle weg, alle,“ haben die Touristen gesagt und ihr Paradies war ein bisschen getrübt von Angst, und wenn schon, dachte ich im Stillen, besser im Paradies zugrunde gehen als in der Hölle. Doch keine Sorge, unter den Opfern waren keine Toten.

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Varadero: Ich liebe das Meer und den Strand.

Ich erkundete die Gegend. Doch was hatte diese zu bieten? Ein Allinklusive-Resort nach dem anderen, eine in die Jahre gekommene Shoppingmal, in der es nichts zu kaufen gab und Souvenirshops, die alle  den gleichen Ramsch verkauften. Die Halbinsel Varadero ist für die Einheimischen nicht zugänglich, das einzige was man hier findet sind leere Restaurants (welcher Tourist braucht im Allinklusive-Paradies noch Restaurants?) und Wohnheime für Hotelangestellte. Achja einen Golfplatz gibt es noch und man hätte sich die DuPont-Villa anschauen können, einer der ersten Touristen in Varadero. Aber wozu? War die Villa irgendwie besonders? Nee, sie war nur die einzige Attraktion in einer Touristenhochburg. Die Halbinsel Varadero glich einer Geisterstadt.

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Irgendwann hörte die schlecht-Wetter-Phase wieder auf und irgendwie verbesserte sich dadurch auch meine Laune. Uns blieben noch zwei Tage, an denen wir sahen, dass die Strände in Varadero wahrlich paradisisch aussehen können, wenn sie wollen. Das Meer war plötzlich glattgezogen  als wäre das Dampfbügeleisen hier am Werk gewesen. Da hätte ich gerne noch ein paar Pina Coladas getrunken, meinen Schnorchel ausgepackt und vielleicht hätte ich mich sogar noch für eine Dancing Lesson überreden lassen, schließlich wurde ich jeden Tag darum gebeten. Dennoch ihr lieben Kubareisende sei euch gesagt: Kuba, das ist für mich nicht der Strand von Varadero, das ist die Glut, der Verfall und die Leidenschaft in den staubigen Gassen von Havanna, das sind die Bauern in den grünen Tälern des Valle de Vinales und das sind die Pastellfarben von Trinidad, das ist Che und Revolution, das ist Rum, verdammt viel guter Rum und gut ist. Wenn ich wieder mal an den Strand will,  reise ich nach Malle, da is auch schön.

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Mein Hoteltipp in Varadero:

Mein Reisebericht zum Hotel Paradisus Varadero kannst du hier nachlesen

direkt buchen kannst du das Hotel hier: Paradisus Varadero*

Meine Tipps zu Varadero:

Touren & Ausflüge von Varadero kannst du hier günstig online buchen*

(vor Ort sind die Ausflüge auch nicht günstiger)

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Hotel Paradisus Varadero

Was du für eine Reise nach Kuba brauchst

Vielen Dank an die Airline Condor für die Unterstützung meiner Reise nach Kuba.